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Abschluss des 20. International Meeting on ALS/MND in Berlin durch Prof. Dr. Thomas Meyer, Charité Berlin.

Nachrichtenarchiv der Jahre 2002 bis 2009
Hier finden Sie die Sammlung aller aktuellen Nachrichten der vergangenen Jahre rund um das Thema Amyotrophe Lateralsklerose. Diese wurden von der der ALS Ambulanz der Charité Berlin herausgegeben.
 
 
Nachrichten 2009
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Dezember 2009


Internationaler ALS-Kongress in Berlin erfolgreich abgeschlossen

Der 20. Internationale ALS-Kongress wurde vom 08.-10.12.2009 veranstaltet und erfolgreich abgeschlossen. Mehr als 800 Ärzte, Wissenschaftler, Pflegende, Therapeuten, Patienten und Angehörige haben in diesem Jahr den ALS-Kongress in Berlin besucht, der in Kooperation der britischen ALS-Organisation (Motor Neuron Disease Association, MNDA) sowie der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) organisiert und ausgetragen wurde. In 49 wissenschaftlichen Vorträgen zur ALS-Grundlagenforschung und 47 Präsentationen zum klinischen Management bei der ALS sowie zahlreichen Übersichtsvorträgen wurde der aktuelle Wissensstand zur ALS-Grundlagen- und Therapieforschung zusammengefasst. Prof. Dr. Thomas Meyer als Leiter der ALS-Ambulanz an der Charité wurde von den Organisatoren des Internationalen ALS-Kongresses eingeladen, die klinischen Höhepunkte der ALS-Therapieforschung herauszuarbeiten und in einem Abschlussvortrag des Kongress am 10.12.2009 im Maritim-Hotel in Berlin zusammenzufassen. Der Vortrag wird Ihnen in Form eines Videos und durch die Vortragsfolie im PDF-Format zur Verfügung gestellt. Weiterhin finden Sie das vollständige Programm der Veranstaltung sowie die Zusammenfassungen (Abstracts) der klinischen Vorträge.

Aktueller Stand zum Medikament KNS 760704

Am Rande des Internationalen ALS-Kongresses fand ein Prüfarzttreffen zur Auswertung der Phase-II-Studie mit dem Medikament KNS-760704 statt, dass vom US-amerikanischen Arzneimittelunternehmen Knopp Neurosciences für eine mögliche Wirksamkeit bei der ALS untersucht wird. Die ALS-Expertin Merit Cudkowicz, Harward-University, stellte die Ergebnisse der Phase-II-Studie von KNS 760704 bei über 100 ALS-Patienten vor, die eine ausgezeichnete Verträglichkeit der Substanz erbrachten. Die Analyse des ALS-Schweregrades der KNS-Behandlungsgruppe im Vergleich zur Placebobehandlung erbrachte den Trend einer möglichen ALS-Verlangsamung. Aufgrund der geringen ALS-Patientenanzahl ist eine valide Aussage aufgrund der vorliegenden Daten in keiner Wiese möglich, so dass in jedem Fall eine Phase-III-Wirksamkeitsstudie durchzuführen ist. Auch in anderen zurückliegenden Studien hatten Phase-II-Pilotdaten eine mögliche Wirksamkeit von Medikamenten aufgezeigt, die sich in nachfolgenden Phase-III-Wirksamkeitsstudien nicht mehr reduzieren ließen. Vor diesem Hintergrund sind die optimistischen Verträglichkeitsdaten zu KNS 760704 nicht über zu bewerten, jedoch eine solide Ausgangsbasis für eine geplante Wirksamkeitsstudie mit Teilnahme deutscher Prüfzentren, die ab Mitte 2010 zu erwarten ist. Bei einer genauen Festlegung des Studienbeginns werden wir über die zeitlichen Abläufe, medizinischen Voraussetzungen und organisatorische Abläufe berichten.

 


 November 2009


Impfempfehlung gegen die „Neue Grippe“

Im Oktober 2009 hat die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin eine Empfehlung zur Impfung gegen die neue Influenza (H1N1; genannt „Schweinegrippe“) vorgelegt. Die STIKO empfiehlt die Impfung von Personen mit einer schwerwiegenden Grunderkrankung wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sowie neuromuskulären Erkrankungen.Mit der Nennung von neuromuskulären Krankheiten ist die Empfehlung der STIKO ebenfalls auf die ALS anzuwenden. Derzeit steht hauptsächlich der Impfstoff mit dem Handelsnamen  Pandemrix® zur Verfügung, der von dem Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) hergestellt und von der EU am 29.09.2009 zugelassen wurde. Das Medikament enthält ein Adjuvans (wirkungsverstärkender Hilfsstoff). In der Öffentlichkeit bestand eine erhebliche Diskussion zum Thema der Adjuvanzien. Die gegenwärtige Datenlage liefert keinen sicheren Hinweis, dass ein Adjuvans mit einer Häufung neurologischer Komplikationen verbunden ist. Bisher wurden lediglich seltene Einzelfälle mit einem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) beschrieben, das durch fortschreitende Lähmungen gekennzeichnet ist und im ALS-Kontext ungünstig wäre. Die STIKO und das RKI sind sich über das Risiko des GBS und die Besonderheiten bei neuromuskulären Erkrankungen bewusst und kommen dennoch zu der Schlussfolgerung, die Impfung für ALS-Patienten zu empfehlen. Hintergrund dieser Abwägung ist die extreme Seltenheit der GBS-Komplikation und anderer neurologischer Auswirkungen der Impfung. Zu betonten ist, dass Impfkomplikationen eine Rarität darstellen und nicht mit üblichen Impfreaktionen in Verbindung gebracht werden dürfen (Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle, Anstieg der Körpertemperatur, kurzzeitige Gelenkschmerzen etc.). Zusammenfassend ist eine grundsätzliche Empfehlung der H1N1-Impfung für ALS-Patienten gegeben. Die Impfung wird von ausgewählten Arztpraxen und arbeitsmedizinischen Diensten durchgeführt. Die Lokalisation der registrierten Arztpraxen ist über die folgende Internetverbindung möglich: www.berlin.de\impfen. Weiterhin sind bezirksweise Beratungsstellen mit einer telefonischen Kontaktmöglichkeit eingerichtet worden. Die Telefonnummern sind ebenfalls über die vorgenannte Internetseite erhältlich. Bundesweit wurde eine Beratungsstelle am Ministerium für Gesundheit mit einer Beratungszeit von Mo. bis Fr. von 8.00 bis 18.00 Uhr eingerichtet (030-346465100).

Kooperation mit der sozialen Internetplattform www.patientslikeme.com

Das Internetportal   www.patientslikeme.com (PLM) gehört zu den innovativsten Internetangeboten der Medizin. Mit Sitz in Boston (USA) wurde PLM im Umfeld des ALS-Patienten Stephen Heywood entwickelt. Der genannte Patient gründete mit seinem Bruder James Heywood ein Internetunternehmen, das dem Austausch von ALS-Patienten im Sinne einer sozialen Internetplattform dienen soll. PLM hat sich zu einem Patientenportal entwickelt, auf dem die Betroffenen ihre krankheitsbezogenen Daten erheben und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Betroffen beschreiben ihre Erkrankungsschwere anhand der etablierten Selbstbewertungsskala des ALS-FRS (ALS-Functional Rating Skale), ihre Medikation mit  individuellen Heilversuchen, Hilfsmittel, Atmungs- und Ernährungstherapien und andere Formen von Behandlungen. Derzeit haben 4033 Patienten ihre ALS-bezogenen Angaben zur Verfügung gestellt (Stand 11-2009), so dass für die Nutzer wichtige Vergleichs- und Kontaktmöglichkeiten entstehen. Bereits im Jahr 2005 ergab sich ein Kontakt zwischen der ALS-Ambulanz der Charité und der Heywood-Familie. Durch einen gemeinsamen Workshop unserer Ambulanz und PLM vom 01.- 04.11.2009 wurde die Grundlage für eine langfristige Kooperation gelegt. Der Workshop fand mit drei Mitarbeitern der Charité und verschiedenen Entwicklern am Firmensitz von PLM in Boston statt. Gegenstand war ein Erfahrungsaustausch zwischen PLM und Mitarbeitern unserer Ambulanz, an der seit 11/2007 ebenfalls Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu internetbasierten und telemedizinischen Verfahren bei der ALS-Behandlung stattfinden. Dabei wird an der Charite eine geschützte Internetanwendung entwickelt, die einer webbasierten elektronischen Patientenakte im ALS-Indikationsgebiet entspricht. Zusätzlich werden Daten von medizinischen Geräten im Home-Care-Bereich (z. B. Ernährungspumpen) integriert. Durch die Erhebung, Administration und Nutzung vertraulicher Patientendaten ist das Charitè–Entwicklungsprojekt ein komplexer Ansatz, der die Rolle des Patienten und die Kommunikation aller Beteiligten im ALS-Behandlungsprozess stärken soll. Bei der Entwicklung des Charité-Internetportals werden Erfahrungen von PLM aufgegriffen, während gleichzeitig bisher ungesicherte Ergebnisse des PLM-Portals durch klinische Studien an der Charité evaluiert werden. Die Kooperation zwischen der Charité und PLM wird durch eine Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

 


Oktober 2009


US-Studie zum Zwerchfellschrittmacher

Im September 2009 wurde eine Zwischenauswertung der Zwerchfellschrittmacher-Studie in den USA zur Verfügung gestellt. Die Daten dienen einer Voranfrage des Schrittmacherherstellers Synapse Biomedical Inc. gegenüber der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA). 85 Patienten mit einem mittleren Alter von 59 Jahren nahmen an einer 12-monatigen Verlaufsuntersuchung mit einer direkten Diaphragmastimulation (DDS) teil. Das Studienziel war eine Verzögerung der ALS-bedingten Atemfunktionsstörung bereits im frühen Krankheitsverlauf durch eine Prophylaxe der Zwerchfellatrophie. Die mittlere Vitalkapazität der Studienpatienten betrug 58% und war in jedem Fall über 50%. Die Mehrheit der Studienteilnehmer (82%) wurde mit einer Beatmungsmaske (nicht-invasive Ventilation, NIV) versorgt. Ein wesentliches Studienergebnis war eine sehr gute Verträglichkeit des Eingriffs und eine geringe postoperative Komplikationsrate. Ein Todesfall im Zusammenhang mit dem operativen Eingriff ist in keinem Fall nachweisbar, so dass von einer hohen Sicherheit der Operation auszugehen ist. 78% der erstversorgten Patienten wurden im weiteren Krankheitsverlauf untersucht. Bei 30% der DDS- Patienten war über einen Zeitraum von 9 Monaten eine Stabilisierung der Atemfunktion berichtet worden. Wesentliche methodische Begrenzungen der Studie limitieren jedoch die Aussagefähigkeit zur Wirksamkeit der DDS. So wurde im Studiendesign kein Vergleich zu einer Scheinstimulation (Placebokontrolle) realisiert. Auch die Randomisierung zwischen einer DDS- und einer Beobachtungsgruppe ist nicht erfolgt. Demzufolge ist ein unmittelbarer Vergleich zwischen Patienten der Regelversorgung und einer DDS-Implantation nicht möglich. Ein weiterer begrenzender Umstand ist die fehlende Information zur begleitenden Maskenbeatmung. So ist denkbar, dass die Initiierung einer Maskenbeatmung zur beschriebenen Stabilisierung der Vitalkapazität beigetragen hat und eine sichere Abgrenzung zwischen den Effekten der NIV und der DDS nicht möglich erscheint. Eine solide Aussage zur Wirksamkeit der DDS ist erst nach Abschluss einer randomisierten und placebokontrollierten Studie zu erwarten. Die Erfahrungen mit der DDS an der Charité sind mit den Studienergebnissen nur sehr eingeschränkt vergleichbar. 12/2007 sowie 7/2008 wurden insgesamt 3 Patienten mit einer DDS an der Charité behandelt, die insgesamt eine deutliche Reduktion der Atemfunktionsstörung mit einer VK < 50 % aufwiesen. Weitere DDS-Operationen konnten an der Charité nicht durchgeführt werden, da keine Kostenübernahme durch die Versicherungsträger gewährleistet wurden. Zu erwarten ist die Veröffentlichung der abschließenden Studiendaten aus der US-Untersuchung, so dass mit einer verbesserten Datenlage die Verhandlungen mit den Kostenträgern möglich sind. Aufgrund der bisherigen medizinischen Ergebnisse ist die Versorgung mit einer DDS in keiner Weise ein Standardverfahren, sondern eine hochspezialisierte Anwendung, die für sehr ausgewählte klinische Konstellation geeignet ist. Eine breite Anwendung der DDS ist gegenwärtig nicht indiziert. Über die Planung weiterer DDS im Jahr 2010 werden wir auf den Internetseiten rechtzeitig informieren. Derzeit steht kein Operationskontingent für eine DDS zur Verfügung, so dass Anfragen zur DDS-Versorgung zur Zeit nicht positiv beantwortet werden können.

