Aktuelle Studien

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FORTITUDE-STUDIE (RELDESEMTIV)

Reldesemtiv (CY5031) ist ein innovatives Medikament des amerikanischen Arzneimittelunternehmens Cytokinetics Inc. (South San Francisco, USA), das auf eine verbesserte Muskelfunktion, Verlangsamung des Krankheitsverlaufes und Verlängerung des Überlebens abzielt.

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Die Wirksamkeit des Medikamentes wird in einer Phase 3-Studie in den USA und Europa untersucht. Die Studie unter der Bezeichnung „FORTITUDE-Studie“ wird an der ALS-Ambulanz der Charité (Berlin) sowie weiteren Studienzentren in Deutschland durchgeführt (Bonn, Hannover, Jena, Ulm).

Das Medikament gehört zur Gruppe der Troponin-Aktivatoren, die zu einer Aktivitätssteigerung und erhöhten Leistungsfähigkeit von Muskelzellen (Myozyten) führen. Aufgrund der eingeschränkten motorischen Leistungsfähigkeit von Myozyten bei der ALS gilt die Substanzgruppe der Troponin-Aktivatoren als innovative Medikamentengruppe, um die ALS-bedingte Abnahme der motorischen Funktion zu reduzieren und damit den ALS- Krankheitsverlauf zu stabilisieren.

Bei der FORTITUDE-Studie wird eine orale Form von Reldesemtiv (Tabletten) verwendet. Die Untersuchung von Reldesemtiv wird im Vergleich zu Placebo durchgeführt. Die Studienteilnehmer nehmen Reldesemtiv („Verum-Gruppe“) oder Placebo („Placebo-Gruppe“) ein. Zusätzlich wird das ALS-Basismedikament Riluzol eingenommen. Die Studienmedikation wird zweimal täglich eingenommen. In der gesamten Studie (in allen Ländern zusammen) ist die Teilnahme von etwa 550 Patientinnen und Patienten vorgesehen. Dabei erhalten zwei Drittel der Teilnehmer das Verum-Präparat, während ein Drittel mit einem Placebo behandelt wird. Das Verhältnis von Verum-Placebo beträgt somit 2:1.

Die Studienteilnahme umfasst 7 ambulante Termine, die in einem Zeitraum von 48 Wochen realisiert werden (1 Termin zum Screening und Studienstart, je 1 Kontrolltermin nach 4 und 12 Wochen der Medikamenteneinnahme sowie danach Studientermine alle 12 Wochen). Ein Teil der Studienvisiten wird mit den „regulären“ Visiten in der ALS-Ambulanz kombiniert, um die logistischen Aufwendungen der Studienteilnahme zu reduzieren (insbesondere die Studientermine im Abstand von 12 Wochen).

Die Teilnahme von Menschen mit ALS an der klinischen Studie ist an medizinisch-definierte Einschluss- und Ausschlusskriterien gebunden (u.a. Erkrankungsdauer von höchstens 24 Monaten seit Symptombeginn; Vitalkapazität von mindestens 65 %). Diese Kriterien werden während einer Ambulanzvisite überprüft. Bei Vorliegen der medizinischen Teilnahmevoraussetzungen werden Patienten bezüglich einer möglichen Studienteilnahme angesprochen. Fragen für eine Teilnahme an der FORTITUDE-Studie in der ALS-Ambulanz der Charité in Berlin sind an die Studienkoordinatorin zu richten: birgit.koch@charite.de.

Author: Thomas Meyer

PHOENIX-STUDIE (AMX0035)

Das Medikament AMX0035 des pharmazeutischen Unternehmens Amylyx Pharmaceuticals Inc. (Cambridge, USA) ist eine Kombination der Substanzen Natriumphenylbutyrat und Taurursodiol. In experimentellen Untersuchungen konnte in dieser Substanzkombination die Degeneration von Neuronen reduziert werden.

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In einer Phase 2-Studie konnte eine gute Verträglichkeit und eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes anhand der ALS-Funktionsskala (ALS-FRS) gezeigt werden. Die Wirksamkeit des Medikamentes in Bezug auf eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes und Verlängerung des Überlebens wird in einer Phase 3-Studie in den USA und Europa untersucht. Die Studie unter der Bezeichnung „PHOENIX-Studie“ wird an der ALS-Ambulanz der Charité (Berlin) sowie weiteren Studienzentren in Deutschland durchgeführt.

Bei der PHOENIX-Studie wird eine orale Form von AMX0035 verwendet. Die Untersuchung von AMX0035 wird im Vergleich zu Placebo durchgeführt. Die Studienteilnehmer nehmen AMX0035 („Verum-Gruppe“) oder Placebo („Placebo-Gruppe“) ein. Zusätzlich wird das ALS-Basismedikament Riluzol eingenommen. Die Studienmedikation wird zweimal täglich eingenommen. In der gesamten Studie (in allen Ländern zusammen) ist die Teilnahme von etwa 400 Patientinnen und Patienten in Europa vorgesehen. Das Verhältnis von Verum-Placebo-Patienten beträgt 3:2.

Die Studienteilnahme umfasst 5-6 ambulante Termine, die in einem Zeitraum von 48 Wochen realisiert werden (1 Termin zum Screening und Studienstart, 1 Kontrolltermin nach 4 und 12 Wochen der Medikamenteneinnahme sowie danach Studientermine alle 12 Wochen). Ein Teil der Studienvisiten wird mit den „regulären“ Visiten in der ALS-Ambulanz kombiniert, um die logistischen Aufwendungen der Studienteilnahme zu reduzieren (insbesondere die Studientermine im Abstand von 12 Wochen).

Die Teilnahme von Menschen mit ALS an der klinischen Studie ist an medizinisch-definierte Einschluss- und Ausschlusskriterien gebunden (u.a. Erkrankungsdauer von höchstens 24 Monaten seit Symptombeginn; Vitalkapazität von mindestens 55 %). Diese Kriterien werden während einer Ambulanzvisite überprüft. Zusätzlich sind Telefonvisiten oder Online-Erhebungen vorgesehen. Bei Vorliegen der medizinischen Teilnahmevoraussetzungen werden Patienten bezüglich einer möglichen Studienteilnahme angesprochen. Fragen für eine Teilnahme an der PHOENIX-Studie in der ALS-Ambulanz der Charité in Berlin sind an die Studienkoordinatorin zu richten: birgit.koch@charite.de.

Über AMX0035:
AMX0035 ist eine orale Medikamenten-Kombination von Natriumphenylbutyrat und Taurursodiol. Die Dosierung beträgt 3 g Natriumphenylbutyrat und 1 g Taurursodiol pro Tag. In experimentellen Untersuchungen konnte in dieser Substanzkombination die Degeneration von Neuronen reduziert werden. Bestimmte zelluläre Bestandteile (endoplasmatisches Retikulum) sowie die zelluläre Energieversorgung (Mitochondrien) wurden in ihren Funktionen gestärkt. Natriumphenylbutyrat ist das Natriumsalz einer Fettsäure (Phenylbuttersäure). Taurursodiol ist eine Gallensäure mit bekannter Stabilisierung von Protein-Faltung („Chaperon-Effekt“). Die veränderte Faltung von Proteinen (insbesondere des Eiweißes TDP-43) ist ein bekannter Bestandteil des Krankheitsmechanismus der ALS.

Author: Thomas Meyer

MERIDIAN-STUDIE (PEGCETACOPLAN)

Das Medikament Pegcetacoplan (APL-2) des pharmazeutischen Unternehmens Apellis Pharmaceuticals, Inc. (USA) ist ein neuartiger C3-Komplement-Inhibitor, der entzündungshemmende Eigenschaften aufweist.

