Das forschende Arzneimittelunternehmen Orion Pharma hat eine klinische Studie mit dem Medikament Levosimendan durchgeführt. Beteiligt waren in Deutschland die Studienzentren an den Universitätskliniken in Ulm, Hannover, Jena und Berlin (Charité). Beendet wurde die Studie im Oktober 2017.

Levosimendan ist bisher zur Behandlung der Herzinsuffizienz zugelassen. Die Wirksamkeit bei der Herzinsuffizienz beruht auf einer Aktivierung von Troponin C – einem wichtigen Bestandteil des Muskelskeletts. Levosimendan erhöht durch eine Aktivierung von Troponin die Leistung geschwächter Muskulatur. Der positive Effekt auf die Muskelarbeit ist das pharmakologische Konzept für den Einsatz von Levosimendan bei der ALS. In bisherigen Studien wurde insbesondere ein positiver Effekt von Levosimendan auf die Kraft der Atemmuskulatur festgestellt, die bei der ALS häufig beeinträchtigt ist. Weiterhin ist bekannt, dass die Substanz über entzündungshemmende Eigenschaften verfügt und die schädliche Ablagerung von Eiweißen (Proteinaggregation) bei der ALS hemmen kann.

Die Studie mit Levosimendan (LEVALS) stellte eine frühe Phase der Medikamentenprüfung (Phase 2-Studie) dar, bei der in einer kleinen Patientengruppe (etwa 70 Patienten weltweit) die Verträglichkeit und erste Hinweise für eine Wirksamkeit bei der ALS untersucht wurden. Die Wirksamkeit wurde anhand der Vitalkapazität (maximales Volumen der Ein- und Ausatmung) gemessen („primärer Endpunkt“). Die Bemessung des Studienerfolges an der Vitalkapazität war sinnvoll, da dieser Parameter leicht messbar und zugleich von hoher klinischer Bedeutung bei der ALS ist. Die Einschränkung der Atemarbeit ist eines der führenden Probleme bei der ALS. Ihre positive Beeinflussung wäre ein großer Fortschritt zur Verbesserung von Lebenszeit und Lebensqualität bei der ALS. Weiterhin ist ein positiver Effekt von Levosimendan auf die Atemmuskulatur bekannt. Neben der Vitalkapazität wurden noch zahlreiche andere Parameter erhoben und analysiert („sekundäre Endpunkte“).

In einer ersten Studienphase von 14 Wochen Dauer fand eine Plazebo-kontrollierte Vergleichsuntersuchung mit einem sogenannten „Cross-Over-Design“ statt. Dabei wurden die Studienteilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe zunächst ein Plazebo erhielt, wurde die andere mit Levosimendan in unterschiedlichen Dosierungen behandelt. Nach jeweils zwei Wochen wurde die Medikamentenzuordnung getauscht. Nach Abschluss der ersten plazebo-kontrollierten Studienphase folgte eine zweite Phase, in der alle Gruppen über einen Zeitraum von sechs Monaten mit Levosimendan behandelt wurden („open label extension“).

Die Ergebnisse der LEVALS-Studie konnten keinen signifikanten Effekt auf die ALS-Funktionsskala (ALS-FRSR) zeigen. Mit diesen Daten kann Levosimendan keine Verbesserung von ALS-Symptomen erreichen. Neben diesem negativen Ergebnis entstand eine wichtige Beobachtung, dass die Gruppe der Levosimendan-behandelten Patienten eine geringere Abnahme der Atemkraft zeigte – im Vergleich zur Placebo-behandelten Patientengruppe. Die Atemkraft wurde innerhalb der Studie durch die Messung der Atemkraft (SVC, Slow Vital Capacity) ermittelt. Zusammenfassend konnte die Levals-Studie einen positiven Einfluss von Levonsimendan auf die Atemfunktion (gemessen durch SVC) nachweisen. Trotz des negativen Ergebnisses bezüglich der Gesamtfunktion (ALS-FRS) ist der positive Effekt auf die Atemfunktion von medizinischer Bedeutung. Die Abnahme der Atemkraft im ALS-Krankheitsverlauf hat einen entscheidenden Einfluss auf das Überleben und die Lebensqualität bei der ALS. Ein Medikament, dass die Atemfunktion bei der ALS positiv beeinflusst wäre daher von klinischer Bedeutung. Aufgrund der positiven Effekte von Levosimendan auf die Atemfunktion hat sich der Hersteller, das finnische Arzneimittelunternehmen Orion Pharma, entschlossen, die Entwicklung des Medikamentes bei der ALS fortzusetzen und eine weitere Studie durchzuführen. Der Beginn der Folgestudie (REFALS) ist für den Mai 2017 geplant.

Hier erfahren Sie mehr über die Folgestudie REFALS und über die Einschlusskriterien zur Studienteilnahme

Unser Dank und Respekt gebührt allen Beteiligten (Patienten, Angehörige, Mitarbeiter der ALS-Ambulanzen, Studienorganisation) bei der Realisierung der Levals-Studie.