Wichtige Neuregelung der Patientenverfügungen in Deutschland

Mit Gültigkeit ab dem 01.09.2009 wurden die formalen Voraussetzungen für Patientenverfügungen mit einer Novellierung des Betreuungsrechts neu geregelt. Mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts hat das Bundesministerium für Justiz (BMJ) eine verbesserte Rechtssicherheit beim Umgang mit Patientenverfügungen geschaffen. Gleichzeitig wurden die formalen Anforderungen an Patientenverfügungen (PV) verstärkt, die insbesondere für ALS-Patienten aufgrund der motorischen Einschränkungen Implikation haben. Die wesentliche Veränderung sieht vor, dass die PV schriftlich verfasst und durch Namensunterschrift eigenständig unterzeichnet wird. Diese formale Festlegung war in den früheren Anforderungen für PV nicht gegeben. Gleichzeitig ist bei ALS-bedingten Paresen eine eigenständige Unterschrift unter Umständen nicht möglich. In diesem Fall ist eine Beglaubigung der PV von einer Notarin oder einem Notar durch Handzeichen erforderlich. In diesem Fall wird der Patientenwille auf einem mündlichen, nonverbalen Weg oder durch eine Kommunikationshilfe ermittelt und durch ein Notariat bestätigt. Wichtig ist, dass ein Widerruf der Patientenverfügung jederzeit formlos erfolgen kann, ohne strenge Bindung an die Schriftform. Es wird weiterhin empfohlen, die PV in bestimmten Zeitabständen, z. B. jährlich, zu erneuern oder zu bestätigen. Damit kann eine Konkretisierung der PV innerhalb der fortschreitenden ALS erreicht werden. Eine zweite wesentliche Neuerung ist die Beschreibung der persönlichen Wertvorstellungen, Einstellungen zum eigenen Leben und Sterben und möglicherweise religiöser Anschauungen. Diese Beschreibung gilt als Ergänzung und Interpretationshilfe Ihres Patientenwillens. Dabei sieht der Gesetzgeber die Äußerung zu den folgenden Themenbereichen vor: Bewertung und Bilanzierung des bisherigen Lebens; Erwartungen an ein zukünftiges Leben und die Lebensqualität; Wünsche und Ängste; Bewältigung oder Erfahrungen mit vorangehenden leidvollen Lebenssituationen oder der jetzigen Erkrankung; Beziehung zu anderen Menschen, insbesondere der Rolle von Familie, Freunden und Einstellung zu Hilfsangeboten durch andere Menschen sowie mögliche Ängste, Hilfe durch Dritte anzunehmen und anderen Personen zur Last zu fallen; das Erleben von Leid, Behinderung und Sterben und mögliche Ängste. Die PV sollte neben den eigenen Wertvorstellungen eine Aussage treffen, in welchen Situationen und mit welchem Umfang Sie eine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen wollen. In den anbei befindlichen Musterdokumenten werden eine detaillierte Anleitung zur Abfassung einer PV sowie Textbausteine des BMJ zur Verfügung gestellt, die Sie Ihren eigenen Bedürfnisse anpassen und als Grundlage für eine von Ihnen individuell erstellte PV dienen können.

Gesetzestext    Broschüre    Textbausteine

 


September 2009


Theaterstück Dienstag bei Morrie“ erstmalig in Berlin

Das „Event Theater“ aus Brandenburg an der Havel setzt sich mit der ALS Problematik auseinander. Das Theaterstück „Dienstags bei Morrie“ thematisiert einen unkonventionellen Soziologieprofessor Morrie, der an einer ALS erkrankt ist und doch dem Leben voll zugewandt erscheint, ohne Sterben und Tod zu tabuisieren. Morrie wird von seinem ehemaligen Studenten Mitch besucht, der kerngesund auf dem Höhepunkt seiner Journalistenkarriere steht. Beide führen Gespräche über das Abschiednehmen, über Ehe und Familie, die Arbeit und über soziales Engagement, über Verzeihen und Reue und über das, was uns das Leben geschenkt und vorenthalten hat. Diese anregenden Zusammenkünfte lassen Morrie in größerer Ruhe dem eigenen Tod entgegengehen – und sie verändern auch das Leben von Mitch für immer (Quelle: www.event-theater.de). Das Theaterstück wird in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund in Berlin Mitte am 19.10.2009 aufgeführt. Es erfolgt eine Einladung durch den Staatssekretär Dr. Gerd Harms. Auf Grund der begrenzten Zuschauerzahl von 100 Gäste ist die Theateraufführung leider keine öffentliche Veranstaltung, sondern auf bereits eingegangene Einladungen beschränkt. Der Veranstalter bittet um Verständnis für diese Einschränkungen und bedauert, dass derzeit keine weiteren Karten zur Verfügung stehen.

Abgeschlossen Vorbereitungen für das internationale ALS-Meeting in Berlin

Vom 08.12. – 10.12.2009 findet in Berlin der Internationale ALS-Kongress statt. Wir hatten als ALS-Ambulanz der Charité um eine Unterstützung durch eine ehrenamtliche Tätigkeit während der Kongressveranstaltung gebeten. Nach Mitteilung des Veranstalters in Deutschland, der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM), wurde eine erfreuliche Anzahl an bereitwilligen Helfern identifiziert, so dass nunmehr die personellen Vorbereitungen auf den Kongress abgeschlossen sind. Die ALS-Ambulanz der Charité und die DGM danken bereits an dieser Stelle für die hervorragende Bereitschaft von Betroffenen, Angehörigen und sonstigen Interessierten, das Gelingen des ALS-Kongresses in Berlin durch ein gemeinnütziges Engagement zu unterstützen.

Studienergebnisse zu KNS-760704 auf dem ALS-Kongress in Berlin

Im Dezember 2009 ist ein Prüfarzttreffen des Arzneimittelunternehmens Knopp Neurosciences mit den internationalen Prüfärzten einschließlich unserer Ambulanz geplant, um die Wirksamkeitsstudie mit dem Medikament KNS mit Beginn im Jahr 2010 vorzubereiten. Während des Prüfarzttreffens werden die Ergebnisse der Verträglichkeitsstudie präsentiert und diskutiert. 

 


August 2009


Erste Verträglichkeitsdaten zu dem Medikament KNS-760704

In den Nachrichten vom Oktober 2008 wurde bereits die Medikamentenstudie des US-amerikanischen Arzneimittelunternehmens Knopp Neurosciences mit dem Medikament KNS 760704 in Aussicht gestellt. Am 11. 08.2009 wurden die ersten Ergebnisse der Sicherheits- und Verträglichkeitsstudie von KNS-760704 (Phase-II-Studie) veröffentlicht. An der Studie nahmen 102 ALS-Patienten an 20 US-Studienzentren teil. In dieser Untersuchung zeigte sich eine gute Verträglichkeit des Medikamentes, so dass eine umfangreiche Wirksamkeitsstudie (Phase III) für das Jahr 2010 geplant wird. Die ALS-Ambulanz an der Charité wird ebenfalls an der klinischen Prüfung teilnehmen. Weitere Studienzentren in Deutschland sind noch nicht abschließend bekannt.

Verlängerung der klinischen Studie ALSTAR mit Talampanel (ALSTAR-OL)

Die verantwortliche Ethikkommission sowie die Bundesoberbehörde (BfArM) hat eine Studienverlängerung der laufenden ALS-Therapiestudie mit Talampanel genehmigt. Die klinische Prüfung mit Talampanel wird derzeit in Deutschland und anderen Studienzentren in Europa und Nordeuropa mit einer Behandlungsdauer von 52 Wochen durchgeführt. Die Studienverlängerung bedeutet, dass nach Abschluss der klinischen Prüfung alle Patienten mit 150 mg Talampanel/Tag behandelt werden können. Das betrifft auch die ALS-Patienten, die zuvor Placebo erhalten haben. Die genehmigte Studienverlängerung ist bis zur Auswertung der ALSTAR-Studie vorgesehen, die im Juni 2010 erwartet wird.

 


Juli 2009


Beginn der klinischen Studie „MitoTarget“

Die klinische Studie „MitoTarget“ hat am 27.07.2009 in unserer ALS-Ambulanz  begonnen. Die Therapiestudie mit dem Medikament TRO19622 wird für die Dauer von 18 Monaten durchgeführt, während die Bewerbung für die Studienteilname ab sofort möglich ist. Der Rekrutierungszeitraum wird wahrscheinlich lediglich bis Dezember 2009 realisiert. Bisher ist noch offen, ob die Einschlussphase für die klinische Prüfung bis zum Februar 2010 erweitert werden kann. Details der klinischen Studie finden sich in der Rubrik „Therapiestudien“. Den dortigen Angaben sind die medizinischen Voraussetzungen und die organisatorischen Angaben zu entnehmen.

Phase I-Studie mit GSK1223249 des Unternehmens GlaxoSmithKline (GSK)

Das globale Arzneimittelunternehmen GSK testet in einer Phase 1-Studie das Medikament GSK 1223249. Die pharmazeutische Substanz ist ein Modultor des Nervenwachstums, von dem nervenschützende (neuroprotektive) Eigenschaften vermutet werden. Seit 4/2009 findet eine Verträglichkeitsstudie bei 76 ALS-Patienten statt, die bis 11/2010 geplant ist und wahrscheinlich bis 4/2011 ausgewertet ist. Bei dem Medikament handelt es sich um einen humanmolekularen Antikörper gegen das Protein Nogo-A, das intravenös verabreicht wird. Informationen zur Wirksamkeit liegen bisher nicht vor und werden wahrscheinlich auch während der Phase1-Studie nicht zu erheben sein. Erst nach der Phase I-Studie lässt sich eine Aussage zur Tolerabilität machen und die Entscheidung über eine anschließende Wirksamkeitsstudie treffen. Weitere Informationen finden sich unter www.clinicaltrials.gov.

 


Juni 2009


Internationales ALS-Meeting in Berlin

Vom 06. - 10. Dezember 2009 findet der Internationale ALS-Kongress erstmalig in Berlin statt. Die Organisation der Veranstaltung liegt bei der ALS-Selbsthilfeorganisation in Großbritannien (Motor Neuron Disease Association; www.mnda.org). Als lokaler Partner fungiert die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. (DGM); www.dgm.org). Die Austragung des Kongresses in Berlin stellt eine Würdigung der Versorgungs- und Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der ALS in Deutschland  dar. Gleichzeitig ist der Kongress mit verschiedenen organisatorischen Herausforderungen verbunden. Als Teilnehmer werden mehr als 500 Ärzte, Wissenschaftler, Patienten, Angehörige und Mitglieder von spezialisierten Pflegeteams erwartet. Zur Betreuung der internationalen Gäste am Kongressort (Maritim Hotel in Berlin) werden 20 Personen benötigt, die als Auskunfts- und Servicepersonal ehrenamtlich tätig werden. Voraussetzung ist eine Basiskenntnis der englischen Sprache, so dass die Fragen der internationalen Kongressteilnehmer mit einfachen Worten beantwortet werden können. Die wesentliche Aufgabe besteht in einer Orientierungshilfe im Maritim Hotel und in Auskünften zu Veranstaltungsorten während des Kongresses. Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten vorab eine detaillierte Einweisung und Schulung sowie eigenes Informationsmaterial zu Veranstaltungsorten und dem Programm. Ein persönlicher Nutzen für alle ehrenamtlichen Mitarbeiter ist der unbeschränkte Zutritt zu allen Veranstaltungen während des Kongresses, so dass die Kosten für die Kongressteilnahme entfallen. Bei Interesse an der Tätigkeit sind Ihre Anfragen zu richten an: thomas.meyer@charite.de

Verzögerung der klinischen Studie „MitoTarget“

Die klinische Studie „MitoTarget“ wird in Deutschland durch formale Gründe in seinem Beginn verzögert. Die Ethikkommissionen der einzelnen Prüfzentren haben bisher noch kein abschließendes Votum erteilt, jedoch ist mit größter Wahrscheinlichkeit mit einer positiven Evaluierung zu rechnen, da die geplante klinische Prüfung als ethisch unkompliziert zu werten ist. Ein weiterer Grund für die Verzögerung ist das komplexe Vertragswerk zwischen den einzelnen europäischen Partnern und dem Fördermittelgeber in der Europäischen Union (EU). Im Juni 2009 fanden bereits Vorbereitungsbesuche durch die französische Studienorganisation an den einzelnen Prüfzentren in Deutschland statt, so dass die lokalen Voraussetzungen zum Studienbeginn erfüllt sind. Wahrscheinlicher Studienbeginn ist August 2009. Eine Abweichung von dieser Planung ist aus den genannten Gründen jedoch möglich.

