Bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) besteht neben der Basismedikation mit Riluzol (und Edaravone) eine komplexe symptomatische Pharmakotherapie. 70 % aller verschriebenen Medikamente bei der ALS betreffen die Therapie von Symptomen. Dabei kommen mehr als 60 unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Indikations- und Medikamentengruppen zur Anwendung. Die Vielzahl der eingesetzten Medikamente zeigt die Notwendigkeit für eine vernetzte und abgestimmte Medikamentenversorgung für Menschen mit ALS.

Abb. 1. Anzahl der verschriebenen Medikamente pro ALS-Patient. Im Mittel nimmt ein ALS-Patient 4 Medikamente ein. Quelle: Ambulanzpartner Registerstudie

Vernetztes Medikationsmanagement

Viele Patienten mit ALS kennen die Herausforderung einer täglichen Versorgung mit zahlreichen und komplexen Medikamenten. Ein wichtiger Punkt in der erfolgreichen Versorgung ist dabei die Vernetzung und Abstimmung der beteiligten Ärzte, Therapeuten und Apotheker.

Ambulanzpartner bietet hierfür ein internetunterstütztes Medikationsmanagement an. Das Medikationsmanagement ermöglicht eine verbesserte Koordination, Kommunikation und Vernetzung zwischen Patienten, Ärzten, Apothekern sowie Heil- und Hilfsmittelversorgern. Das Medikationsmanagement ist eine Kombination von koordinativen Dienstleistungen und Versorgungsforschung mit Unterstützung einer digitalen Versorgungsplattform.

 

Was leistet das Medikationsmanagement?

Vernetzung mit spezialisierter Apotheke
Mit dem Medikationsmanagement werden Patienten darin unterstützt, eine auf komplexe neurologische Erkrankungen spezialisierte Apotheke zu finden und zu kontaktieren. Bei komplexen und seltenen Erkrankungen ist die fachliche Spezialisierung von Apotheken ein Vorteil. Die Spezialisierung führt zu einer besonderen Expertise in Versorgung und Beratung zu Medikamenten der symptomatischen oder palliativen Behandlung neurologischer Krankheitsbilder.

Organisation der Medikamentenversorgung
Bei einer lang anhaltenden oder dauerhaften Medikamentenbehandlung werden Patienten von organisatorischen Aufgaben durch die Koordinatoren von Ambulanzpartner sowie durch die Nutzung der Internetplattform Ambulanzpartner.de entlastet.

Belieferung von Medikamenten
Patienten erhalten die bei ihrem Arztbesuch verordneten Medikamente nach Hause geliefert, ohne selbst eine Apotheke aufsuchen zu müssen. Die Versorgung wird von einer Partner-Apotheke bearbeitet und umgesetzt. Durch die Spezialisierung der Partner-Apotheke auf die Patientengruppen in unserem Netzwerk sind die Medikamente in der Regel vorrätig und rasch lieferbar. Bereits verordnete Medikamente können bequem telefonisch nachbestellt werden.

Dokumentation der Medikation
Die Medikation wird auf Ambulanzpartner in einem digitalen Medikationsplan dokumentiert und ist für alle Netzwerkpartner einsehbar. Mit dem Medikationsplan können Apotheker Fragen zu Nebenwirkungen von Medikamenten und ihrer Kombinierfähigkeit beantworten sowie Hinweise zur praktischen Medikamenteneinnahme geben. Weiterhin können über den Medikationsplan auch Therapeuten oder Hilfsmittelversorger über Substanzen informiert werden, die die Heil- oder Hilfsmittelversorgung vielleicht beeinträchtigen (z.B. Spasmolytika).

 

Netzwerk der deutschen ALS-Zentren

Die ALS-Zentren an den Universitätskliniken in Berlin, Bochum, Bonn, Dresden, Hannover und Jena sowie im Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen nehmen an unserem Medikationsmanagement für ihre Patienten teil.

Abb. 2: Netzwerk der am Medikationsmanagement teilnehmenden ALS-Ambulanzen.

 

Patientenbewertungen

Abb. 5: Beispiel einer Patientenbewertung des Medikamentes Riluzol von Patienten mit ALS anhand der Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Riluzol einem Freund (m/w) oder Kollegen weiterempfehlen würden?“ . Quelle Ambulanzpartner Registerstudie

Patienten haben mit dem Medikationsmanagement die Möglichkeit, ihre Therapien bei Ambulanzpartner zu bewerten. Durch die Mitarbeit des Patienten kann ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Behandlung und Versorgung mit Medikamenten erreicht werden. Patientenbewertungen werden vom Patienten selbst oder von geschultem Personal erhoben.

Mit der Selbstbewertung ihrer Medikation nehmen die Patienten eine aktivere Rolle im Medikationsmanagement von Ambulanzpartner ein. Die Daten unterstützen nicht nur die Verbesserung der Versorgung im Ambulanzpartner Netzwerk sondern dienen beispielsweise auch der Konkretisierung und Weiterentwicklung von Behandlungspfaden und Leitlinien von Fachgesellschaften zur symptomatischen und palliativen Pharmakotherapie bei der ALS.

Wie nehme ich teil?

Wenn Sie am Medikamentenmanagement teilnehmen möchten, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt in der ALS-Ambulanz an. Oder kontaktieren Sie Ambulanzpartner per Email (info@ambulanzpartner.de). Die Teilnahme ist für Patienten kostenlos.

 

Weitere Informationen zur Teilnahme beim Medikationsmanagement finden Sie hier.