Bei mehr als 95 % der ALS-Patienten liegt eine sporadische ALS vor, bei der keine offensichtliche Vererbung besteht. Trotz des Fehlens einer familiären Häufung bei der sporadischen ALS sind genetische Faktoren im Ursachengefüge anzunehmen. Das bisherige Krankheitskonzept der sporadischen ALS besteht darin, dass zahlreiche bisher unbekannte genetische Faktoren und möglicherweise verschiedene Umweltfaktoren in spezifischer Weise zusammentreffen und die ALS auslösen. Die einzelnen Faktoren für sich genommen, sind wahrscheinlich nicht ausreichend, um eine ALS zu verursachen. In einer aktuellen Publikation in der medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine wird das Ergebnis einer amerikanischen Genomanalyse bei der ALS berichtet (Dunckley et.al; Whole-Genome Analysis of Sporadic Amyotrophic Lateral Sclerosis, New Engl J Med 2007; 357: 775-788). Dabei wurde das genetische Material von 386 sporadischen ALS-Patienten im Vergleich zu 542 Kontrollpersonen durch komplexe genetische Verfahren und statistische Auswertemethoden verglichen. Im Ergebnis konnten 10 genetische Faktoren identifiziert werden, die bei der sporadischen ALS im Vergleich zur Normalpopulation gehäuft auftraten. Die stärkste Assoziation ergab sich mit dem Protein FLJ10986. Die Funktion dieses Eiweißes ist bisher unbekannt, jedoch wird eine Rolle im Zellstoffwechsel von Nervenzellen vermutet. Weiterhin wird eine physiologische Bedeutung bei der Verbindung von Muskel- und Nervengewebe angenommen. Die Studie liefert erste Informationen über konkrete Genprodukte, die zum Risiko einer ALS-Erkrankung beitragen können. Dabei ist sehr unwahrscheinlich, dass Mutationen oder andere genetische Veränderungen im FLJ10986-Gen für die ALS allein ursächlich sind. Daher besteht derzeit keine medizinische und wissenschaftliche Rationale, eine genetische Testung dieses Gens bei betroffenen Patienten oder Angehörigen anzustreben. Die wissenschaftlichen Arbeiten der Genomanalyse wurden durch die amerikanische ALS-Organisation MDA unterstützt. Einen wesentlichen Beitrag leistete die Spende einer Privatperson in Höhe von 600.000 US Dollar.
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