Im September 2008 gab das japanische Arzneimittelunternehmen ONO Pharmaceutical die Ergebnisse einer Zwischenauswertung der Europäischen ALS-Studie mit dem Medikament ONO2506 (Studie SIRONA) bekannt. Die ALS-Ambulanz in Berlin hat neben weiteren Zentren in Deutschland an dieser Studie teilgenommen. Die Studienergebnisse zeigen, dass ONO2506 als sicher und gut verträglich einzuschätzen ist, jedoch leider keinen positiven Effekt auf den ALS-Krankheitsverlauf aufweist. Der primäre Studienendpunkt war der ALS-Schweregrad (ALS-FRS-R). Ein weiteres Untersuchungsziel war die Ermittlung des Überlebens mit ONO2506 im Vergleich zur Placebo-Behandlung. Im Ergebnis der Studie ist festzustellen, dass ONO2506 keine hinreichende Effektivität zur Behandlung der ALS aufweist. Das Unternehmen hatte im Zeitraum 2007 bis 2008 die SIRONA-Studie an verschiedenen Europäischen ALS-Zentren durchgeführt. Diese zweite Studie wurde initiiert nachdem eine erste Untersuchung in den Jahren 2003 bis 2005 geringe Hinweise auf einen möglichen positiven Effekt von ONO-2506 erbracht hatte.
ONO2506 ist ein niedermolekulares Medikament, das sehr leicht in das zentrale Nervensystem des Menschen gelangen kann und dort eine schützende Funktion an Stützzellen (Gliazellen) des Nervensystems bewirkt. Gliazellen sind wichtige Partner der Nervenzellen (Neuronen). Eine regelhafte Interaktion zwischen Neuronen und Glia ist für die Funktion und Lebensfähigkeit von neuronalen Zellen von entscheidender Bedeutung. Bei der ALS wird eine Fehlfunktion oder ein schädigender Effekt der umgebenden Gliazellen vermutet. Ergebnisse im SOD1-Mausmodell konnten zeigen, dass die Degeneration von motorischen Neuronen an schädigende Effekte von Gliazellen gebunden ist. Die klinische Prüfung von ONO2506 erfolgte mit der Hypothese, dass die modifizierenden Effekte von ONO2506 auf Gliazellen des Menschen den ALS-Krankheitsverlauf verlangsamen können. Es ist zu bedauern, dass die medizinisch-experimentelle Hypothese nicht in die klinische Praxis umsetzbar war.