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Experimentelle Untersuchungen konnten zuvor eine erhöhte Aktivität des Komplementfaktors C3 an der neuromuskulären Endplatte feststellen. Komplementfaktoren sind neben Immunzellen und Antikörpern ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems (auch „Komplement-System“ genannt). Eine Erhöhung von Komplementfaktoren kann durch Autoimmunprozesse entstehen. Die neuromuskuläre Endplatte stellt die Verbindung zwischen der Nervenendigung und der Muskulatur dar. Die Rolle der neuromuskulären Endplatte bei der ALS ist bisher unzureichend untersucht.

Eine Studie zur Verträglichkeit und in Bezug auf eine mögliche Verlangsamung des Krankheitsverlaufes und Verlängerung des Überlebens durch Pegcetacoplan wird in einer Phase 2-Studie in den USA und Europa realisiert. Die Studie unter der Bezeichnung „MERIDIAN-Studie“ wird an der ALS-Ambulanz der Charité (Berlin) sowie weiteren Studienzentren in Deutschland durchgeführt.

Bei der MERIDIAN-Studie wird eine subkutane Form von Pegcetacoplan verwendet („subkutan“ bedeutet Injektion unter die Haut). Die Untersuchung von Pegcetacoplan wird im Vergleich zu Placebo durchgeführt. Die Studienteilnehmer verabreichen sich Pegcetacoplan („Verum-Gruppe“) oder ein-Placebo-Präparat („Placebo-Gruppe“) ein. Zusätzlich wird das ALS-Basismedikament Riluzol eingenommen. Die Studienmedikation wird zweimal pro Woche mit einer feinen Nadel unter die Haut gespritzt (Selbstinjektion oder durch geschulte Angehörige). Dazu wird zuvor eine entsprechende Schulung vorgenommen. In der gesamten Studie (in allen Ländern zusammen) ist die Teilnahme von 228 Patientinnen und Patienten vorgesehen. Dabei erhalten zwei Drittel der Teilnehmer das Verum-Präparat, während ein Drittel mit einem Placebo behandelt wird. Das Verhältnis von Verum und Placebo beträgt 2:1.

Die Studienteilnahme umfasst 5-6 ambulante Termine, die in einem Zeitraum von 52 Wochen realisiert werden (Termine zum Screening und Studienstart sowie Kontrolltermine, gefolgt von Studienterminen alle 12 Wochen). Ein Teil der Studienvisiten wird mit den „regulären“ Visiten in der ALS-Ambulanz kombiniert, um die logistischen Aufwendungen der Studienteilnahme zu reduzieren (insbesondere die Studientermine im Abstand von 12 Wochen). Zusätzlich sind Telefonvisiten oder Online-Erhebungen vorgesehen. Nach Ablauf der placebo-kontrollierten Studienphase folgt eine Umstellung aller Teilnehmer auf Pegcetacoplan („offene“ Erweiterungsstudie über weitere 52 Wochen)

Die Teilnahme von Menschen mit ALS an der klinischen Studie ist an medizinisch-definierte Einschluss- und Ausschlusskriterien gebunden (u.a. Erkrankungsdauer von höchstens 72 Wochen seit Symptombeginn; Vitalkapazität von mindestens 60 %). Diese Kriterien werden während einer Ambulanzvisite überprüft.

Eine Besonderheit bei dieser Studie besteht darin, dass die Impfung gegen folgende Erreger vor Teilnahme an der Studie notwendig ist: Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis (Typ A, C, W, Y und B und Haemophilus influenzae (Typ B). Die Impfungen werden notwendig, da das Medikament zu einer Beeinflussung des Immunsystems führt. Die Impfungen stellen eine Sicherheitsmaßnahme dar, um das Risiko an einer Infektion mit den genannten Erregern zu reduzieren.

Bei Vorliegen der medizinischen Teilnahmevoraussetzungen werden Patienten bezüglich einer möglichen Studienteilnahme angesprochen. Fragen für eine Teilnahme an der MERIDIAN-Studie in der ALS-Ambulanz der Charité in Berlin sind an die Studienkoordinatorin zu richten: birgit.koch@charite.de.

Author: Thomas Meyer

EDARAVONE-STUDIE (MT1186-A02)

Das ALS-Medikament Edaravone ist in Form einer Infusionstherapie in den USA und Kanada bereits seit 2018 zugelassen. In Japan, wo das Medikament durch Mitsubishi-Tanabe Pharma entwickelt wurde, ist das Medikament bereits seit 2016 verfügbar.

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In Europa (einschließlich Deutschland) hat der Hersteller einen Zulassungsantrag für das Medikament zurückgezogen, da die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) eine ungünstige Bewertung abgegeben hat. Im Mittelpunkt der Kritik stand die geringe Dauer der Zulassungsstudie in Japan und das Fehlen von Wirksamkeitsdaten für einen Überlebensvorteil durch das Medikament. Beide Kritikpunkte werden durch die Edaravone-Studie adressiert, die mit der Bezeichnung MT1186-A02 durchgeführt wird.

Bei der Studie MT1186-A01 wird eine orale Form von Edaravone verwendet. Das Medikament steht als Suspension (flüssiges Medikament) zur Verfügung, die in dieser Darreichungsform auch bei Patienten mit Schluckstörung auf erleichterter Weise eingenommen werden kann.

Die Edaravone-Studie wird im Vergleich zu Placebo durchgeführt. Die Studienteilnehmer nehmen Riluzol (Basisbehandlung) in Kombination mit Edaravone („Verum-Gruppe“) oder in Kombination zu Plazebo („Plazebo-Gruppe“) ein. Die Edaravone- bzw. Plazebo-Suspension wird einmal täglich für 14 Tage eingenommen. Dann folgt eine Medikamentenpause von Edaravone von 14 Tagen (Riluzol wird in der Zwischenzeit weiter eingenommen).

Die Studienteilnahme umfasst 7 ambulante Termine, die in einem Zeitraum von 2 Jahren realisiert werden (1 Termin zum Screening, 1 Termin zum Studienstart, 1 Kontrolltermin nach 4 Wochen der Medikamenteneinnahme sowie Studientermine 12 Wochen, 24 Wochen, 36 Wochen und 48 Wochen nach Studienbeginn). Ein Teil der Studienvisiten wird mit den „regulären“ Visiten in der ALS-Ambulanz kombiniert, um die logistischen Aufwendungen der Studienteilnahme zu reduzieren (insbesondere die Studientermine nach 12 Wochen, 24 Wochen, 36 Wochen und 48 Wochen).

Die Teilnahme von Menschen mit ALS an der klinischen Studie ist an medizinisch-definierte Einschluss- und Ausschlusskriterien gebunden (Erkrankungsdauer von höchstens 36 Monaten seit Symptombeginn; Vitalkapazität von mindestens 70 %, u.a.). Diese Kriterien werden während einer Ambulanzvisite überprüft. Bei Vorliegen der medizinischen Teilnahmevoraussetzungen werden Patienten bezüglich einer möglichen Studienteilnahme angesprochen. Fragen zur Edaravone-Studie sind an die Studienkoordinatorin zu richten: birgit.koch@charite.de.