 


Mai 2009


Neues Forschungsvorhaben zur ALS-Home-Care-Versorgung an der Charité

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat ein zweites Forschungsvorhaben bewilligt, in dem die Optimierung der hochspezialisierten ambulanten Versorgung von ALS-Betroffenen untersucht wird. Das Verbundvorhaben wird vom Fraunhofer Institut für Arbeitsgestaltung und Organisation in Stuttgart geleitet. Die ALS-Ambulanz der Charité ist als medizinischer Partner während des Projektzeitraums von 2,5 Jahren beteiligt. In dem Vorhaben sollen neue Lösungswege einer optimierten Home-Care-Versorgung mit Hilfe internetbasierter Technologien entwickelt und getestet werden. Unter dem Synonym der „virtuellen Ambulanz“ soll in enger Kooperation von Ärzten der Charité, medizinischen Dienstleistern, Pflegeteams und Herstellern von Medizintechnik internetbasierte Beratungsangebote entwickelt werden, um den ALS-Betroffenen ein verbessertes und individualisiertes Informationsangebot bereit zu stellen. Als Ausgangsprojekt des Vorhabens ist eine  Virtualisierung der Informationen und Beratung zu dem komplexen Thema der Ernährungstherapie einschließlich der Sondenernährung über eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) vorgesehen. Nach einer anfänglichen Entwicklungsphase werden frühzeitig ALS-Betroffene, ihre Angehörigen und Pflegeteams in die Entwicklungsarbeiten integriert. ALS-Patienten unserer Ambulanz werden gezielt hinsichtlich einer möglichen Mitarbeit bei diesem Projekt angesprochen. Die aktive Beteiligung von ALS-Patienten ist ein wesentliches Merkmal der BMBF-geförderten Vorhaben an unserer Ambulanz.


April 2009


Beginn der Studie gegen unerwünschten Gewichtsverlust (OLN-ALS01)

Im April  2009 wurde die Therapiestudie mit Olanzapin zur Behandlung des unerwünschten Gewichtsverlustes bei der ALS initiiert. Sämtliche formalen und medizinischen Voraussetzungen zum Studienbeginn wurden geschaffen, so dass ab sofort betroffene ALS-Patienten Kontakt mit unserer Ambulanz aufnehmen können. Das Medikament Olanzapin führt zu einer Stabilisierung oder Zunahme des Körpergewichts. Die Olanzapin-Behandlung ist bei der ALS eine mögliche Therapieoption, wenn trotz optimaler Ernährung ein unerwünschter Gewichtsverlust besteht. Die klinische Wirksamkeit des Medikamentes wird jetzt in einer placebo-kontrollierten Studie an unserer Ambulanz untersucht. Die detaillierten Einschlusskritierien sowie die medizinischen und organisatorischen Abläufe werden in der Rubrik „Aktuelle Therapiestudien“ beschrieben. ALS-Betroffene mit einem unerwünschten Gewichtsverlust ohne schwerwiegende Schluckstörung können Kontakt mit der verantwortlichen Prüfärztin aufnehmen (teresa.holm@charite.de).


Planungsphase einer Therapiestudie mit Anakinra

Am Max-Planck-Institut (MPI) für Infektionsbiologie in Berlin wurden in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Arturo Zychlinski Untersuchungen zur Immuntherapie im transgenen Mausmodell der ALS (SOD1-Maus) durchgeführt. Ein Behandlungsversuch im ALS-Mausmodell mit dem Medikament Anakinra führten zu einer Verlangsamung im ALS-Krankheitsverlauf. Anakinra ist ein Medikament mit einer Zulassung zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen (rheumatoide Arthritis) und stellt einen spezifischen Hemmstoff des Entzündungsproteins Interleukin 1 (IL-1) dar. Aufgrund der positiven Ergebnisse im Tierexperiment wird eine klinische Studie mit  Anakinra bei ALS-Patienten geplant. Aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften von Anakinra ist anzunehmen, dass dieses Medikament nicht die Hirn-Blut-Schranke überwindet und damit keine ausreichenden Konzentrationen im Gehirn erreicht. Vor diesem Hintergrund wird die Medikamentenuntersuchung ausschließlich bei ALS-Patienten geplant, die eine dominante Beteiligung der peripheren Nerven (2. Motoneuron) aufweisen. Die klinische Studie ist in Kooperation zwischen MPI und der ALS-Ambulanz an der Charité vorgesehen. Derzeit beginnt die medizinische, organisatorische und finanzielle Planungsphase. 20 Patienten sollen über einen Zeitraum von 12 Monaten mit Anakinra mit einer täglichen Injektion unter die Haut (subkutan) behandelt werden. Möglicher Studienstart ist wahrscheinlich der Beginn 2010.



 März 2009


Meilenstein der ALS-Forschung - neues ALS-Gen entdeckt: ALS6 (FUS)

Durch die Kooperation von europäischen und amerikanischen Arbeitsgruppen ist es gelungen, ein neues ALS-Gen zu identifizieren, das für eine Gruppe der familiären ALS-Patienten ursächlich ist. Es handelt sich um das ALS6-Gen, das zuvor unter dem Namen FUS (fused in sarcoma) bekannt war. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind Mutationen im ALS6-Gen bei 4% der familiären ALS nachweisbar, jedoch hat die Identifizierung dieses Gens weiterreichende Konsequenzen und ist als Meilenstein der ALS-Forschung zu betrachten. Nach der Identifizierung des SOD1- (1993) und TDP-43-Gens (2006) wurde jetzt ein drittes ALS-assoziiertes Gen nachgewiesen, das vergleichende Untersuchungen zwischen den bisher bekannten ALS-Genen gestattet. Dabei ist von Interesse, welche Gemeinsamkeiten zwischen der SOD1, dem TDP-43 und dem FUS bestehen. Falls übereinstimmende Mechanismen der Zellschädigung festzustellen sind, lassen sich diese Prinzipien auf die häufige nicht-erbliche ALS übertragen.

Auf dieser Grundlage und mit der Schaffung entsprechender Tiermodelle können Therapiestrategien entwickelt werden, die gemeinsame Motive der motorischen Nervenzellschädigung beeinflussen. Das ALS6 (FUS)-Protein zeigte elementare Funktionen innerhalb der motorischen Nervenzelle, da es bestimmte genetische Botenstoffe (Messenger RNA [engl.], Boten-RNS [dt.]) reguliert und die Synthese von zahlreichen Proteinen steuert. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass Mutationen im ALS6-Gen zu einer pathologischen Ablagerung der FUS-Proteine innerhalb der motorischen Nervenzelle führt. Hier bestehen interessante Parallelen zur SOD1- und TDP-43-assoziierten ALS, die ebenfalls durch abnorme Proteinablagerungen innerhalb des Motoneurons charakterisiert sind.

Die Identifizierung des ALS6-Gens war wissenschaftlich, logistisch und finanziell sehr aufwendig und hat eine intensive Forschung über 6 Jahre durch zahlreiche Wissenschaftler am King´s College in London sowie dem Massachusetts General Hospital (Boston, USA) und verschiedene kooperierenden Institute erfordert.

Der Nachweis von ALS6-Mutationen bei Familien mit einer erblichen Form der ALS wurde in zwei separaten Veröffentlichungen der neurogenetischen Forscher, Tom Kwiatkowski aus Boston (http://www.sciencemag.org/cgi/content/full/323/5918/1205) und Caroline Vance aus London (http://www.sciencemag.org/cgi/content/full/323/5918/1208) im Wissenschaftsmagazin Science publiziert.

 


Februar 2009


Konkretisierung der klinischen Studie „MitoTarget“

Am 19.02.2009 fand ein Vorbereitungstreffen der Prüfärzte der klinischen Studie „MitoTarget“ in Paris statt. Während der Fachtagung wurden die Ein- und Ausschlusskriterien sowie die medizinischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Studienteilnahme konkretisiert. Neben unserer ALS-Ambulanz in Berlin werden Studienzentren an den Universitätskliniken Ulm, Halle und Hannover teilnehmen. Der voraussichtliche Studienbeginn ist Mai 2009. Klinische Studien sind grundsätzlich an bestimmte medizinische und soziale Voraussetzungen geknüpft, die von Ethikkommissionen, Arzneimittelbehörden und dem Hersteller des Medikamentes aufgrund der pharmakologischen Gegebenheiten des Medikamentes definiert werden. An der MitoTarget-Studie können Patienten teilnehmen, die keine schwerwiegende Atemfunktionsstörung (Vitalkapazität > 70 %) aufweisen. Eine weitere Voraussetzung für die Studienteilnahme ist eine Erkrankungsdauer von weniger als 36 Monaten. Das Medikament wird in Form einer oralen Medikation zur Verfügung gestellt. Die Medikamenteneinnahme erfolgt in Form von 2 kleinen Tabletten zur Mittagszeit.

Die Einnahme von Rilutek bleibt morgens und abends unverändert. Zum Studienbeginn ist keine Ernährung über eine PEG-Sonde gestattet. Sollte während der klinischen Prüfung eine PEG-Anlage und Ernährungstherapie (enterale Ernährung) erforderlich werden, kann die Einnahme des Studienpräparates über die PEG weitergeführt werden. Ein Abbruch der klinischen Studie ist in diesem Fall nicht notwendig. Teilnehmende Studienpatienten werden das Prüfpräparat über 18 Monate einnehmen. Während der Studiendauer sind insgesamt 10 Visiten in unserer Ambulanz erforderlich. Eine stationäre Aufnahme oder schwerwiegende medizinische Belastung sind nicht zu erwarten.

ALS-Patienten mit Interesse an einer Studienteilnahme können bereits im Vorfeld Kontakt mit unserer Ambulanz an der Charité aufnehmen. Elektronische Anfragen bei einer Studienteilnahme an der Charité sind an die folgenden Email-Adressen zur richten:
Teresa.holm@charite.de (Prüfärztin) oder thomas.meyer@charite.de (Leiter des Studienzentrums)


Theaterproduktion zur ALS-Thematik in Brandenburg „Dienstags bei Morrie“


Am 04.04.2009 um 20.00 Uhr findet die Premiere des amerikanischen Theaterstücks „Dienstags bei Morrie“ im Fontane-Club in Brandenburg/Havel statt. Durch eine Initiative von Hank Teufer des event-theater e. V. in Brandenburg wird das Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Mitch Albom und Regie von Andreas Löffel inszeniert. Das Buch „Dienstags bei Morrie“ hat in den USA eine erhebliche künstlerische und mediale Resonanz erfahren. Das Theaterstück ist die Umsetzung des Romans in eine Theaterproduktion.

Die ALS-Ambulanz der Charité begleitet die künstlerische Produktion aus einer medizinischen und sozialen Perspektive und würdigt die Intention, mit künstlerischen Mitteln die ALS-Problematik zu bewältigen und in eine öffentliche Diskussion zu bringen. Das event-theater in Brandenburg  hat die folgende Vorankündigung der Theaterproduktion zur Verfügung gestellt:

Der unkonventionelle Soziologieprofessor Morrie ist an ALS erkrankt. Er weiß, dass er in absehbarer Zeit sterben wird und doch ist er dem Leben voll zugewandt, ohne Sterben und Tod zu tabuisieren. Er wird vom ehemaligen Studenten Mitch besucht, der kerngesund auf dem Höhepunkt seiner Journalistenkarriere steht. Mitch staunt: So sehr die tödliche Krankheit seinen verehrten Lehrer gezeichnet hat, seinen Humor, seine Würde und den Mut hat Morrie nicht verloren. “Lerne, wie man stirbt und du wirst lernen, wie man lebt“, sagt er zu Mitch.

