Arimoclomol ist ein neues Medikament, das in einer Phase 3-Studie in Europa und den USA auf Verträglichkeit und Wirksamkeit bei der ALS untersucht wird. In Deutschland sind die ALS-Ambulanzen der Charité in Berlin sowie der Medizinischen Hochschule Hannover und des Universitätsklinikum Ulm beteiligt.

Patienten mit der gesicherten Diagnose einer ALS werden eingeladen, an der klinischen Studie mit Arimoclomol teilzunehmen. Die klinische Untersuchung wird als Placebo-kontrollierte und doppel-blinde Studie durchgeführt. Unter „Placebokontrolle“ ist zu verstehen, dass ein Teil der behandelten Patienten das Studienpräparat erhält, während eine andere Gruppe mit einem Placebo-Medikament behandelt wird. Die Auswahl wird von einem Zufallsgenerator vorgenommen („randomisierte Studie“). Sowohl die Patienten als auch die Studienärzte haben während der klinischen Studie keine Kenntnis über die Zuordnung zum Placebo- oder Studienpräparat („doppel-blinde Studie“). Die Placebokontrolle und „Verblindung“ sind wichtige und etablierte medizinisch-wissenschaftliche Methoden in der klinischen Forschung, um reale Medikamenteneffekte von zufälligen Ereignissen oder Erwartungshaltungen („Placebo-Effekt“) abzugrenzen.

Zur Gewährleistung der Sicherheit und Machbarkeit einer klinischen Studie ist die Festlegung von Einschlusskriterien erforderlich. Dabei wird bereits vor Beginn der Studie definiert, unter welchen Bedingungen eine Studienteilnahme möglich ist. Für die Arimoclomol-Studie wurden die folgenden Einschlusskriterien definiert (Auswahl):

  • Maximale Krankheitsdauer von 18 Monaten (Zeitraum vom Beginn von Lähmungen oder einer Sprechstörung bis zum Einschluss in die Studie).
  • ≥ 34 Punkte auf der ALS Funktionsskale (ALS-FRSr)
  • ≥ 80 Prozent der Vitalkapazität (SVC, Slow Vital Capacity)

Neben diesen Kernkriterien sind weitere Ein- und Ausschlusskriterien durch die Studienorganisation festgelegt worden, die während einer Studienvisite individuell geprüft werden (Screening-Visite). Nach einem erfolgreichen Screening zur Studie wird eine Studienteilnahme ermöglicht. Die Studienteilnahme beinhaltet die tägliche Einnahme von 6 Tabletten (2 Tabletten jeweils morgens, mittags und abends). Die einzunehmenden Tabletten beinhalten entweder das Prüfpräparat oder Placebo. Die sonstigen ALS-Medikamente (Riluzol und gegebenenfalls Edaravone) werden unverändert eingenommen.

Die Studie wird über einen Zeitraum von 76 Wochen realisiert. Dazu sind insgesamt 10 Visiten in der Ambulanz erforderlich, die zeitlich mit den „regulären“ Terminen in der ALS-Ambulanz kombiniert werden können. Hinzu kommen 10 zusätzliche Telefonvisiten, die eine telefonische Befragung beinhalten. Die Studienvisiten werden in der ALS-Ambulanz durchgeführt und umfassen verschiedene Messungen (Kraftprüfung, Messung der SVC, EKG, Laboruntersuchungen und Befragungen). Die Aufwendungen der Anreise für Patienten und begleitende Angehörige (Fahrtkosten) werden von der Studienorganisation erstattet.

Über die Abläufe der Studie informiert eine schriftliche Studieninformation. Zusätzlich ist die Klärung offener Fragen durch eine Studienärztin und Studienkoordinatorin möglich. Die Studienteilnahme setzt ein informiertes Einverständnis und die vorausgegangene Klärung offener Fragen voraus. Fragen zu Möglichkeiten der Teilnahme sind zu richten an: birgit.koch@charite.de

Über Arimoclomol:

In einer vorangegangenen Studie mit Arimoclomol bei Patienten mit einer genetischen Form der ALS (SOD1-Mutationen) ergaben sich Hinweise auf eine Krankheitsverlangsamung durch das Medikament. Die Krankheitsprogression, die anhand der ALS-Funktionsskala (ALS-FRS) ermittelt wird, konnte in der Arimoclomol-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Behandlung reduziert werden. Ein Stillstand der Erkrankung durch Arimoclomol konnte in keinem Fall erreicht werden. Arimoclomol gehört zur Gruppe der krankheitsmodifizierenden Medikamente, die auf eine Verlangsamung der Krankheitsprogression abzielen. In bisherigen klinischen Studien mit Arimoclomol, die in den USA durchgeführt wurden, zeigte sich eine gute Verträglichkeit der Substanz.

Arimoclomol gehört zur chemischen Gruppe der Chaperon-Aktivatoren. Molekulare Chaperone sind natürlich vorkommende Moleküle des menschlichen Körpers, die für den Abbau von Protein- und Zellresten verantwortlich sind. Bei der ALS kommt es zu einer unerwünschten Anreicherung von spezifischen Eiweißen (Proteinaggregation von TDP-43, SOD-1 und FUS), die im Verdacht stehen, die Neurodegeneration bei der ALS zu verursachen oder zumindest zu begünstigen. Die Therapiestrategie bei Arimoclomol besteht darin, dass die Proteinaggregation bei der ALS oder damit im Zusammenhang stehende Krankheitsprozesse verlangsamt werden. Das Medikament wurde vor mehr als 15 Jahren in den USA entwickelt und zunächst in Tiermodellen der ALS getestet. Es folgten erste klinischen Studien beim Menschen (Phase 2) und die Übernahme der Entwicklungsarbeiten durch das dänische Arzneimittelunternehmen Orphazyme mit Sitz in Kopenhagen.

Publikationen über Arimoclomol:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29367439

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15034571