TUDCA

TUDCA ist ein neues Medikament, das in einer klinischen Studie auf Verträglichkeit und Wirksamkeit bei der ALS untersucht wird. In einer zurückliegenden Phase 2-Studie, an der 34 Patienten mit ALS teilgenommen haben, wurde die Verträglichkeit von TUDCA überprüft. Dabei konnte neben einer unproblematischen Verträglichkeit auch ein positiver Einfluss auf den ALS-Krankheitsverlauf demonstriert werden.

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Allerdings ist bei einer geringen Teilnehmerzahl die Aussagefähigkeit von klinischen Studien begrenzt. Daher wird in einem EU-Studienprogramm eine Wirksamkeitsstudie realisiert, an der ALS-Zentren in Italien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Belgien mitwirken. Insgesamt werden 440 ALS-Patienten an der Studie teilnehmen. Die TUDCA-Studie wird als plazebo-kontrollierte und doppelblinde Untersuchung realisiert.

Zur Gewährleistung der Sicherheit und Machbarkeit einer klinischen Studie ist die Festlegung von Einschlusskriterien erforderlich. Dabei wird bereits vor Beginn der Studie definiert, unter welchen Bedingungen eine Studienteilnahme möglich ist. Für die TUDCA-Studie wurden die folgenden Einschlusskriterien definiert (Auswahl):

Maximale Krankheitsdauer von 18 Monaten (Zeitraum vom Beginn von Lähmungen oder einer Sprechstörung bis zum Einschluss in die Studie)

≥ 3 Punkte im Bereich der Schluckfunktion auf der ALS Funktionsskale (ALS-FRSr)

≥ 70 Prozent der Vitalkapazität (SVC, Slow Vital Capacity)

Neben diesen Kernkriterien sind weitere Ein- und Ausschlusskriterien durch die Studienorganisation festgelegt worden, die während einer Studienvisite individuell geprüft werden (Screening-Visite). Nach einem erfolgreichen Screening zur Studie wird eine Studienteilnahme ermöglicht. Die Studienteilnahme beinhaltet die tägliche Einnahme von 8 Kapseln (4 Kapseln jeweils morgens und abends). Die einzunehmenden Kapseln beinhalten entweder das Prüfpräparat oder Placebo. Die sonstigen ALS-Medikamente (insbesondere Riluzol) werden unverändert eingenommen.

Die Studie wird über einen Zeitraum von 21 Monaten realisiert. Dazu sind insgesamt 8 Visiten in der Ambulanz erforderlich, die zeitlich mit den „regulären“ Terminen in der ALS-Ambulanz kombiniert werden können. Hinzu kommt 1 zusätzliche Telefonvisite, die eine telefonische Befragung beinhaltet. Die Studienvisiten werden in der ALS-Ambulanz durchgeführt und umfassen verschiedene Messungen (Kraftprüfung, Messung der SVC, EKG, Laboruntersuchungen und Befragungen). Die Aufwendungen der Anreise für Patienten und begleitende Angehörige (Fahrtkosten) werden von der ALS-Ambulanz unterstützt.

Über die Abläufe der Studie informiert eine schriftliche Studieninformation. Zusätzlich ist die Klärung offener Fragen durch eine Studienärztin und Studienkoordinatorin möglich. Die Studienteilnahme setzt ein informiertes Einverständnis und die vorausgegangene Klärung offener Fragen voraus. Fragen zu Möglichkeiten der Teilnahme sind zu richten an: birgit.koch@charite.de

Über TUDCA:

TUDCA (Tauroursodeoxycholic acid; Tauroursodesoxycholsäure) ist eine natürlich vorkommende Gallensäure, die überwiegend bei bestimmten Tierarten, wie dem Schwarzbären („Ursu“, der Bär) vorkommen. Beim Menschen macht TUDCA etwa 3 % der Gallensäure aus. In der chinesischen Medizin wurden Gallensäuren (mit TUDCA als chemische Komponente) bereits seit Jahrhunderten zur Linderung von Muskelkrämpfen und „fieberhaften Erkrankungen“ eingesetzt. 1956 gelang in Japan erstmalig die synthetische Herstellung von TUDCA. Erst neuere Forschungen konnten zeigen, dass TUDCA die chemische Rolle eines Chaperons einnimmt. Unter Chaperonen sind Moleküle zu verstehen, die für die Anordnung und Faltung von körpereignen Proteinen (Eiweiße) verantwortlich sind. Diese Eigenschaften sind aus ALS-Perspektive von besonderem Interesse, da für die ALS eine pathologische Faltung und Zusammenballung von bestimmten Proteinen (TDP-43, FUS-Protein) bekannt ist.

Über plazebo-kontrollierte und „doppel-blinde“ Studien:

Das Grundprinzip einer Plazebo-Kontrolle besteht darin, dass ein Teil der Studienteilnehmer mit einem Schein-Präparat ohne Wirkstoff (Plazebo) behandelt wird, während eine zweite Gruppe das experimentelle Medikament erhält. Unter „doppel-blinder“ Durchführung ist zu verstehen, dass sowohl der teilnehmende ALS-Patient als auch der durchführenden Studienarzt keine Kenntnis über die tatsächliche Zuordnung zur Plazebo- oder Wirkstoff-Gruppe erhält. Die Zuordnung zwischen beiden Gruppen wird durch einen Zufallsgenerator („Randomisierung“) vorgenommen. Die Methode der randomisierten, plazebo-kontrollierten und doppel-blinden Studien hat sich in der gesamten Medizin durchgesetzt, um reale Medikamenteneffekte vom „Wunschdenken“ einer Wirksamkeit abzugrenzen, das sowohl Patienten als auch Ärzte und Wissenschaftler betrifft. Psychologisch kann die Teilnahme an einer plazebo-kontrollierten Studie für Patienten eine Belastung darstellen. Längerfristig ist diese Methode der Studiendurchführung für die Sicherheit und Effektivität der medizinischen Behandlung unbestritten und von herausragender Bedeutung.

(1) Elia AE, Lalli S, Monsurrò MR, Sagnelli A, Taiello AC, Reggiori B, La Bella V, Tedeschi G, Albanese A. Tauroursodeoxycholic acid in the treatment of patients with amyotrophic lateral sclerosis. Eur J Neurol. 2016;23:45-52. doi: 10.1111/ene.12664

(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25664595

(3) https://cordis.europa.eu/project/rcn/212685/factsheet/en

NF-L-STUDIE BEI DER ALS

In der klinischen Forschung der ALS-Ambulanz der Charité wird durch Unterstützung der Boris Canessa ALS Stiftung ein Forschungsprogramm zum Biomarker Neurofilament Light Chain (NL-F, Neurofilament leichte Kette) durchgeführt. Diese Studie beruht auf der Erkenntnis, dass bei ALS-Patien­ten eine erhöhte Konzentration des Moleküls NF-L im Liquor („Nervenwasser“) und im Blut (Blutserum) vorliegt.

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Trotz dieser grundsätzlichen Erkenntnis sind zahlreiche Forschungsfragen ungeklärt. Dabei ist die Korrelation der NF-L-Serumkonzentration zum Krankheitsverlauf, zur Progressionsrate und zu spezifischen Verlaufsformen der ALS noch unzureichend untersucht. Eine weitere zentrale Forschungsfrage ist die Eignung von NF-L für die Identifikation der therapeutischen Wirksamkeit von Medikamenten und anderen Be­handlungsverfahren im Sinne eines therapeutischen Markers. Die Aufklärung der Nutzbarkeit von NF-L als Therapiemarker erhält eine besondere Bedeutung, da sich inno­va­tive Medi­ka­mente in Ent­wicklung befinden, deren therapeutisches Potenzial durch geeignete Biomarker schneller als in den bisherigen Studienmethoden nachgewiesen werden soll.