In diesem Geist des „trotz allem“ beginnen die Gespräche mit Morrie, jeden Dienstag, vierzehn Wochen lang. Es sind Gespräche über das Abschiednehmen, über Ehe und Familie, über die Arbeit und soziales Engagement, über Verzeihen und Reue und über das, was uns das Leben geschenkt und was es uns vorenthalten hat. Diese anregenden Zusammenkünfte lassen nicht nur den Professor in Ruhe dem eigenen Tod entgegengehen – sie verändern auch das Leben von Mitch Albom für immer.

Ein Theaterleben voll Liebe, Weisheit und Humor, das unter die Haut geht.

Das Hamburger Abendblatt schreibt:
„Selten gibt es Bücher, die in so bestechender Klarheit und ungekünstelter Schlichtheit wiedergeben, worum es wirklich im Leben geht. Hier spricht der kleine Prinz, nachdem er erwachsen geworden ist.“

Nach der Premiere am 4. April 2009 sind die weiteren Vorstellung bereits bekannt: 5.04., 16.00 Uhr; 11.04., 17.04, 18.04., 25.04.2009 jeweils um 20.00 Uhr.

event-theater e.V., Ritterstr. 68, 14770 Brandenburg, Tel.: 03381/793277; Fax: 03381/794719; 
www.event-theater.de; Email: info@event-theater.de


 Januar 2009


ALS-Verbundvorhaben an der Charité mit Förderung durch das BMBF

Im Dezember 2008 hat eine Forschungsförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) an der ALS-Ambulanz der Charité begonnen. Es handelt sich um ein Verbundvorhaben in Kooperation mit den Instituten für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universitäten München und Kassel sowie der Cislogic GmbH - einem informationstechnologischen Unternehmen in Berlin.

Das Vorhaben mit dem Projekttitel „Mobile HybriCare“ ist ein zukunftsorientiertes Forschungsprojekt, in dem Lösungen für eine verbesserte Versorgung im Home-Care-Bereich untersucht werden. Ausgangspunkt des Vorhabens ist eine häufige Problematik bei der ALS und anderen schwerwiegenden Erkrankungen, dass der Nutzen von komplexer und kostenintensiver Medizintechnik (z. B. von elektronischen Kommunikationssystemen, der künstlichen Beatmung und Ernährungstherapie) durch Defizite in der Dienstleistungsarchitektur eingeschränkt ist. Durch die fehlende Verbindung zwischen Medizintechnik und einer qualifizierten medizinischen Dienstleistungen (z. B. durch Beratung, Patienten- und Angehörigenschulung, Kunden- und Gerätebetreuung und Qualitätsmanagement) kommt es zu Defiziten in der ambulanten Versorgung von ALS-Patienten.

Am Beispiel der ambulanten Ernährungsbehandlung von ALS-Patienten wird ein nutzerorientiertes und gerätebasiertes Beratungs- und Betreuungsprogramm aufgebaut. In Form von Pilotvorhaben wird durch den Einsatz innovativer Technologien in der häuslichen Umgebung die unterstützte Ernährung durch Trinknahrung oder die künstliche Ernährung über eine PEG-Sonde in optimierter Weise überwacht und der Service von ernährungsbezogenen Dienstleistern (Pflegeteams, Ernährungsberater, Hersteller von Ernährungsprodukten und Medizintechnik) verbessert.

Zum Einsatz kommen RFID-Chips [Radio Frequency Identification] zur automatischen Identifizierung und Lokalisierung von Gegenständen (z.B. Ernährungsprodukte) und Personen (Patienten, Pflegeteam, Dienstleiter etc.).

In dem Vorhaben soll untersucht werden, wie durch patientenbezogene Dienstleistungen und informationstechnologische Lösungen eine engere Integration von Patienten, Angehörigen, Betroffenengruppen, Pflegeteams und Ärzten sowie den Anbietern von Ernährungsprodukten und Medizintechnik erreicht werden kann.

Das Vorhaben ist für die Dauer von 3 Jahren gefördert. Die Unterstützung erfolgt aus dem Förderschwerpunkt des BMBF „Innovationen mit Dienstleistungen“. Während der Dauer des Vorhabens werden Patienten der ALS-Ambulanz der Charité eingeladen, an den Studien teilzunehmen und aktive Partner bei der Erarbeitung zukünftiger Versorgungskonzepte zu werden.

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Nachrichten 2008
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Dezember 2008 


US-amerikanische Studie mit IGF-1 abgeschlossen

In einer Veröffentlichung in der Neurologischen Fachzeitschrift „NEUROLOGY“ wurden die Ergebnisse einer multizentrischen Therapiestudie mit dem Medikament IGF-1 abgeschlossen. Es handelt sich um eine Untersuchung mit 330 ALS-Patienten in 20 USA-amerikanischen ALS-Zentren, die eine zweimal tägliche Injektion mit IGF-1 oder Placebo erhalten haben. Die Studie wurde über 2 Jahre durchgeführt und zeigte leider keinen Effekt auf die Überlebenszeit oder eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes anhand des ALS-Schweregrades (ALS-FRSR). Der negative Ausgang der IGF-1-Studie ist bedauerlich, jedoch bringt diese klinische Untersuchung eine medizinisch-wissenschaftliche Aufklärung bei einer jahrelangen Diskussion um das therapeutische Potential von IGF-1 und anderen Wachstumsfaktoren. IGF-1 ist ein natürlich vorkommendes Molekül, das die Differenzierung und Wachstumstätigkeit von Nervenzellen beeinflussen kann. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde IGF-1 als potentielles Medikament bei der ALS hypothetisiert und geprüft.

Die Ergebnisse der IGF-1-Studie sind von indirekter Bedeutung für das therapeutische Potential von Iplex (siehe Nachrichten 11/2008), da biologische und pharmakologische Parallelen zwischen IGF1 und Iplex bestehen. Mit den vorliegenden Ergebnissen der IGF1-Studie ist die Wahrscheinlichkeit einer therapeutischen Wirksamkeit von Iplex ebenfalls reduziert, jedoch ist eine abschließende Feststellung erst nach Komplettierung der Iplex-Studie möglich (Sorenson et al. Subcutaneaus IGF-1 is not beneficial in 3-year ALS trial. Neurology 2008;71:1770-1175; 
http:// www.neurology.org/cgi/content/abstract/71/22/1770?etoc)


Spende der Nündel-Stiftung zugunsten der ALS-Ambulanz an der Charité

Am 5. Dezember 2008 übergab der Repräsentant der Nündel-Stiftung einen Scheck im Wert von 50.000€ an Thomas Meyer als Leiter der ALS-Ambulanz der Charité. Die Nündel-Stiftung mit Sitz in Wendelstein geht auf die persönliche Betroffenheit des Geschäftsführers der S. E. Nündel Kunststoff GmbH zurück, dessen Ehefrau an den Folgen der ALS verstorben ist. Zur Unterstützung von klinischer ALS-Therapieforschung gründete der Unternehmer eine Stiftungs-Initiative, die in diesem Jahr erstmalig finanzielle Mittel zur Förderung von Forschungsvorhaben bereitgestellt hat. Die Spendenmittel werden für die Planung und Durchführung von mehreren ALS-Therapiestudien an der ALS-Ambulanz der Charité Verwendung finden (Informationen zu den geplanten und laufenden ALS-Therapiestudien finden sich in der Rubrik  „Therapiestudien“).


TV-Beitrag zur ALS im ZDF „Menschen - Das Magazin“ am 15.11.2008

Die Thematisierung der ALS-Problematik gegenüber einer breiten Öffentlichkeit ist ein wesentliches Anliegen, um Fortschritte in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und eine Unterstützung für ALS- Betroffene, ihre Familien und die dringend erforderliche ALS-Therapieforschung zu erlangen. Am Beispiel von 3 ALS-Patienten aus der ALS-Ambulanz der Charité, Lori Mai, Angela Jansen und Oliver Jünke ist es dem ZDF gelungen, ein Portrait von ALS-Patienten zu gestalten, die individuelle Wege beschreiten, um einen eigenen Lebensentwurf mit der ALS-Erkrankung zu bewerkstelligen. Der Beitrag macht Mut für andere ALS-Patienten und ihre Angehörigen und verweist zugleich auf die hohe soziale, medizinische und gesellschaftliche Bedürftigkeit bei ALS-Erkrankungen. Ein Video dieses TV-Beitrages ist verfügbar unter:  http://www.youtube.com/watch?v=w1L39LFL6KA


ALS-Therapiestudie MitoTarget – Terminaktualisierung

Die geplante Studie mit dem Medikament MitoTarget mit Förderung durch die Europäische Union im Jahr 2009 ist hinsichtlich der Zeitabläufe konkretisiert worden. Innerhalb der EU-Administration wird das Vorhaben am 02.12.2009 beginnen, mit den Vorbereitungsschritten der zuständigen Arzneimittelbehörden und Ethikkommissionen in Deutschland, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden beginnen. Die Studie wird in Frankreich am 1.4.2009 initiiert. In Deutschland, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden ist der derzeitige Studienbeginn für Mai 2009 geplant.


Fehlinformation zur „Sterbehilfe“ in den deutschen Medien

In einem Artikel des „Stern“ in der Onlineausgabe vom 10.12.2008 (http:www.stern.de/panorama/648545.html) wurden mehrere Fehlinformationen zur Sterbebegleitung von ALS-Patienten in Deutschland verbreitet. In dem Artikel mit dem Titel „Selbstmord zur besten Sendezeit“ wird der Sterbeprozess des britischen ALS-Patienten Craig Ewert beschrieben, der mit Hilfe der schweizerischen Sterbehilfeorganisation Dignitas eine Beatmungstherapie bei der ALS beendet hat. Anlass des Artikels war eine Veröffentlichung eines Videos über den Sterbeprozess von Craig Ewert in einem britischen TV-Sender. Die mediale Darstellung des Sterbeprozesses im TV-Medium ist unethisch. Das Nachrichtenmagazin „Stern“ teilt diese Ansicht und kritisiert die inadäquate Veröffentlichung des Sterbevorgangs.

Missverständlich in der Veröffentlichung des „Stern“ und anderer Medien ist die Darstellung, dass der ärztlich unterstützte Suizid durch Dignitas in der Schweiz die alleinige Möglichkeit für eine Beendigung der Beatmungstherapie bei der ALS darstellt. Richtig ist, dass nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes im Jahr 1991 auch in Deutschland die Beendigung einer Maskenbeatmung oder der mechanischen Ventilation mit einer ärztlichen Unterstützung möglich ist. Dabei gelten die Prinzipien der palliativmedizinischen Versorgung, die den Einsatz von Beruhigungs- und Narkosemitteln (Sedierung) vor und während der Beatmungsbeendigung rechtfertigt. Im Fall des expliziten Patientenwillens eines ALS-Betroffenen mit einer künstlichen Beatmung ist auch im Rechtsraum der Bundesrepublik Deutschland der Abbruch dieser Behandlungen rechtskonform und gestattet den Einsatz von Morphium und anderen sedierenden Medikamenten, selbst wenn die verbleibende Lebensspanne durch die Medikamentenbehandlung weiter verkürzt wird. Diese palliativmedizinische Maßnahme wurde zuvor als „passive Sterbehilfe“ und zunehmend als „Sterben lassen“ eingeordnet. Diese Differenzierung ist für die Perspektive von ALS-Patienten von größter Bedeutung, da sie über einen Anspruch auf eine palliativmedizinische Hilfe verfügen und an spezialisierten ALS-Zentren erhalten werden.       




