Tagung des europäischen ALS-Konsortiums in Umea/Schweden am 10./11.06.2005

Auf Einladung des schwedischen Neurologen Prof. Peter Andersen fand in der nordschwedischen Universitätsstadt Umea eine Tagung von europäischen ALS-Experten statt. Im Mittelpunkt der Konferenz standen grundlagenwissenschaftliche Forschungsvorhaben zur Ursache der ALS. Weiterhin wurden 2 Vorhaben einer ALS-Medikamentenstudie berichtet. Der niederländische Neurologe Prof. van den Berg von der Universität Utrecht berichtete von einer placebo-kontrollierten Studie mit dem Medikament Phenytoin, das eine formale Zulassung zur Behandlung der Epilepsie erhalten hat und aufgrund theoretischer Überlegungen bei ALS-Patienten Anwendung finden kann. Wissenschaftlicher Hintergrund des Vorhabens ist eine Expressionssteigerung des SMN-Gens (survival of motoneuron gene), das durch Phenytoin aktiviert wird und zugleich bei einem Teil der ALS-Patienten nur reduziert exprimiert wird. Die Studie findet mit über 200 ALS-Patienten an dem genannten holländischen ALS-Zentrum statt. Die Aufnahme in diese Studie hat bereits begonnen. Die Studiendauer wird mind. 1 Jahr betragen, so dass ab Herbst 2006 Ergebnisse zur Wirksamkeit von Phenytoin bei der ALS zu erwarten sind. Eine zweite ALS-Medikamentenstudie befindet sich in Vorbereitung an der Universität Lissabon unter Leitung des Neurologen Prof. de Carvalho. Untersucht wird die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit des Medikamentes Memantine, das bisher eine formale Zulassung bei der Demenz vom Alzheimertyp hat. Aufgrund theoretischer Überlegungen ist eine kontrollierte Studie bei der ALS sinnvoll. Memantine verändert die Erregungsleitung durch den Botenstoff Glutamat im Nervensystem des Menschen und weist damit Parallelen zum bereits zugelassenen ALS-Medikament Riluzol auf. Einzelfallberichte einer Memantine-Behandlung bei ALS-Patienten erbrachte keine Wirksamkeit der Substanz. Tierexperimentelle Studien zum therapeutischen Effekt von Memantine im ALS-Mausmodell liegen bisher ebenfalls nicht vor. Aufgrund der pharmakologischen Parallelen von Memantine und Riluzol ist eine Medikamentenstudie mit Memantine gerechtfertigt. Der Beginn der Memantine-Studie ist für Ende 2005 vorgesehen und soll vor allem Patienten mit einer schwer verlaufenden ALS vorbehalten sein. Die Dauer der Verträglichkeitsstudie ist für sechs Monate vorgesehen, so dass diese Daten ab Mitte 2006 vorliegen.