Welcher Aufwand ist mit der Studienteilnahme verbunden?

Die Studie besteht aus einer Datenerhebung und der Entnahme einer Blutprobe. Die meisten Studiendaten (z. B. Erkrankungsbeginn, Verlaufsform der ALS) werden im Rahmen der regulären Behandlung erfasst und müssen nicht gesondert erhoben werden. Neben diesen klinischen Daten ist die Erhebung der ALS-Funktionsskala (ALS-FRS) ein wichtiger Parameter. Zu diesem Zweck ist eine Befragung von 12 Fragen der ALS-FRS notwendig. Die Befragung erfolgt durch den Studienarzt oder durch eine Studienassistentin („Study Nurse). Für die Analyse der NF-L-Serumkonzentration wird eine Blutentnahme (10 ml) aus der Vene notwendig, die ebenfalls durch medizinisches Fachpersonal entnommen wird.

In welchem Abstand wird die NF-L-Analyse vorgenommen?

Der NF-L-Wert im Blut ist nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen recht stabil, so dass eine Veränderung der Serumkonzentration erst im Verlauf mehrere Monate zu erwarten ist. Daher beträgt der Abstand zwischen den NF-L-Erhebungen mindestens 5 Monate. Bei einem Abstand zwischen den regulären Ambulanztermine von 3-4 Monaten würde die NF-L-Analyse (und dazu notwendige Blutentnahme) bei jedem zweiten Ambulanztermin stattfinden.

Wie lange wird die Studie durchgeführt?

Das Vorhaben ist für 3 Jahre konzipiert und von der Ethikkommission der Charité mit einem positiven Votum bis Dezember 2023 unterstützt worden. Sollte nach einem Ablauf von drei Jahren noch Forschungsfragen offen sein, würde eine Verlängerung der Studie beantragt werden.

Wie erfolgt die NF-L-Analyse?

Die Bestimmung das NF-L-Blutwerte es ist ein aufwendiges Verfahren, das mit einem molekularbiologischen Analysegerät (SIMOA, Single Molecule Analysis) technisch umgesetzt wird. Die SIMOA-Methode und das technische Verfahren der NF-L-Analyse werden in einem kurzen Film erläutert. Die Analyse wird nicht täglich oder wöchentlich, sondern im Abstand von mehreren Wochen an der Charité durchgeführt. Daher ist keine unmittelbare Mitteilung des NFL – Wertes möglich.

Wird das NF-L-Analyse-Ergebnis mitgeteilt?

Die Bestimmung der NF-L-Serumkonzentration ist noch kein „Routineverfahren“ und im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zu betrachten. Daher wird das Ergebnis der NF-L-Analyse nicht unaufgefordert mitgeteilt. Allerdings kann auf Wunsch des Patienten das Ergebnis im Rahmen des regulären ambulanten Termins mitgeteilt und erläutert werden.

Wie ist der NF-L-Wert zu bewerten?

Durch den wissenschaftlichen und experimentellen Charakter der NF-L-Analyse ist eine Interpretation der NF-L-Serumkonzentration komplex und nur mit Einschränkungen möglich. Daher ist eine alleinige Mitteilung des Wertes (per E-Mail oder Telefon) nicht sinnvoll. Bei der Interpretation des NF-L-Wertes ist zu berücksichtigen, dass Rückschlüsse vom Analyseergebnis auf den individuellen ALS-Verlauf nur mit Einschränkungen möglich sind. Die Limitationen sind durch die noch begrenzte Erfahrung mit dem NF-L-Wert und zahlreiche offene Forschungsfragen begründet (zur Klärung dieser Fragen wird die Studie durchgeführt). Weiterhin ist zu betonen, dass die individuelle Prognoseabschätzung die Berücksichtigung mehrerer prognostischer Parameter (gegenwärtige Erkrankungsschwere, Progressionsrate, Atemkapazität, Hustenkraft, Körpergewicht, und anderer Faktoren) im Rahmen einer persönlichen ärztlichen Beratung erfordert.

Wird die NF-L-Studie ausschließlich an der Charité durchgeführt?

Die NF-L-Studie wird an mehreren ALS-Ambulanzen in Deutschland angeboten. Die Charité übernimmt die Bereit­stellung der NF-L-Analyse sowie die Studienorganisation. An den teilnehmenden ALS-Ambulanzen werden die notwendigen Daten erhoben und Blutproben abgenommen. Zur Durchführung der NF-L-Analyse werden die Blutproben nach Berlin versendet und dort mit dem SIMOA-Gerät analysiert. Die Studienergebnisse werden über eine verschlüsselte Studiensoftware den teilnehmenden Ambulanzen mitgeteilt. Die folgenden ALS-Ambulanzen nehmen an der Studie teil:

  • Berlin: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Ambulanz für ALS und andere Motoneuronerkrankungen
  • Bochum: Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH, Neurologische Klinik, Ambulanz für ALS
  • Bonn: Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie, Motoneuronambulanz
  • Dresden: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden – Ambulanz für Motoneuronerkrankungen
  • Essen: Alfried Krupp Krankenhaus, ALS-Ambulanz
  • Göttingen: Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Neurologie, Spezialambulanz für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Hannover: Medizinische Hochschule Hannover, Neurologische Klinik, ALS- und Muskelambulanz
  • Jena: Universitätsklinikum Jena, Hans-Berger-Klinik für Neurologie, Ambulanz für neuromuskuläre und Motoneuron-Erkrankungen
  • Leipzig: Universitätsklinikum Leipzig, Poliklinik für Neurologie
  • München: Klinikum rechts der Isar, Poliklinik für Neurologie, Ambulanz für Motoneuronerkrankungen
  • Rostock: Universitätsmedizin Rostock, Neurologische Poliklinik, Ambulanz für Motoneuronerkrankungen/ALS
  • Ulm: Universitätsklinikum Ulm, Neurologische Hochschulambulanz, ALS-Ambulanz

Bei der Teilnahme von ALS-Ambulanzen an der NF-L-Studie ist zu berücksichtigen, dass die genannten ALS-Ambulanzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Studie beitreten. Der Eintritt von neuen Studienzentren wird auf unseren Internetseiten („Nachrichten“-Rubrik) veröffentlicht.

Warum ist die parallele Teilnahme an der Ambulanzpartner-Registerstudie sinnvoll?

Die Ambulanzpartner-Registerstudie ist eine von der NF-L-Studie unabhängige Beobachtungsstudie bei der ALS. Bei der Registerstudie die Behandlungsdaten im Verlauf der ALS-Versorgung systematisch erfasst. Eine kombinierte wissenschaftliche Auswertung der NF-L-Analysewerte mit den Behandlungsdaten (zum Beispiel der Beatmungsversorgung und Ernährungstherapie) ist dabei von besonderer Bedeutung. So liegen bereits wissenschaftliche Daten aus dem ALS-Zentrum der Universität Ulm vor, dass die Ernährungstherapie einen positiven Effekt auf den NF-L-Wert einnehmen kann (LINK zur Studie). Die bisherigen Daten sind noch begrenzt, so dass die Untersuchung in einer größeren Patientengruppe von Interesse ist. Die Verknüpfung der NF-L-Studie mit der Ambulanzpartner-Registerstudie kann zur Klärung dieser offenen Frage beitragen. In einer weiteren wissenschaftlichen Hypothese ist denkbar, dass eine effektive Beatmungstherapie zu einer Verminderung der Neurodegeneration beitragen kann. In dieser bisher unbearbeiteten Hypothese würde die Beatmungstherapie zu einer Verminderung der NF-L-Serumkonzentration führen. Auch diese Frage kann durch eine kombinierte Auswertung der NF-L-Studie sowie der Registerstudie adressiert werden. Zu betonen ist, dass die NF-L-Studie sowie die Ambulanzpartner-Registerstudie voneinander unabhängige Studien darstellen. Für beide Studien liegen separate Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen vor (siehe unten: „Über die Ambulanzpartner-Registerstudie“).