November 2008 


Neue Erkenntnisse zur Lithium-Behandlung bei der ALS

Vom 02.-05.11.2008 fand der 19. Internationale ALS-Kongress in Birmingham (England) statt. Während einer Veranstaltung des Europäischen ALS-Konsortiums (EALSC) wurden die Ergebnisse einer tierexperimentellen Studie mit Lithiumcarbonat vorgestellt. Die Arbeitsgruppe der Neurobiologin Catharina Bendotti vom Pharmakologischen Institut der Universität Milano zeigten keinen positiven Effekt von Lithium auf den Krankheitsverlauf der ALS. Während der Studie wurden transgene SOD1 G93A-Mäuse als etabliertes Tiermodell der ALS ab dem 75. Lebenstag behandelt. Das mittlere Überleben der unbehandelten SOD 1-Maus betrug 180 Tage, während die Lithium-Behandlungsgruppe ein mittleres Überleben von 171 Tagen aufwies. Damit wird erkennbar, dass Lithium im untersuchten Tiermodell keinen vorteilhaften Effekt aufwies, sondern einen Trend für einen negativen Einfluss auf das Überleben aufzeigte. Dieser Effekt war jedoch nicht statistisch signifikant, so dass von diesem Ergebnis kein nachteilhafter Effekt von Lithium auf den ALS-Krankheitsverlauf abzuleiten ist. Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse der Erstveröffentlichung im April 2008 aus der Arbeitsgruppe von Fornai und Mitarbeitern der Universität Pisa nicht reproduzierbar sind. Aufgrund der uneinheitlichen Datenlage aus tierexperimentellen Studien und des eingeschränkten Studiendesign einer laufenden Lithium-Studie bei italienischen ALS-Patienten hat im September 2008 die britische ALS-Assoziation (MNDA, Motorneurone disease association) beschlossen, eine humane Lithumstudie in Großbritannien durchzuführen. Der vermutliche Studienbeginn wird im Laufe des Jahres 2009 sein. Gleichzeitig wird in den USA und Kanada durch eine Zusammenarbeit der ALS Association in the USA und der ALS Association of Canada eine weitere Lithium-Studie realisiert. Aufgrund der zahlreichen Aktivitäten der klinischen Forschung zur Thematik der Lithium-Behandlung wird voraussichtlich keine weitere europäische Studie initiiert. In Hinblick auf die geringe Datenlage zugunsten von Lithium sind die laufenden Lithium-Studien als ausreichend anzusehen. Von einer Selbstmedikation von Lithium ist aufgrund der aktuellen tierexperimentellen Ergebnisse weiterhin abzuraten.


Ursachen-Gen für erbliche Form der ALS entdeckt

Nach mehr als 10 Jahren der genetischen Forschung zu Ursachengenen der erblichen Verlaufsform der familiären ALS (FALS) gelang der Arbeitsgruppe von Prof. Christopher Shaw vom King`s College in London ein wissenschaftlicher Durchbruch. Nach einer Mitteilung auf dem 19. ALS-Kongress in Birmingham wurde bekannt, dass sich auf Chromosom 16 ein neues Ursachengen der FALS befindet (ALS6-Gen), das für einen Teil der Krankheitsfälle bei der ALS verantwortlich ist. Die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse ist in den nächsten Wochen in einer führenden wissenschaftlichen Fachzeitschrift zu erwarten. Die Entdeckung ist als eine wesentliche wissenschaftliche Leistung nach der Erstbeschreibung von Mutationen im SOD1-Gen bei Familien mit FALS zu bewerten. Aus grundlagenwissenschaftlicher Perspektive ist davon auszugehen, dass durch den Vergleich von Schädigungsmechanismen der SOD1-assoziierten FALS mit den pathologischen Vorgängen im neuen ALS6-Gen Aufschlüsse über grundsätzliche Krankheitsvorgänge bei der ALS zu erwarten sind. Dabei ist von Interesse, ob gemeinsame Schädigungswege der SOD1- und ALS6-assoziierten Erkrankung bestehen, die  auch für die nicht-erbliche Verlaufsform der ALS von Bedeutung sein können. In den folgenden Wochen und Monaten sind weitere Erkenntnisse über das ALS6-Gen und die Implikation für das ALS-Krankheitsverständnis zu erwarten.


ALS-Therapiestudie mit KNS-760704 im Jahr 2009

In den Nachrichten vom Oktober 2008 wurde bereits eine Medikamentenstudie des US-amerikanischen Arzneimittelunternehmens Knopp Neurosciences mit dem Medikament KNS-760704 in Aussicht gestellt. Während des 19. ALS-Kongresses in Birmingham fand ein Treffen von Vertretern der ALS-Ambulanz der Charité und des Unternehmens Knopp statt. Dabei wurden die bisherige Planung der klinischen Prüfung mit KNS-760704 beschrieben und die Grundsatzentscheidung über die Teilnahme deutscher Studienzentren getroffen. In Deutschland werden mindestens  3 Studienzentren teilnehmen. Die maximale Zahl der Studienteilnehmer und die detaillierten Einschusskriterien sind erst im Frühjahr 2009 zu erwarten. Auf der Europäischen ALS-Tagung im Mai 2009 in Turin werden diese Festlegungen voraussichtlich getroffen sein.


20. Internationaler ALS-Kongress im Jahr 2009 in Berlin

Auf dem diesjährigen 19. ALS-Kongress in Birmingham wurde der Austragungsort für den nachfolgenden ALS-Kongress der Öffentlichkeit bekannt gegeben. In der Zeit vom 8. – 10.12.2009 wird in Berlin der wichtigste Internationale ALS-Kongress stattfinden. Veranstaltungsort ist das Maritim-Hotel in Berlin-Tiergarten. Die Wahl von Berlin als Austragungsort stellt eine Würdigung für die medizinischen  und wissenschaftlichen Leistungen der deutschen ALS-Zentren dar. Die Entscheidung für Berlin wurde von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) unterstützt und befördert. Durch die Austragung des Kongress in Berlin wird die Teilnahme von deutschen ALS-Patienten erleichtert möglich sein. Traditionell werden während des Kongresses wissenschaftliche und medizinisch-praktische Vorträge angeboten, die auch von ALS-Betroffenen besucht werden können. Nachteilhaft sind die erheblichen Kosten der Kongressteilnahme, die zu unserem Bedauern auch für ALS-Patienten zutreffend sind. Die Preisgestaltung liegt ausschließlich bei der britischen ALS-Assoziation und ist ohne Beeinflussungsmöglichkeiten durch die DGM oder deutsche ALS-Zentren.



Oktober 2008 


Kontroverse über IPLEX-Therapie bei der ALS

Das Medikament IPLEX (Mecasermin Rinfabate) ist eine pharmakologische Substanz, die von der Firma INSMED die Behandlung der kindlichen Wachstumsstörung entwickelt wurde, welche durch einen primären IGF-1-Defekt verursacht wird. IPLEX ist pharmakologisch dem IGF-1 verwandt, das ein wichtiges Wachstumshormon darstellt. Aufgrund von patentrechtlichen Auseinandersetzungen wurde  IPLEX zur Behandlung der Wachstumsstörung vom Markt entfernt, jedoch als potentiale Behandlungsoption bei verschiedenen Erkrankungen weiter diskutiert. So findet derzeit eine klinische Studie an der Universität Rochester (USA) zur Behandlung der myotonen Muskeldystrophie (MMD) mit einer täglichen subkutanen Injektion von IPLEX statt. Die Ergebnisse der Untersuchung stehen noch aus. Im Januar 2007 hat eine italienische Patientengruppe einen politischen Einfluss auf das Gesundheitsministerium ausgeübt, um IPLEX für ALS-Patienten  verfügbar zu machen. Das Anliegen geht auf eine US-amerikanische Studien mit IGF-1 bei der ALS zurück, die einen geringgradigen positiven Effekt auf den ALS-Krankheitsverlauf zeigte. Dabei erbrachte die IGF-1-Behandlung von  89 ALS-Patienten im Vergleich zu 90 Patienten mit Placebo-Behandlung einen sehr geringgradigen, aber statistisch signifikanten Effekt auf die Progressionsrate bei der ALS. In einer zweiten europäischen Studie konnte kein positiver Effekt von IGF-1 nachgewiesen werden. Aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse der europäischen und US-amerikanischen Studie ist eine abschließende Beurteilung der IGF-1-Effektivität nicht möglich. Durch die unentschiedene Datenlage bei IGF-1 ist auch im Rückschluss auf IPLEX nicht von einer Wirksamkeit dieses Medikamentes auszugehen. Zur wissenschaftlichen Klärung dieser Frage ist die Durchführung einer IPLEX-Studie mit einer Placebokontrolle erforderlich. Die Behandlung mit IPLEX außerhalb einer kontrollierten Studie ist in keinem Fall zu empfehlen. Vor diesem Hintergrund ist die Patienteninitiative von italienischen Betroffenen mit Zurückhaltung zu betrachten.


Die Gesundheitssenatorin von Berlin und die Technologiestiftung zu Gast in der ALS-Ambulanz

Die Gesundheitssenatorin von Berlin, Katrin Lompscher, und die Technologiestiftung Berlin (TSB) haben am 23.10.2008 eine Pressetour für Journalisten in Berlin veranstaltet, die einen Besuch in der ALS-Ambulanz zum Ziel hatte. Gegenstand der Veranstaltung war die öffentliche Vorstellung eines patientenbezogenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens an der ALS-Ambulanz, das von der TSB mit einer Finanzierung des Landes Berlin unterstützt wurde. Das Entwicklungsprojekt „ALS-Manager“ ist ein Internetportal in Verbindung mit verschiedenen telemedizinischen Vorrichtungen, um die Behandlung von ALS-Patienten in der häuslichen Umgebung durch moderne Technologien zu verbessern. Dabei wurde ein Pilotvorhaben vorgestellt, bei dem die Ernährung über eine PEG-Sonde (unterstützte Ernährung durch eine operativ angelegte „Magensonde“) durch eine telemedizinische Vorrichtung überwacht wird. Die Daten der häuslichen PEG-Pumpe werden über einen Mikroprozessor erfasst und durch eine Mobilfunkkarte in eine Internet-basierte Datenbank weitergeleitet. Auf diese Weise können die behandelnden Ärzte und Ernährungsteams auch aus der Ferne eine Kontrolle der PEG-Ernährung überwachen und optimieren. Weiterhin erhalten die Patienten selbst einen detaillierten Einblick über die tatsächliche Ernährungsbilanz, die in Form von Grafiken und Tabellen auf einer personengebundenen sicheren Internetseite zur Verfügung gestellt wird. Während der Veranstaltung wurden die bisherigen Ergebnisse des ALS-Manager-Projektes und die Perspektiven der Weiterentwicklung vorgestellt. Durch den Besuch der Senatorin wurde die gesundheits- und wissenschaftspolitische Relevanz des Vorhabens unterstrichen. Weitere Informationen unter http://www.technologiestiftung-berlin.de/index.php/news/3495.html


Internationale ALS-Therapiestudie 2009 in Vorbereitung

Das US-amerikanische Arzneimittelunternehmen Knopp Neurosciences plant eine Medikamentenstudie bei der ALS, bei der die Wirksamkeit des Medikamentes KNS-760704 untersucht wird. Es handelt sich um eine neue pharmakologische Substanz, die Parallelen zum Medikament Pramipexol aufweist. Pramipexol ist ein etabliertes Medikament zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, das seine chemische Wirksamkeit in Dopaminrezeptoren entfaltet. KNS-760704 zeigt geringere Aktivität am Dopaminsystem, jedoch schützende Eigenschaften für Nervenzellen in den verschiedenen Testserien. Aufgrund dieser neuroprotektiven Eigenschaften wurde im März 2008 eine placebokontrollierte klinische Studie bei zunächst 80 ALS-Patienten initiiert, in der die Verträglichkeit und Sicherheit sowie die optimale Dosis des Medikamentes untersucht wird. Diese Studie wird ausschließlich in den USA durchgeführt und im Juni 2009 abgeschlossen. Bereits jetzt wird eine Wirksamkeitsstudie geplant, bei der auch europäische ALS-Zentren teilnehmen werden. Die Grundsatzentscheidung über eine deutsche Beteiligung an der Studie mit KNS-760704 und die Details der klinischen Prüfung sind ab 2009 zu erwarten.



September 2008 

Beginn der internationalen ALS-Therapiestudie ALS-TAL201

Im Oktober 2008 beginnt die ALS-Therapiestudie mit dem Medikament Talampanel an mehreren ALS-Zentren in Europa und den USA. Talampanel ist ein innovatives Medikament des israelischen Arzneimittelunternehmens TEVA, das in Tablettenform vorliegt und hinsichtlich einer Krankheitsverlangsamung bei der ALS getestet wird (siehe Nachrichten Mai 2008). Talampanel ist ein Medikament, das die Signalübertragung des neurochemischen Botenstoffes Glutamat modifiziert und aufgrund experimenteller Untersuchungen einen positiven Einfluss auf den ALS-Krankheitsverlauf haben kann. Die klinische Prüfung ALS-TAL201 zielt darauf ab, die klinische Wirksamkeit dieses Medikamentes bei ALS-Patienten zu untersuchen. Die Studie wird an der Charité und den ALS-Ambulanzen in Bochum und Ulm durchgeführt. Detaillierte Informationen zu den Ein- und Ausschlusskriterien sowie den medizinischen organisatorischen Abläufen der Studie befinden sich in der Rubrik  "Therapiestudien“.

