tal 02Bei der ALS ist im Krankheitsverlauf die Nutzung verschiedener Hilfsmittel notwendig und sinnvoll. Im Mittelpunkt steht die Versorgung mit Mobilitäts-, Transfer-, Kommunikations- und Pflegehilfen (lesen Sie mehr dazu auf der Seite „Hilfsmittel“). Im weiteren Krankheitsverlauf können auch Atem- und Ernährungshilfen dazukommen. Bei der Hilfsmittelversorgung ist wichtig, dass die Versorgung von Experten vorgenommen wird, die mit den Besonderheiten der ALS, insbesondere dem fortschreitenden Charakter der Erkrankung vertraut sind.

Wie funktioniert die Versorgungsablauf für Hilfsmittel bei AmbulanzPartner? Der im Arzt-Patienten-Dialog festgelegte Hilfsmittelbedarf wird durch eine AmbulanzPartner-Koordinatorin digital dokumentiert und über das AmbulanzPartner Versorgungsportal an einen Versorgungspartner weitergeleitet. Der Versorger nimmt telefonisch Kontakt zum Patienten auf und verabredet sich zur Besichtigung, Beratung und Erprobung in der Häuslichkeit des Patienten. Mit Kenntnis der konkreten Bedarfssituation des Patienten wird ein Versorgungsvorschlag unterbreitet und an eine AmbulanzPartner-Koordinatorin weitergeleitet. Die koordiniert sämtliche Versorgungsvorschläge, digitalisiert sie und leitet sie an den verordnenden Arzt weiter. Dieser erstellt eine ärztliche Verordnung, die vom Hilfsmittelversorger bei den Krankenkassen eingereicht wird. Nach Prüfung der Indikation und Wirtschaftlichkeit wird das Hilfsmittel von der Krankenkasse genehmigt oder abgelehnt.

Der Nutzen des AmbulanzPartner Versorgungsnetzwerkes liegt darin, dass für die Patientin bzw. den Patienten passende Versorgungspartner gefunden werden, die auf das benötigte Hilfsmittel spezialisiert sind. Weiterhin sorgen die Koordinatorinnnen von AmbulanzPartner dafür, dass die notwendigen Dokumente und Verordnungen rechtzeitig erstellt und an den geeigneten Partner versenden werden. Ein weiterer Nutzen von AmbulanzPartner besteht darin, dass sämtliche Versorgungsschritte digital erfasst, transparent gemacht und zwischen allen Beteiligten der Versorgung in Form einer elektronischen Versorgungsakte ausgetauscht werden. Auf diese Weise sind alle Versorgungspartner auf dem „aktuellen Stand“.

Neben der Verbesserung der Versorgungsabläufe bietet die Digitalisierung auf dem AP-Portal neuartige Möglichkeiten der Versorgungsforschung. Durch eine systematische Analyse der realen Versorgungsdaten können Stärken und Schwachstellen der Versorgung analysiert werden. So wird erkennbar, welche Hilfsmittel sich bei einzelnen Symptomen besonders eignen. Auch aus den Unterschieden zwischen verschiedenen ALS-Zentren ergeben sich Lerneffekte. Durch die Datenauswertung wird erkennbar, wenn ein bestimmtes Hilfsmittel von Ärzten eines bestimmten ALS-Zentrums sehr erfolgreich eingesetzt wird. In diesem Fall können andere ALS-Zentren von dieser Erfahrung lernen und dieses Hilfsmittel im eigenen ALS-Zentrum verwenden.

Durch gezielte Befragung von Patientinnen und Patienten wird dann der subjektive Nutzen (einschließlich eventueller Nachteile und Belastungen) erfasst und auf dem AP-Portal zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise unterstützen Patientinnen und Patienten mit der Teilnahme am AmbulanzPartner Versorgungsnetzwerk die Weiterentwicklung der ALS-Behandlung. Die Datenanalyse der Hilfsmittelversorgung und ihre wissenschaftliche Publikation sollen dazu beitragen, die Strukturen unseres Gesundheitssystems weiter zu entwickeln. Wichtige Daten sind Ablehnungsraten der Hilfsmittelversorgung durch unterschiedliche gesetzliche und private Krankenversicherungen. Ebenfalls sind Verzögerungen zwischen ärztlicher Veranlassung und tatsächlicher Lieferung eines Hilfsmittels relevant. Bezüglich Ablehnung und Verzögerungen bei der Hilfsmittelversorgung bestehen signifikante Unterschiede zwischen einzelnen Hilfsmittelgruppen und den Krankenversicherungen. Durch eine Veröffentlichung der Forschungsergebnisse werden längerfristige gesundheitspolitische Änderungsprozesse unterstützt, die zu einer Verminderung von Ablehnungsraten und zu einer beschleunigten Versorgung führen sollen.

 

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