Warum ist die parallele Teilnahme am ALS-Apothekenprogramm sinnvoll?

Das ALS-Apothekenprogramm ist ein von der NF-L-Studie unabhängiges Konzept der spezialisierten Medikamentenversorgung bei der ALS. Im Rahmen des ALS-Apothekenprogramms werden die Medikationsdaten im Verlauf der ALS-Behandlung über das Ambulanzpartner-Versorgungsportal systematisch erfasst. Eine kombinierte wissenschaftliche Auswertung der NF-L-Analysewerte mit den Medikationsdaten ist dabei von besonderer Bedeutung. So liegen bisher keine Informationen vor, ob das ALS – Basis Medikament Riluzol einen positiven Effekt auf den NF-L-Wert aufweist. Die Verknüpfung der NF-L-Studie mit dem ALS-Apothekenprogramm kann zur Klärung dieser offenen Frage beitragen. In einer weiteren wissenschaftlichen Hypothese ist denkbar, dass bestimmte Medikamente zu einer Verminderung der Neurodegeneration beitragen können. In dieser bisher unbearbeiteten Hypothese verfügen cannabishaltige Medikamente über neuroprotektive Eigenschaften (LINK zur Studie 1 und LINK zur Studie 2). Entsprechend dieser Hypothese würde die Behandlung mit cannabishaltigen Medikamenten zu einer Verminderung der NF-L-Serumkonzentration führen. Auch diese Frage kann durch eine kombinierte Auswertung der NF-L-Studie mit dem ALS-Apothekenprogramm adressiert werden. Zu betonen ist, dass die NF-L-Studie sowie das ALS-Apothekenprogramm voneinander unabhängig. Für beide Aktivitäten liegen separate Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen vor (siehe unten: „Über das ALS-Apothekenprogramm“).

Warum ist die parallele Teilnahme an der „ALS App“ sinnvoll?

Die ALS-App  ist eine von der NF-L-Studie unabhängiges Konzept der Erhebung der ALS-Funktionsskala (ALS Functional Rating Scale, ALS-FRS) über eine „Smartphone App“. Im Rahmen der NF-L-Studie werden die Werte der ALS-Funktionsskala zum Zeitpunkt der Ambulanzvisite und Blutentnahme (alle 5-6 Monate) erhoben. Die ALS-App bietet die Möglichkeit, dass die Patienten den ALS-FRS-Wert auch zwischen den Visiten, in einem Abstand von einem Monat, erheben und damit die Datenqualität noch weiter verbessern. Durch die häufigere Messung werden natürliche Schwankungen in der Erhebung der ALS-Funktionsskala ausgeglichen. Zu betonen ist, dass die NF-L-Studie sowie die ALS-App voneinander unabhängig. Für beide Aktivitäten liegen separate Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen vor (siehe unten: „Über die ALS-App“).

Wie erhalte ich weitere Informationen zur NF-L-Studie?

Über die Abläufe der Studie informiert eine schriftliche Studieninformation. Zusätzlich ist die Klärung offener Fragen durch eine Studienärztin und Studienkoordinatorin möglich. Die Studienteilnahme setzt ein informiertes Einverständnis und die vorausgegangene Klärung offener Fragen voraus.

Fragen zu Möglichkeiten der Teilnahme sind zu richten an:

Mail: birgit.koch@charite.de

Telefon: 030-450- 560028

Link zur Patienteninformation und Einwilligungserklärung der NF-L-Studie:

Über Neurofilament Light Chain (NF-L):

Das Protein Neurofilament Light Chain (NF-L) ist durch spezielle Analysemethoden im Blutserum und Liquor (Nervenwasser) nachweisbar. Bei mehr als 80 % der ALS-Patienten zeigt sich eine Erhöhung der Serum- oder Liquorkonzentration von NF-L. Die Erhöhung betrifft insbesondere Patienten, die eine deutliche Beteiligung des ersten motorischen Neurons oder eine mittlere oder höhere Progressionsrate aufweisen. Trotz dieser Korrelation ist der Rückschluss von einem erhöhten NF-L-Wert auf die Diagnose und Prognose einer ALS nicht zulässig. Dabei ist zu bedenken, dass NF-L auch bei zahlreichen anderen neurologischen Erkrankungen (Demenz, Multiple Sklerose, Parkinson-Erkrankung, etc.), aber auch durch den regulären Alterungsprozess nachweisbar ist. Allerdings ist bei der ALS – im Vergleich zu vielen anderen neurologischen Erkrankungen – die Konzentration stärker erhöht. Aufgrund der eingeschränkten Spezifität von NF-L und zahlreicher offener Forschungsfragen ist eine fachkundige ärztliche Interpretation der Befunde unabdingbar.

Über die Boris Canessa ALS Stiftung (Förderung der NF-L-Studie)

Die Studie wird durch eine bedeutsame Spende durch die Boris Canessa ALS Stiftung ermöglicht. Die Förderung betrifft die Anschaffung und das Betreiben des SIMOA-Analysegerätes (HD-X, Quanterix Inc., USA), die Beschaffung der NF-L-Test-Kits, die personelle Ausstattung des Analyseteams sowie des Projektmanagements und eine Projektförderung für mehrere ALS-Zentren in Deutschland. Die Förderung umfasst einen Projektzeitraum von drei Jahren, in denen der Studieneinschluss von 1.500 Patienten und die Durchführung von 9.000 NF-L-Analysen ermöglicht wird.

Über die Ambulanzpartner-Registerstudie (optionale Teilnahme parallel zur NF-L-Studie):

Die Ambulanzpartner-Registerstudie ist eine von der NF-L-Studie unabhängige Beobachtungsstudie bei der ALS, in der Behandlungsdaten der ALS-Versorgung systematisch erfasst werden (Beatmungstherapie, Ernährungstherapie und Hilfsmittelversorgung). Eine kombinierte wissenschaftliche Auswertung der NF-L-Analysewerte mit den Behandlungsdaten (insbesondere der Ernährungs- und Beatmungstherapie) ist dabei von besonderem Interesse. Zur Teilnahme an der Registerstudie ist die Kenntnisnahme einer Studieninformation und die Unterzeichnung von zwei Dokumenten notwendig (Einwilligungserklärung in Registerstudie sowie an die Nutzung von Daten, die über die Ambulanzpartner-Plattform erhoben werden).

Link zu Dokumenten der Ambulanzpartner-Registerstudie

Link zur Datennutzung der Ambulanzpartner-Plattform

Über das ALS-Apothekenprogramm (optionale Teilnahme parallel zur NF-L-Studie):

Das ALS-Apothekenprogramm ist eine von der NF-L-Studie unabhängiges Konzept der spezialisierten Medikamentenversorgung bei der ALS, in dem Medikationsdaten im Verlauf der ALS-Behandlung über das Ambulanzpartner-Versorgungsportal systematisch erfasst werden. Eine kombinierte wissenschaftliche Auswertung der NF-L-Analysewerte mit den Medikationsdaten ist dabei von besonderem Interesse. Zur Teilnahme am ALS-Apothekenprogramm ist die Unterzeichnung von 4 Dokumenten notwendig.