Beginn der ALS-Therapiestudie mit Pioglitazone (GERP-Studie)

Ab September 2008 beginnt die ALS-Therapiestudie an der ALS-Ambulanz der Charité (siehe Nachrichten April 2008). Die Medikamentenstudie GERP wird an verschiedenen ALS-Zentren in Deutschland durchgeführt. Gegenstand ist die klinische Prüfung des Antidiabetikums Pioglitazone, das aufgrund tierexperimenteller Untersuchungen hinsichtlich einer möglichen Verlangsamung des Krankheitsverlaufes bei der ALS untersucht wird. Patienten mit der Diagnose einer ALS und einer Erkrankungsdauer von längstens 36 Monaten können an der GERP-Studie in Berlin oder anderen Prüfzentren teilnehmen. Detaillierte Informationen über den wissenschaftlichen Hintergrund, die Ein- und Ausschlusskriterien sowie die Prüfzentren in Deutschland stehen in der Rubrik  „Therapiestudien“ zur Verfügung.

Vorzeitiger Abbruch der Therapiestudie SIRONA

Seit Mitte 2007 wurde die ALS-Therapiestudie mit dem Medikament ONO2506 durchgeführt (SIRONA-Studie). Nach einer Zwischenauswertung der klinischen Studie Ende August 2008 wurde die Studie vorzeitig beendet, die ursprünglich bis in das Jahr 2009 geplant war. Im Ergebnis der Zwischenauswertung konnte kein positiver Effekt des Medikamentes ONO2506 gegenüber Placebo nachgewiesen werden. Die Behandlungs- und Placebogruppe unterschieden sich in keinem der Untersuchungsparameter, so dass die Weiterführung der Studie als nicht aussichtsreich angesehen wurde. ONO2506 ist ein neuartiges Medikamentes des japanischen Arzneimittelunternehmens ONO, das hinsichtlich der Wirksamkeit bei der ALS geprüft wurde. Die aktuelle Studie konnte keine statistisch-signifikante Lebensverlängerung nachweisen. Die Substanz wurde nach dem bisherigen Kenntnisstand gut toleriert und erfüllt hohe Standards der Arzneimittelsicherheit. Einschränkend ist festzustellen, dass eine abschließende Aussage zum Sicherheitsprofil des Medikaments erst nach Komplettierung der Datenanalyse möglich ist.  Die Studie wurde vom Arzneimittelunternehmen ONO finanziell unterstützt und an mehreren deutschen und europäischen ALS-Zentren durchgeführt.

Therapiestudie gegen unerwünschten Gewichtsverlust (OLN-ALS01)

Der unerwünschte Gewichtsverlust bei der ALS ist mit einer ungünstigen Prognose verbunden, so dass die medizinische Notwendigkeit für eine effektive Therapie der Gewichtsabnahme besteht. Bereits seit 2007 wurde eine Therapiestudie mit dem Medikament Olanzapin vorbereitet, das ein modernes und gutverträgliches Medikament psychiatrischer Erkrankungen darstellt und mit einer Gewichtszunahme assoziiert ist. Die Olanzapin-Nebenwirkung der Gewichtszunahme ist bei der ALS erwünscht und soll gezielt zur Behandlung der Gewichtsabnahme eingesetzt werden. In einer klinischen Prüfung (Studie OLN-ALS01) soll die klinische Effektivität und Sicherheit des Medikamentes bei der ALS untersucht werden. Die Studie OLN-ALS01 wurde durch die Ethikkommission des Landes Berlin positiv begutachtet. Der Studienbeginn war ursprünglich noch im Jahr 2007 geplant, jedoch aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit eines geeigneten Placebopräparates mit einer Eignung für eine ALS-bedingte Schluckstörung zunächst nicht realisierbar. In der Zwischenzeit wurden mehrere Komplexe pharmazeutischer Fragestellungen gelöst, so dass die Studie im August 2008 der Bundesoberbehörde, dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorgelegt wurde. In der derzeitigen Planung gehen wir nunmehr von einem Beginn der Studie Ende 2008 aus. Detaillierte Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund, den Einschlusskriterien sowie den medizinischen und organisatorischen Abläufen befinden sich in der Rubrik  „Therapiestudien“.


August 2008

Neuer experimenteller Ansatz einer ALS-Stammzelltherapie

Am 31.07.2008 erschienen die Ergebnisse einer experimentellen Untersuchungsserie zur Stammzell-Behandlung bei der ALS, die im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurden. Die Arbeitsgruppe um den Neurobiologen John T. Dimos vom Institut für Stammzellforschung der Harvard-Universität in Cambridge (USA), konnte zeigen, dass Stammzellen auch aus einer Hautgewebeprobe von ALS-Patienten zu gewinnen sind. Dabei ist es den Wissenschaftlern gelungen, bei 2 Schwestern mit einer familiären Form der ALS im Alter von 82 und 89 Jahren durch ein spezialisiertes Verfahren Stammzellen zu gewinnen, die wiederum in Nervenzellen umprogrammiert werden konnten. Durch die experimentelle Manipulation von bestimmten Genen in den entnommenen Hautzellen konnte erreicht eine „Rückentwicklung“ von Hautzellen in undifferenzierte Zellen erreciht werden, die Ähnlichkeiten zu Stammzellen aufweisen. Ein Hauptmerkmal von Stammzellen besteht darin, dass aus dieser Zellgruppe sich unterschiedliche Körperzellen ableiten lassen. Nach der Herstellung von undifferenzierten Zellen aus der Hautprobe ist es in einem 2. Schritt gelungen, durch die Zugabe von Wachstumsfaktoren eine künstliche Entwicklung in motorischen Nervenzellen zu initiieren. Das Experiment ist besonders bemerkenswert, da gezeigt werden konnte, dass auch in einem hohen Lebensalter eine experimentelle Stammzellgewinnung grundsätzlich möglich ist. Eine Zukunftsvision besteht darin, aus Hautgewebe von ALS-Patienten undifferenzierte Stammzellen zu gewinnen und den ALS-assoziierten Gendefekt in diesen Zellen durch gentechnische Methoden zu „reparieren“. Nach abgeschlossener Beseitigung des Gendefekts kann eine Vervielfältigung und Ausdifferenzierung in motorischen Nervenzellen veranlasst und eine Rücktransplantation der eigenen, jedoch reparierten Zellen in den betroffenen ALS-Patienten versucht werden. Durch dieses Vorgehen kann eine Transplantation von körperfremden Zellen verhindert werden. Die vorliegenden Experimente sind momentan von grundlagenwissenschaftlicher Bedeutung und leider noch nicht auf die klinische Praxis übertragbar. Das experimentelle Vorgehen ist äußerst komplex und bisher ausschließlich in einem experimentellen Kontext gelungen. Die Autoren weisen darauf hin, dass zahlreiche methodische und technische Fragestellungen ungeklärt sind. Der wesentliche Begrenzungsfaktor besteht derzeit in dem möglichen Risiko einer Entwicklung von Tumorzellen aus den „umprogrammierten“ motorischen Nervenzellen, nachdem sie in den Körper des Patienten zurück transplantiert wurden. Vor diesem Hintergrund ist nicht anzunehmen, dass in den folgenden 5-10 Jahren eine Umsetzung der beschriebenen Stammzelltechnik in eine klinische Regelversorgung realistisch ist. Dennoch ist die Arbeit der Wissenschaftler um John T. Dimos als ein wichtiger Fortschritt in der ALS-Therapieforschung zu verstehen.


Juli 2008



Weitere Zwerchfellschrittmacher-Implantation an der Charité

Am 11.06.2008 wurde bei einem weiteren Patienten ein Zwerchfellschrittmacher erfolgreich implantiert. Der Eingriff wurde erneut in enger Kooperation der minimal-invasiven Arbeitsgruppe der Chirurgischen Klinik, der Abt.  Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie der ALS-Ambulanz am Virchow-Klinikum realisiert. Die OP konnte ohne Komplikationen durchgeführt werden, so dass 5 Tage nach dem Eingriff der Patient mit der technischen Ausstattung einer Direkten Diaphragma-Stimulation (DDS) in die häusliche Umgebung entlassen wurde. An der Charité wurden bis 7/2008 insgesamt 3 Patienten mit einer DDS unterstützt, während in den übrigen Ländern Europas bisher insgesamt 4 Patienten eine DDS erhalten haben (Paris 1, Reykjavik 3). Aufgrund der geringen Patientenzahl einer DDS in Europa ist bisher eine zuverlässige Aussage zur therapeutischen Effektivität des Verfahrens nicht möglich. Einen weiteren Fortschritt werden die Ergebnisse der laufenden DDS-Studie in den USA bringen, deren Ergebnisse erst Mitte 2009 vorliegen.


Fachartikel zur Beendigung der Beatmungstherapie bei der ALS veröffentlicht

Im Juni 2008 hat die ALS–Ambulanz der Charité einen Fachartikel zur Beendigung der Beatmungstherapie bei der ALS veröffentlicht. Die Publikation erschien in der Fachzeitschrift „Der Nervenarzt“, die von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) herausgegeben wird. In dem Artikel werden die Erfahrungen an der Charité öffentlich gemacht, welche medizinischen, pharmakologische und sozialen Maßnahmen zu treffen sind, um eine ausreichende Palliativversorgung bei einer Beendigung der Beatmungstherapie zu gewährleisten. Bei ALS-Patienten mit einer künstlichen Beatmung äußert ein geringer Teil den Wunsch, zu einem selbst definierten Zeitpunkt die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden. In dieser Situation haben die Patienten einen Anspruch auf eine ärztliche Hilfe durch eine Palliativversorgung, die medizin-ethisch vollständig geklärt ist. Es handelt sich um einen Prozess des „Sterbenlassens“ ohne Bezug zur „aktiven Sterbehilfe“ oder dem ärztlich unterstütztem Suizid. Der Fachartikel im „Der Nervenarzt“ wurde durch einen Beitrag in Spiegel Online von Christoph Seidler am 10.07.2008 aufgegriffen und in einen breiteren Zusammenhang der gegenwärtigen ALS-Behandlung gestellt.

 

(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,druck-564501,00.html)


 Juni 2008


Publikation zur ALS im Deutschen Ärzteblatt

Am 06.06.2008 ist im Deutschen Ärzteblatt ist ein Artikel zur ALS erschienen, der einen wichtigen Beitrag in einer gesellschaftlichen Diskussion zu den Themen der Lebensqualität und Patientenautonomie leistet. Es handelt sich um eine wissenschaftliche Veröffentlichung von neuropsychologischen Arbeitsgruppen der Universitäten in Ulm und Tübingen mit dem Titel “Depression und Lebensqualität bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose“ von Dorothée Lulé, Sonja Häcker, Albert Ludolph, Niels Birbaumer und Andrea Kübler (pdf-Dokument hier verfügbar). Der Artikel wird von einem Kommentar durch Hans Förstl, München, begleitet (pdf-Dokument hier verfügbar). Der Artikel beschreibt die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zur Lebensqualität bei der ALS. Das Ergebnis ist überraschend, da keine Einschränkungen der Lebensqualität durch die ALS im Vergleich zur Normalbevölkerung beobachtet wurden.

Der Artikel im Deutschen Ärzteblatt war Anlass für einen Leserbrief, der an dieser Stelle veröffentlicht wird:

Unzulässige Vereinfachung
Die Autoren kommen zu einer überraschenden Schlussfolgerung: „Die Lebensqualität der ALS-Patienten unterscheidet sich nicht wesentlich von gesunden Kontrollpersonen…“. Die Ergebnisse der Originalarbeit zeigen, dass eine „befriedigende Lebensqualität in jedem Stadium der ALS möglich ist.“ Diese Aussage steht in einem deutlichen Widerspruch zu meiner täglichen Erfahrung bei der Begleitung von ALS-Patienten. Die Betroffenen sind zunächst fassungslos und verzweifelt über die Unerreichbarkeit ihres Lebensplans und die Prognose einer tödlichen Erkrankung. Auch im weiteren Verlauf der fortschreitenden Erkrankung gehören Trauer, Angst und Erschöpfung zum Erleben der Patienten und ihrer Familien. Die Beobachtung einer „normalen“ Lebensqualität innerhalb der Studie provoziert die Frage, ob die verfügbaren neuropsychologischen Methoden geeignet sind, die wesentlichen Implikationen der ALS abzubilden.

Verschiedene methodische Limitationen bestimmen die vorliegende Studie. Die Anzahl der Patienten ist mit 39 Probanden gering. Lediglich 4 Patienten erhielten eine invasive Beatmung. Nur zwei Patienten befanden sich in einem Zustand der vollständigen Immobilisierung (ALS-FRS 0). Die Studie erfasst damit überwiegend Patienten in einem mittleren Krankheitsverlauf. Die Schlussfolgerung der Autoren über eine hinreichende Lebensqualität in allen ALS-Stadien ist daher nicht gerechtfertigt. Die Bewertung der Studienergebnisse erscheint zu weit reichend. Die Autoren schlussfolgern, dass bei einer „exzellenten Palliativversorgung“ der Patientenwille einer Therapiebegrenzung an Relevanz verliert. Unsere Untersuchungen bei der elektiven Beendigung von Beatmungstherapie widersprechen dieser abstrakten und vereinfachten Interpretation (1). Der Patientenwille eines Therapieabbruchs kann auch bei optimaler medizinischer und sozialer Versorgungsstruktur entstehen. Er ist mit dem subjektiven Erleben des schwerwiegenden Autonomieverlustes assoziiert und kann durch konkrete biographische Umstände verursacht sein. Die begründete Entscheidung eines Patienten für eine Therapiebegrenzung sollte nicht durch eine Überinterpretation der diskutierten Studie infrage gestellt oder stigmatisiert werden.

Prof. Dr. Thomas Meyer,
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Ambulanz für ALS und andere Motoneuronenerkrankungen


Literatur
Meyer T, Dullinger JS, Münch C, Keil JP, Hempel E, Rosseau S, Borisow N, Linke P: Elektive Beendigung der Beatmungstherapie bei der Amyotrophen Lateralsklerose. Nervenarzt 2008;79:684-90.



Mai 2008


Positiver Beschluss des Berliner Senats zur ALS-Ambulanz der Charité


Mit Entscheid vom 16.05.2008 hat die Senatsverwaltung für Gesundheit des Senats von Berlin einen Antrag der Charité für die ambulante Behandlung von ALS-Patienten positiv entschieden. Die bisherige Untersuchung und Behandlung von Patienten mit ALS und anderen Motoneuronenerkrankungen war bisher ausschließlich im Rahmen einer Hochschulambulanz unter dem Aspekt von universitärer Lehre und Forschung seitens des Gesetzgebers beabsichtigt. Mit einer neuen Gesetzesregelung vom 01.04.2007 wurden die juristischen Voraussetzungen geschaffen, um Patienten mit schweren und seltenen Erkrankungen auch außerhalb von Forschungsaspekten mit dem Ziel einer hochspezialisierten Versorgung zu behandeln (§ 116b SGB V). Im Juli 2007 wurde ein entsprechender Antrag von der ALS-Ambulanz gegenüber dem Berliner Senat eingereicht. Nach einer komplexen Antrags- und Entscheidungsphase erfolgte die Genehmigung durch das Land Berlin, Patienten mit einer ALS und anderen Motoneuronenerkrankungen am Krankenhaus ambulant zu behandeln und die erbrachten ärztlichen Leistungen gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geltend zu machen. Mit dieser Entscheidung wird die spezialisierte Versorgung von ALS-Patienten an der Charité unterstützt und eine interdisziplinäre Betreuung gefördert. Zum Zeitpunkt der Bewilligung lagen dem Berliner Senat insgesamt 161 Anträge für unterschiedliche Erkrankungen aus verschiedenen Krankenhäusern des Landes Berlin vor. Der Antrag der ALS-Ambulanz der Charité wurde mit Priorität bearbeitet und galt als Modellantrag für andere schwerwiegende Erkrankungen. Damit trug die Senatsverwaltung für Gesundheit der besonderen Schwere der ALS-Problematik und der medizinischen Notwendigkeit einer optimierten ambulanten Versorgung Rechnung. Mit dem positiven Senatsbeschluss wird der gesundheitspoli-tische Wille des Gesetzgebers auf Landesebene erfolgreich umgesetzt, die ambulante Betreuung von Patienten mit schwerwiegenden und seltenen Erkrankungen zu verbessern.


Budgetverhandlungen zum Zwerchfellschrittmacher bei der ALS


Die Budgetverhandlungen mit den Kostenträgern für spezialisierte Behandlungsverfahren erfolgen mit deutlichen Verzögerungen. Bisher konnte keine Einigung zur Finanzierung der Zwerchfellschritt-macher-Implantation erreicht werden. Ein Beschluss über den genehmigten Kostenumfang von Zwerchfellschrittmacher-Operationen an der Charité ist nicht vor September 2008 zu erwarten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Kostenübernahme durch die gesetzliche und private Krankenversicherung nicht gewährleistet. Beantragt wurde die Operation von 20 ALS-Patienten im Jahr 2008.


ALS-Therapiestudie mit TEVA-Medikament


Das israelische Arzneimittelunternehmen TEVA plant ab September 2008 eine neue ALS-Therapiestudie in Europa. An den Studienzentren in Berlin, Bochum und Ulm wird eine placebokontrollierte Studie mit einem innovativen Medikament durchgeführt, das in Tablettenform eingenommen wird und hinsichtlich einer Krankheitsverlangsamung bei der ALS getestet wird. Gegenstand der klinischen Prüfung ist das innovative Medikament Talampanel, das eine pharmakologische Veränderung der Signalweiterleitung durch den neurochemischen Botenstoff Glutamat bewirkt. Das pharmakologische Konzept geht auf das Krankheitskonzept einer möglichen gestörten Glutamatsignalregulation im Gehirn und Rückenmark von ALS-Patienten zurück.  Das Vorbereitungstreffen für Prüfärzte findet im September 2008 statt, so dass im Oktober 2008 von einem Studienbeginn auszugehen ist. Informationen zu den Ein- und Ausschlusskriterien der Studienteilnahme werden zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt. Die Rekrutierung für die Therapiestudie wird 3 Monate umfassen. Die Studiendauer pro Patient beträgt 18 Monate.


Vorankündigung einer ALS-Therapiestudie im Jahr 2009


Die Europäische Union (EU) hat dem Antrag eines innovativen Arzneimittelunternehmens in Frankreich zur Durchführung einer Medikamentenstudie bei der ALS bewilligt. Mit Beginn im Frühjahr 2009 ist eine klinische Untersuchung mit einem neuartigen Medikament geplant, das von einem französischen Biotechnologieunternehmen entwickelt wurde. Die Substanz weist strukturelle Ähnlichkeiten zum Cholesterin auf und hat positive Effekte in Tiermodellen der ALS gezeigt. Das Medikament zielt auf eine Verlangsamung des ALS-Krankheitsverlaufes ab. Eine abschließende Beurteilung der klinischen Effektivität des Medikamentes ist erst nach Abschluss einer 18-monatigen Therapiestudie möglich. Die Medikamentenstudie ist in Frankreich, Deutschland, Italien und Belgien geplant. In Deutschland wird die Studie in Berlin, Hannover und Ulm realisiert. Weitere Informationen zu den  Einschlusskriterien und zu organisatorischen Aspekten werden nach Abschluss der Studienvorbereitung zur Verfügung gestellt.


Kino-Dokumentarfilm „Ich. Immendorff“


Im Mai 2008 hatte der Dokumentarfilm „Ich.Immendorff“ seine Kinopremiere in Deutschland. Der Dokumentarfilm würdigt das künstlerische Leben und Werk Jörg Immendorffs, indem die Autorin Nicola Gräf den Künstler in einem Zeitraum von 2 Jahren begleitet hat. Die Betroffenheit des Künstlers durch die ALS wird zu einem bestimmenden Moment des Films und trägt zum Verständnis der ALS-Problematik in einer größeren Öffentlichkeit bei. Dabei werden die medizinischen, sozialen und emotionalen Aspekte der ALS im Fall von Jörg Immendorff thematisiert. Weitere Informationen zum Film „Ich.Immendorff“: www.realfictionfilme.de

April 2008


Erfolg der ALS-Gala zugunsten der ALS im Marriott-Hotel am 03.04.2008

Die Gala der Charité und des Berlin Marriott Hotels war sehr erfolgreich. Insgesamt 265.000 Euro wurden zugunsten der ALS-Ambulanz der Charité gespendet. Besonders Air-Berlin hat dazu beigetragen. Die Fluggesellschaft konnte als engagierter Partner im Kampf gegen die ALS gewonnen werden. Während der Veranstaltung, die von Johannes B. Kerner moderiert wurde, gab Air-Berlin-Chef Joachim Hunold die Gründung des Air-Berlin-Fonds für ALS-Therapieforschung an der Charité bekannt. Durch den Fonds erhält die ALS-Ambulanz jährlich 100.000 Euro. Die Finanzierung ist zunächst für 2 Jahre vertraglich geregelt. Insgesamt ist eine Laufzeit von 5 Jahren vorgesehen. Mit diesen Mitteln wird das Konzept der ALS-Ambulanz an der Charité wirksam unterstützt, Patienten aus ganz Deutschland zu diagnostizieren und begleitende Forschungsprojekte zu realisieren. Der Gala-Erlös und die Mittel des Air-Berlin-Fonds sind für verschiedene Vorhaben erforderlich, in denen innovative und anwendungsbezogene Therapiemöglichkeiten untersucht und in die Praxis umgesetzt werden. Neben der Durchführung von Medikamentenstudien werden Untersuchungen zur experimentellen Beatmungstherapie durch den Zwerchfellschrittmacher unterstützt. Wie auch in den zurückliegenden Jahren waren bei der Gala „Charity for Charité“ namhafte Künstler vertreten. Großen Applaus erhielten die Berliner  Musikerin Diana Weigmann und der Artist Maxim Boderenko, auch die ALS-Patientin Lori Mai, bekannt aus ihrem Auftritt bei DSDS feierte ihre Premiere mit dem Song „Be What I Am“ ihres 1. Albums, das am 9. Mai beim Label „Musik 2Gold“ erscheinen wird. Musik und Tanz rundeten die Gala ab: Wladimir Kaminer verlagerte zum Ausklang seine legendäre Russendisko ins Berlin Marriott Hotel.


Therapiestudie mit Pioglitazone in Deutschland geplant

Im Sommer 2008 ist der Beginn einer akademischen Therapiestudie an verschiedenen ALS-Zentren in Deutschland mit dem Medikament Pioglitazone  geplant. Es handelt sich um ein etabliertes orales Antidiabetikum, das sich bei Patienten mit Diabetes mellitus in einer breiten Anwendung befindet. Experimentelle Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass neben den antidiabetischen Eigenschaften das Medikament Pioglitazone über entzündungshemmende Effekte und neuroprotektive Merkmale verfügen kann. In einer Untersuchung am transgenen Tiermodell der ALS konnte in einer neurobiologischen Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Bonn im Jahr 2005 gezeigt werden, dass Pioglitazone günstige Effekte auf den Krankheitsverlauf im TiermodelI aufweisen kann (Schütz et al. J Neurosci 2005; 24:7805 – 78012). Die Mausstudien erbrachten eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes und ein Überlebensvorteil für transgene ALS-Mäuse bei Pioglitazone- Behandlung. In einer weiteren Veröffentlichung aus dem Jahr 2008 berichtet eine japanische Arbeitsgruppe ebenfalls von neuroprotektiven Effekten im ALS-Mausmodell. Einschränkend ist festzustellen, dass eine Übertragung der experimentellen Ergebnisse im Tiermodell auf eine mögliche Therapiestrategie beim Menschen nicht möglich ist. Zur Prüfung möglicher positiver Effekte von Pioglitazone beim Menschen ist eine placebo-kontrollierte und randomisierte Therapiestudie geplant, die am Universitätsklinikum Ulm (Direktor: Prof. Dr. A. Ludolph) initiiert wird. Mehrere ALS-Zentren in Deutschland werden die Teilnahme an der Therapiestudie anbieten (Ulm, Würzburg, Wiesbaden, Halle, Hannover, Bochum und Berlin). Der terminliche Beginn und die abschließende Aufstellung der teilnehmenden ALS-Zentren sind bis Juni 2008 zu erwarten. Diese Informationen werden durch das Universitätsklinikum Ulm zur Verfügung gestellt.