Link zu Dokumenten des ALS-Apothekenprogramms

Über die „ALS-App“ (optionale Teilnahme parallel zur NF-L-Studie):

Die ALS-App ist eine von der NF-L-Studie unabhängiges Konzept der Erhebung der ALS-Funktionsskala (ALS Functional Rating Scale, ALS-FRS) über eine „Smartphone App“, die eine Erhebung der ALS-FRS-Werte über ein „Smartphone“ auch zwischen den Visiten, in einem Abstand von einem Monat, erlaubt. Eine kombinierte Erhebung der ALS-FRS-Werte in der NF-L-Studie (Im Abstand von 5-6 Monaten) und über die ALS-App (im Abstand von 1 Monat) ist dabei von besonderem Interesse. Die Teilnahme an der ALS-App setzt ist Einwilligung in die Datennutzung der Ambulanzpartner-Plattform damit die Unterzeichnung von 1 Dokument voraus.

Link zur Broschüre: „ALS-App“:

Link zur Datennutzung der Ambulanzpartner-Plattform: LINK EINFÜGEN: Teilnahme an Ambulanzpartner-Plattform (V5.1)

AMBULANZPARTNER-REGISTERSTUDIE

Im Ambulanzpartner-Versorgungsnetzwerk arbeiten mehr als 15 ALS-Zentren in Deutschland zusammen, um die Versorgung mit Hilfsmitteln sowie die Medikamentenbehandlung, die Ernährungs- und Beatmungstherapie voranzubringen. Medizinische Behandlungs- und Versorgungsdaten, die über die Ambulanzpartner-Plattform (www.ambulanzpartner.de) erhoben werden, werden in einer Registerstudie systematisch ausgewertet.

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Die Teilnahme an der Ambulanzpartner-Registerstudie ist auf zwei Wegen möglich:

1.) durch das Einverständnis in die wissenschaftliche Auswertung von „Routinedaten“, die bei der Versorgungskoordination auf dem Ambulanzpartner Versorgungsportal entstehen;

2.) durch die Teilnahme an Patientenbefragungen zu ALS-Symptomen und Patientenbewertungen der Behandlung.

Für die wissenschaftliche Auswertung von „Routinedaten“ ist Unterzeichnung einer Einwilligung in die Nutzung der Daten zur medizinischen Forschung erforderlich, die hier (Nutzung der Daten für Forschung_V2.1.) abgerufen werden kann. Ein sonstiger Aufwand ist nicht notwendig, da die Behandlungsdaten bereits erfasst sind und wissenschaftlich analysiert werden können.

Bei der Teilnahme an Patientenbefragungen ist eine zusätzliche Einwillgungserklärung in die Registerstudie notwendig, die hier (Teilnahme an Registerstudie_V2.1.) abgerufen werden kann. Außerdem ist eine aktive Mitarbeit des Patienten gefragt: Während einer Ambulanzvisite, per Telefon, eine Online-Erhebung  oder über die „ALS-App“ werden Patienten eingeladen, an systematischen Befragungen zu ALS-Symptomen und Behandlungsergebnissen teilzunehmen. Die Erfassung patientenbezogener Behandlungsergebnisse anhand von Skalen erfährt eine zunehmende Bedeutung bei der Entwicklung neuartiger Therapien. So wird der therapeutische Effekt von zuküftigen ALS-Medikamenten durch eine standardisierte Erhebung der ALS-Funktionsskala (ALS-FRS) identifiziert.

Patienten, die sich in medizinischer Behandlung am ALS-Zentrum der Charité befinden, werden eingeladen, an der Ambulanzpartner-Registerstudie teilzunehmen. Die Studie wird in Kooperation mit der Ambulanzpartner Soziotechnologie GmbH (APST) durchgeführt, die im Jahr 2011 durch eine Ausgründung aus der Charité entstanden ist und seitdem die Ambulanzpartner-Plattform betreibt und ständig weiterentwickelt. Die Teilnahmedokumente (Studieninformation und Einwilligungserklärung) werden (bei Bereitschaft der Teilnahme) während einer Ambulanzvisite ausgehändigt (Teilnahme an Registerstudie_V2.1.). Bei dieser Gelegenheit können auch Fragen zur Studienteilnahme gestellt und geklärt werden.

Neben der Charité nehmen mehr als 15 ALS-Ambulanzen in Deutschland an der Registerstudie teil. Daher können bundesweit Patienten, die sich an einem ALS-Zentrum in Behandlung befinden, an der Ambulanzpartner-Registerstudie mitwirken.

In der Ambulanzpartner-Registerstudie wurden bisher die folgenden Analysen durchgeführt, in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert und damit der medizinischen Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt:

Publikation zur Hilfsmittelversorgung bei der ALS in ALS-FTDG 2018

Publikation zur Physiotherapie bei der ALS in JMIR Rehabil Assist Technol 2018

Publikation zu cannabishaltigen Medikamanten bei der ALS in BMC Neurology 2019

Publikation zu symptomreduzierenden Medikamenten bei der ALS in J Neurol Neurosurg Psychiatry 2020

HUSTENASSISTENTEN-STUDIE

Eine Schwäche der Atemmuskulatur am Brustkorb und Zwerchfell ist ein Symptom der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und anderer neuromuskulärer Erkrankungen. Die Schwäche der Atemmuskulatur führt zu einer eingeschränkten Atmung und einem abgeschwächten Husten. Zur symptomatischen Behandlung der Hustenschwäche stehen Hustenassistenten zur Verfügung.

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Mit einer Anwendung von Hustenassistenten bei der ALS werden drei Ziele verfolgt:

  • Physikalische Therapie der Atemmuskulatur und Gelenke durch Einatmung
  • Abbau von kollabierten Lungenabschnitten (Atelektasen) durch Einatmung
  • Entfernung von Sekreten in den Atemwegen durch Ausatmung

Die Kriterien für den Einsatz eines Hustenassistenten bei der ALS sind das subjektive Erleben einer Hustenschwäche durch den Patienten sowie eine Verminderung des Hustenspitzenflusses (peak cough flow < 270 L/min).

Studie zur Erfassung der Behandlung mit einem Hustenassistenten

Trotz der bekannten Vorteile des Hustenassistenten in der symptomatischen Behandlung der Hustenschwäche liegen nur wenige systematische Untersuchungen über das subjektive Erleben von Hustenschwäche und der Behandlung mit einem Hustenassistenten vor. In einer neuen Studie sollen die Symptome der Hustenschwäche und die Symptomkontrolle durch den Hustenassistenten aus Patientenperspektive analysiert werden.

Die Ambulanzpartner Registerstudie trägt den Namen “Digitale Erfassung der ambulanten Versorgung mit einem mechanischen Insufflator-Exsufflator bei ALS und anderen Motoneuronenerkrankungen (digitMIE)”.

In der digitMIE-Studie wird bei Patienten mit einer Hustenschwäche (peak cough flow < 270 L/min) das subjektive Erleben der Hustenschwäche systematisch erfasst. Nach Anpassung eines Hustenassistenten (Cough Assist E70) soll das subjektive Behandlungsergebnis und die Zufriedenheit mit einer Hustenassistenten-Versorgung untersucht werden. Die Studie läuft über einen Zeitraum von 24 Monaten und wird im Juni 2020 abgeschlossen. Neben der ALS-Ambulanz an der Charité – Universitätsklinikum Berlin, nehmen 6 weitere Zentren füs ALS sowie Beatmungszentren für neuromuskuläre Erkrankungen in Deutschland an der Studie teil.

Wie erfolgt die Datenerhebung in der digitMIE-Studie?

In der digitMIE-Studie wird die Versorgung mit einem Hustenassistenten wissenschaftlich erfasst. Zu diesem Zweck werden klinische Daten zur ALS und der Hustenschwäche systematisch erhoben. In der Studie wird eine PCF (peak cough flow)-Messung zur Erfassung der Hustenschwäche strukturiert durchgeführt. An Studienzentren, an denen die PCF-Messung bisher nicht etabliert war, wird die Methode eingeführt; die PCF-Meter werden den teilnehmenden Zentren zur Verfügung gestellt. Daten werden zu 2 Zeitpunkten (Visite 1 und 2) erhoben:

1) Bei Indikationsstellung eines Hustenassistenten (Visite 1): bei medizinischer Indikation, aber noch vor Beginn der Behandlung mit einem Hustenassistenten werden klinische Parameter erfasst und eine Befragung des Patienten durchgeführt (Datenerfassung bei Indikationsstellung). Nach Einschluss in die Studie wird die digitale Dokumentation der Studiendaten über die Ambulanzpartner-Plattform realisiert.

2) Nach Versorgung mit einem Hustenassistenten (Visite 2): Innerhalb von vier Monaten nach Beginn der Hustenassistenten-Behandlung (Cough Assist E70) werden die klinischen Parameter erneut erhoben und die Patienten zu den subjektiven Behandlungsergebnissen befragt.

Die Erhebung der klinischen Daten erfolgt durch die Studienzentren. Die Patientenbefragung geschieht entweder während einer Patientenvisite, in einem Telefoninterview oder über einen Online-Fragebogen.

Wer kann teilnehmen?

Menschen, die die folgenden Kriterien erfüllen, können an der Studie teilnehmen:

  • Diagnose einer ALS oder einer anderen neuromuskulären Erkrankung
  • Vorliegen einer Hustenschwäche
  • Ärztliche Indikation für einen Hustenassistent
  • Versorgung mit einem Hustenassistent

Die Studie ist für den Einschluss von 100 Teilnehmern geplant.

Fragen zur Teilnahme an der Digit-MIE sind gerne zu richten an: birgit.koch@charite.de

ONLINE-PATIENTENBEWERTUNG DES ALS-FRS

Die ALS-Funktionsskala (ALS Functional Rating Scale; ALS-FRS) ist eine klinische Skala, um die Erkrankungsschwere und den Verlauf der ALS einzuschätzen. Der ALS-FRS erlangt eine zunehmende Bedeutung, da die Wirksamkeit neuer ALS-Medikamente (neben anderen Kriterien) mit dem ALS-FRS ermittelt wird. So wurde das Medikament Edaravone (Handelsname: Radicut und Radicava) anhand von Studienergebnissen zum ALS-FRS in Japan, den USA und China zugelassen.

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In der klinischen Forschung (und in den Zulassungsinstitutionen für Arzneimittel) erlangt das Kriterium motorischer Funktionen (ermittelt durch den ALS-FRS) eine höhere Wichtung – neben ALS-relevanten Messparametern (z.B. Vitalkapazität) und der Lebenszeit (Verlängerung des Überlebens durch Behandlung). Die ALS-FRS-Skala ist ein Fragebogen, der aus 12 Fragen zu ALS-typischen Symptomen und jeweils 5 Antwortoptionen (0-4 Punkte) besteht. Die Fragen können vom Arzt oder vom Patienten gleichermaßen beantwortet werden. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass in der Erhebung des ALS-FRS durch Ärzte und Patienten eine hohe Übereinstimmung besteht. Der Fragebogen kann mit hoher Übereinstimmung im persönlichen Kontakt, per Telefon und online erhoben werden. Die Möglichkeit der Online-Erhebung des ALS-FRS ist Ausgangspunkt der klinischen Untersuchung „Online-Patientenbewertung des ALS-FRS bei Menschen mit ALS“.

Die Online-Patientenbewertung des ALS-FRS dient der verbesserten und schnelleren Erfassung von Medikamenteneffekten in zukünftigen klinischen Studien sowie der systematischen Erhebung von Behandlungsbedarfen (Etablierung von Behandlungsalgorithmen insbesondere für die Ernährungs- und Beatmungstherapie). Durch die Online-Bewertung gelingt es, den individuellen Krankheitsverlauf zu erfassen und unterschiedliche ALS-Verlaufsformen zu differenzieren. Dabei ist die Unterscheidung verschiedener Verlaufsformen (schneller oder langsamer Verlauf; frühe oder späte Beeinträchtigung der Atemfunktion; frühe oder späte Bulbärsymptomatik; räumliche Begrenzung oder Ausbreitung der Paresen) von entscheidender Bedeutung. Aus zurückliegenden Studien (z.B. zu Edaravone) ist zu schlussfolgern, dass bei der Entwicklung zukünftiger Therapiestrategien die verschiedenen Krankheitsverläufe differenziert werden müssen. So ist davon auszugehen, dass bestimmte Medikamente bei einer Gruppe von ALS-Verläufen eine Wirksamkeit zeigt, aber nicht bei der Gesamtheit aller ALS Patienten anwendbar ist. Aus anderen Bereichen der Medizin (z.B. bei der Behandlung der Multiplen Sklerose oder von Krebserkrankungen) ist dieses Prinzip der differenzierten und personalisierten Medizin etabliert.

Einschlusskriterien

Patienten mit ALS werden eingeladen, an der Online-Patientenbewertung des ALS-FRS teilzunehmen. Dabei sind die folgenden Einschlusskriterien zu berücksichtigen:

  • Diagnose einer ALS
  • Einwilligung in die Ambulanzpartner-Register-Studie
  • Zugang zum Internet
  • Betreuung in einem ALS-Zentrum, das an der Ambulanzpartner-Register-Studie teilnimmt

Die Betreuung in einem ALS-Zentrum, das an der Register-Studie teilnimmt, ist notwendig, um die erforderlichen Unterlagen zu erhalten und eine entsprechende Beratung zu erfahren. Die folgenden ALS-Ambulanzen nehmen derzeit als Studienzentren teil: Berlin, Bochum, Bonn, Dresden, Essen (Alfried Krupp Krankenhaus), Göttingen, Greifswald, Halle, Hannover, Jena, Leipzig, Mannheim und Ulm. Weitere Studienzentren sind in Vorbereitung. Weiterhin ist für die Zukunft geplant, Patienten, die Teilnahme an der Online-Bewertung zu ermöglichen, die nicht in einem spezialisierten ALS-Zentrum in Behandlung sind. Dafür sind seitens Ambulanzpartner noch gesonderte formale und technische Voraussetzungen zu schaffen.

Durchführung:

Patienten mit der Diagnose einer ALS, die an der Online-Patientenbewertung teilnehmen möchten, werden gebeten, eine E-Mailadresse anzugeben, über die eine Kontaktaufnahme erfolgen kann. Wenige Tage nach Einwilligung in die Teilnahme erhält der Patient eine Einladung zur Online-Bewertung per E-Mail. In der E-Mail wird ein Link bereitgestellt, der auf das Patientenkonto auf Ambulanzpartner und den (Online)-Fragebogen führt. 12 Fragen (mit jeweils 5 Antwortoptionen) werden untereinander aufgeführt. Die Beantwortung der Fragen benötigt 5 bis 15 Minuten – in Abhängigkeit von den individuellen motorischen Einschränkungen, der „Routine“ im Nutzen des Internets sowie der Vorerfahrungen in der Beantwortung der ALS-FRS-Fragen. Die Ergebnisse der Selbstbewertung sind im Patientenkonto, in der Rubrik „Skalen“ in einer Graphik des ALS-FRS-Verlaufes erkennbar. Dieses Vorgehen wiederholt sich im Abstand von 3 Monaten. In diesem Abstand erhalten Patienten eine E-Mail, in der die Empfänger zu einer Online-Patientenbewertung eingeladen werden. Fragen zum Erhalt der Studienunterlagen (Einwilligungserklärung und Studieninformationen) sind an den Studienarzt (oder die Studienkoordinatoren) in den jeweiligen Studienzentren zu richten. Admintrative Fragen sind an Prof. Dr. Christoph Münch zu richten (christoph.muench@ap-soziotech.de), der die Fragen selbst bearbeitet oder an andere verantwortliche Mitarbeiter weiterleitet.

Die Veröffentlichung erster Ergebnisse aus der Online-Selbstbewertung ist auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im September 2019 in Stuttgart sowie auf dem Internationalen ALS-Kongress im Dezember 2019 in Perth (Australien) geplant.

ROCK ALS

An der Charité und mehreren anderen deutschen ALS-Zentren ist eine klinische Studie mit dem Medikament Fasudil in Vorbereitung. Die klinische Studie wurde vom ALS-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen initiiert. Aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen in der dortigen ALS-Grundlagenforschung entstanden wissenschaftliche Hinweise, dass Fasudil einen therapeutischen Effekt bei der ALS haben könnte. Allerdings liegen bisher keine klinischen Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit bei ALS-Patienten vor.

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Zur Überprüfung von Verträglichkeit, Praktikabilität und Wirksamkeit der Fasudil-Behandlung hat das ALS-Team der Universität Göttingen eine klinische Studie in verschiedenen ALS-Zentren in Deutschland geplant, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt wird.

Eine Besonderheit der ROCK-ALS-Studie besteht darin, dass Fasudil als intravenöse Infusion verabreicht wird. Die intravenöse Medikamentengabe erfolgt an 20 nachfolgenden Visitentagen. So ist die Infusion über vier Wochen, jeweils an den Werktagen (Montag bis Freitag) geplant. Die wissenschaftliche Analyse der Studie erfordert, dass Blutproben vor der (morgendlichen) Infusion sowie mehrere Stunden nach Infusion entnommen werden müssen. Damit entstehen zwei Termine am Tag (Morgens und am späten Nachmittag). Bei Patientinnen und Patienten, die in einer geringen Entfernung vom ALS-Zentrum wohnen, ist eine zweimalige An- und Abreise am Tag (für insgesamt 20 Tage) vorgesehen. Einen Wohnort in größerer Entfernung zum ALS-Zentrum könnten die Studienteilnehmer ein Zimmer im Gästehaus der Charité mieten, um dort die Zeit zwischen den Visiten zu verbringen. Aufgrund der logistischen Anforderungen der Studie (zwei Visiten pro Tag über 20 nachfolgende Werktage) ist eine enge Abstimmung mit dem Studienteam erforderlich (Ansprechpartnerin: Birgit Koch; brigit.koch@charite.de).

Die Studie ROCK-ALS wird als doppelblinde, placebokontrollierte und randomisierte Studie realisiert. Ein Teil der Studienteilnehmer erhält Fasudil, während ein weiterer Teil der studienteilnehmenden Patienten ein Placebo-Medikament erhält. Die Zuordnung zur Fasudil- oder Placebo-Gruppe wird durch einen Zufallsgenerator getroffen („randomisierte Studie“). Die Fasudil- und Placebo-Infusionen sind äußerlich gleich und damit weder für den behandelnden Arzt noch für den Patienten zu unterscheiden („Doppelblindstudie“).

Neben der logistischen Machbarkeit sind für die Studienteilnahme bestimmte medizinische Bedingungen erforderlich:

Einschlusskriterien (Auszug):

  • Diagnose einer ALS
  • Krankheitsdauer > 6 und < 24 Monate (inklusiv)
  • Alter ≥18 Jahre
  • Stabile Behandlung mit Riluzol 2 x 50 mg für mindestens 4 Wochen

Ausschlusskriterien (Auszug):

  • Teilnahme an anderer klinischer Studie mit Studienmedikation innerhalb der vorangegangenen 12 Wochen
  • Vorhandensein eines Tracheostomas oder einer kontinuierlichen, assistierten Beatmung während der letzten 3 Monate oder signifikante Lungenerkrankung
  • Vorhandensein einer PEG
  • Schwangere, stillende Frauen und Frauen, die keine empfängnisverhütenden Maßnahmen einsetzen

Die wissenschaftlichen Hintergründe der ROCK-ALS-Studie sowie die Information über alle in Deutschland teilnehmenden Studienzentren finden sich hier http://rock-als.uni-goettingen.de. Bei Interesse zur Studienteilnahme an der Charité steht Birgit Koch (Studienkoordinatorin) zur Verfügung: birgit.koch@charite.de

REGISTERSTUDIE ÜBER MND-NET

MND-NET ist ein Forschungsverbund von ALS-Zentren in Deutschland, um Grundlagen-, wissenschaftliche und klinische Forschung bei der ALS (und anderen Motoneuronen Erkrankungen wie der SMA) voranzubringen. Das Netzwerk wurde durch eine Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und (auch nach bereits abgeschlossener Förderung) weitergeführt.

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Das MND-NET wird durch das ALS-Zentrum der Universität Ulm geleitet und koordiniert. Das Ziel der Register-Studie über das MND-NET besteht darin, klinische Daten zur ALS systematisch zu erfassen sowie biologische Proben (Blutproben, Gewebeproben, Biopsie Material, Nervenwasser, postmortale Gewebsspenden) zu gewinnen. Die Analyse der biologischen Proben (in Verbindung mit den klinischen Daten) dient der Aufklärung von Ursachen und Krankheitsmechanismen bei der ALS. Mittel- bis langfristig trägt die bundesweite Register-Studie dazu bei, die Krankheitsmechanismen der ALS besser zu verstehen und neue Therapieoptionen zu entwickeln. Die Auswertung von Bioproben aus dem MND-NET-Register haben bereits in der Vergangenheit einen elementaren Beitrag geleistet, um mehrere neue Gene zu identifizieren, die mit der ALS assoziiert sind.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Register-Studie ist die Diagnose einer ALS.  Weitere Teilnahmevoraussetzung ist die Einwilligung in die Erhebung klinischer Daten sowie die Gewinnung biologischer Proben (zumeist Blutentnahme). Zu diesem Zweck muss eine mehrseitige Studieninformation gelesen und eine Einwilligungserklärung unterzeichnet werden. Patientinnen und Patienten, die nach wissenschaftlichen Kriterien für die Teilnahme an der Register-Studie geeignet sind, werden vom Studienteam in unserem ALS-Zentrum an der Charité persönlich angesprochen. Die Studienunterlagen können auf Wunsch bereits im Vorfeld eines geplanten Ambulanztermins nach Hause zugesendet werden. Fragen zur Teilnahme an der Register-Studie über das MND-NET sind gerne zu richten an: birgit.koch@charite.de

Birgit Koch, Ambulanzkoordinatorin aus der ALS-Ambulanz an der Charité in Berlin