März 2008


Gala zugunsten der ALS im Marriott-Hotel am Potsdamer Platz am 03.04.2008


Am Donnerstag, 03.04.2008, 19.30 Uhr findet im Berlin Marriott-Hotel am Potsdamer Platz die Benefizveranstaltung Charity for Charité statt (siehe Nachrichten Juli 2007). Die Vorbereitungen auf diese Veranstaltung kommen in die Schlussphase. Der Abend beinhaltet ein Gala-Dinner, das von verschiedenen Veranstaltungspunkten begleitet wird. Die Moderation hat Johannes B. Kerner übernommen. Musikalisch lässt das Queensgang Orchestra die Goldenen 20er Jahre aufleben. Weiterhin werden die Weltmeister der lateinamerikanischen Formation für überraschende Momente sorgen. Die ALS-Betroffene Lori Mai wird nach Ihrem beeindruckenden Auftritt bei der TV-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ ihre erste Musikproduktion in der Öffentlichkeit vorstellen. Die ALS-Patientin Angela Jansen wird sich mit Hilfe eines augengesteuerten Kommunikationssystems den Interviewfragen von Johannes B. Kerner stellen und damit dem Publikum die ALS- Problematik näher bringen. Die Schirmherrschaft des Abends hat der Künstler Christoph Schlingensief übernommen. Weitere Informationen unter www.charity-for-charite.de.


Glatirameracetat-Studie ohne positiven Effekt bei der ALS

Am 13.03.2008 veröffentlichte das israelische Arzneimittelunternehmen TEVA Pharmaceutical Industries Ltd. die Ergebnisse einer globalen Phase II-Studie mit Glatirameracetat bei der ALS. Die ALS-Ambulanz in Berlin hat neben zwei weiteren Zentren in Deutschland ebenfalls an dieser Studie teilgenommen. Die Studienergebnisse zeigen, dass Glatirameracetat (GA) in einer Dosis von  40 mg/Tag als sicher und gut verträglich einzuschätzen ist, jedoch leider keinen positiven Effekt auf den ALS-Krankheitsverlauf aufweist. An der placebo-kontrollierten Studie hatten 13 Zentren in Deutschland, Israel, Belgien, Frankreich, Italien und Großbritannien mit insgesamt 366 ALS-Patienten teilgenommen. Der primäre Studienendpunkt war der ALS-Schweregrad (ALS-FRS-R). Ein weiteres Untersuchungsziel war die Ermittlung des Überlebens mit GA im Vergleich zur Placebo-Behandlung. Im Ergebnis der Studie ist festzustellen, dass GA keine hinreichende Effektivität zur Behandlung der ALS aufweist. GA ist ein Medikament, das ursprünglich zur Behandlung der multiplen Sklerose (MS) zugelassen wurde. Aufgrund bestimmter Parallelen zwischen der MS und der ALS wurde die Studien mit GA realisiert. Zu den Details der Therapiestudie siehe „Therapiestudien - abgeschlossene Studien“.


Lori Mai bei „Deutschland sucht den Superstar“

Lori Mai ist eine 29-jährige ALS-Betroffene, die sich in unserer ambulanten Betreuung befindet. Im Februar 2008 nahm sie als Kandidatin an der TV-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ teil. Ihr Auftritt wurde durch eine kurze Videosequenz begleitet, in der ihre derzeitige Lebenslage und Motivation als ALS-Erkrankte eindrucksvoll beschrieben wird. Dieser kurze Beitrag hat eine hohe Medienwirksamkeit hervorgerufen und die ALS-Problematik einem breiten Publikum in geeigneter Weise nahe gebracht. Das Video über den Auftritt und den begleitenden Film ist im Internet unter der folgenden Adresse verfügbar: http://dsds-video.rtl.de


Februar 2008


Lithium-Behandlung bei der ALS

Am 04.02.2008 wurden erstmals die Ergebnisse der italienischen Lithium-Studie bei der ALS veröffentlicht (Fornai et al. PNAS;105:2052-2057). Es handelt sich um die Forschungsergebnisse von neurobiologischen Arbeitsgruppen und einer neurologischen Abteilung in Pisa, Rom und Novara. In der Publikation werden die Erfahrungen einer randomisierten, und offenen ALS-Therapiestudie bei 44 ALS-Patienten zusammengefasst, die im Oktober 2005 begann und für 15 Monate durchgeführt wurde. 16 Patienten wurden in einer Kombination mit Riluzol und Lithium-Carbonat behandelt, während 28 Patienten mit einer Riluzol-Monotherapie versorgt wurden. Die Dosierung mit Lithium Carbonat betrug 300 mg (2 x 150 mg/Tag) mit einer möglichen Dosissteigerung auf 450 mg/Tag. Die beabsichtigte Serumkonzentration betrug 0,4 bis 0,8 mmol/l. Die Untersuchungsgruppen (Riluzol + Lithium vs. Riluzol-Monotherapie) zeigten vergleichbare Ausgangswerte hinsichtlich des ALS-Schweregrades (ALS-FRS-R), der Kraftgrade (MRC-Skala) und der Atemfunktion (forcierte Vitalkapazität, FVC). Hinsichtlich des Erkrankungsalters ergab sich ein nicht-signifikanter Unterschied zwischen der Lithium-Gruppe (66,9 Jahre) und der Riluzol-Gruppe (70,3 Jahre). Die Autoren berichten von einem positiven Behandlungseffekt in der Lithium-Gruppe im Vergleich zur Riluzol-Monotherapie. Dabei wird in der Lithium-Gruppe eine Abnahme des Punktwerts für den ALS-FRS-R um 14,3 % dargestellt, während bei einer Riluzol-Monotherapie eine Reduktion dieses Wertes um 39,8 % zu verzeichnen war. Die italienischen Forscher berichten weiterhin, dass in der Lithium-Gruppe kein Todesfall eintrat, während in der Riluzol-Gruppe 29 % der Patienten verstarben. Die Autoren schlussfolgerten, dass Lithium eine wirksame Therapieoption bei der ALS darstellen kann.

Die Lithium-Studie bei der ALS hat eine erhebliche mediale Aufmerksamkeit (z.B. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.02.2008) sowie ein beträchtliches Hoffnungspotential bei ALS-Patienten erzeugt. Nach bisheriger Einschätzung ist die Lithium-Studie bei der ALS ein interessanter Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen. Gleichzeitig ist zu betonen, dass in der nicht-wissenschaftlichen Presse und in Internetpublikationen eine Überbewertung und Vereinfachung der komplexen Datenlage besteht. Die bisherigen Ergebnisse lassen leider keine Schlussfolgerungen zu, dass mit Lithium eine Heilung oder hocheffektive Behandlung der ALS zur Verfügung steht. Die italienische Lithium-Behandlungsstudie weist mehrere methodische Limitationen auf, die zu einer vorsichtigen Interpretation der Datenlage führen sollten. So ist die Anzahl der mit Lithium behandelten Patienten wesentlich geringer als die Gruppe der Riluzol-Monotherapie (16 vs. 28 Patienten). Zusätzlich wird nicht beschrieben, ob eine unterschiedliche Beobachtungsdauer in der Lithium- und Riluzol-Gruppe zugrunde liegt. Vor diesem Hintergrund ist die unterschiedliche Mortalitätsrate (0 vs. 29 %) nicht unmittelbar vergleichbar. Weiterhin ist in den Originaldaten erkennbar, dass die Progressionsrate aller untersuchten Parameter (ALS-FRS-R, FVC, MRC) bereits bei Studienbeginn in der Riluzol-Gruppe ungünstiger war und während der gesamten Studie in beiden Gruppen unverändert blieb. Bei einem hochgradigen Medikamenteneffekt wäre jedoch zu erwarten, dass mit Zunahme der Behandlungsdauer ein therapeutischer Effekt zunimmt. Daher ist nicht auszuschließen, dass in der Lithium-Gruppe ALS-Patienten mit einem primär besseren Krankheitsverlauf aufgenommen wurden. Aufgrund dieser Problematik wurde bei anderen ALS-Therapiestudien eine Stratifizierung von ALS-Patienten nach ihrer Progressionsrate noch vor Studieneinschluss vorgenommen, um „Verzerrungseffekte“ durch eine ungleichmäßige Zuordnung von Patienten mit unterschiedlichen Progressionsraten zu vermeiden.
 
Die bisher geringe Patientenzahl (n=16) und die methodischen Begrenzungen der Studie lassen leider noch keine generelle Therapieempfehlung für die Lithium bei der ALS zu. Dabei ist auf das Risiko toxischer Effekte von Lithium im Fall einer Überdosierung zu verweisen. Bei einer Überdosierung sind Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle möglich. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils sind in jedem Fall eine Nierenfunktions-Untersuchung, eine Elektrokardiographie und eine Schilddrüsendiagnostik erforderlich.
 
Zur Sicherung eines therapeutischen Effektes von Lithium bei der ALS ist eine placebo-kontrollierte Studie geplant, die durch die italienische Arbeitsgruppe bei 100 ALS-Patienten vorbereitet wird. Weiterhin ist davon auszugehen, dass die Erfahrungen von ALS-Patienten durch Web-Portale kommuniziert werden (http://alslithium.atspace.com, www.patientslikeme.com). Die Selbstbeschreibung einzelner ALS-Patienten stellt keine Alternative für die geplante kontrollierte multizentrische Therapiestudie dar, ist aber für den Informationsaustausch über Effekte, Risiken und Grenzen der Lithium-Medikation bei der ALS von Bedeutung.
 
Eine Lithium-Behandlung bei der ALS wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten wiederholt praktiziert. Der bisherige Einsatz dieses Medikamentes bezieht sich auf die Therapie der motorischen Disinhibition (Zwangslachen und -weinen). Durch die stimmungsstabilisierenden Effekte von Lithium wurde das Präparat im Einzelfall empfohlen (z. B. Praxis der Amyotrophen Lateralsklerose, UNI-MED-Verlag 2002, Herausgeber B.
Neundörfer). Aus diesen Vorerfahrungen der Lithium-Medikation ließen sich bisher keine Effekte auf den Krankheitsverlauf erkennen, obgleich die Dosierungen der italienischen Lithium-Studie entsprachen.
 
Bei Vorliegen einer motorischen Disinhibition ist die Lithium-Medikation eine etablierte symptomatische Therapieoption. In diesem Kontext ist der Einsatz dieses Medikamentes in Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses gerechtfertigt. Eine systematische Auswertung des ALS-Krankheitsverlaufes dieser Patientengruppe wird ebenfalls dazu beitragen, den Stellenwert von Lithium bei der ALS-Behandlung möglichst rasch und umfassend zu bewerten.



Januar 2008


Aktualisierung zum Zwerchfellschrittmacher bei der ALS

Am 11.12.2007 wurde erstmalig in Europa bei 2 Patienten unserer ALS-Ambulanz ein Zwerchfellschrittmacher implantiert. Es handelt sich um eine direkte Diaphragmastimulation (DDS) durch 4 Elektroden, die an der Unterseite des Diaphragmas (Zwerchfell) implantiert wurden (siehe Nachrichten 12/2007). In der Zwischenzeit haben mehrere Nachuntersuchungen der DDS-Patienten stattgefunden. Der bisherige Verlauf zeigte eine rasche und vollständige Erholungsphase nach der Operation ohne DDS-bedingte Beschwerden. Eine medizinische Wirksamkeit der DDS kann erst in einem längeren Beobachtungszeitraum und ausschließlich für die individuellen DDS-Patienten getroffen werden. Bei einem der beiden operierten Patienten lässt sich bereits jetzt ein messbarer Unterschied der Atemfunktion während der Stimulation im Vergleich zum Zustand mit ausgeschaltetem Stimulationsgerät feststellen. Bisher unklar bleibt, ob die Effekte der DDS auf die Atemfunktion (Vitalkapazität) und andere Parameter von klinischer Relevanz und nachhaltig sind. Erste kontrollierte Daten sind von den Ergebnissen der multizentrischen DDS-Studie in den USA mit Auswertung im Jahr 2009 zu erwarten.
 
In Resonanz auf die Veröffentlichungen zum Zwerchfellschrittmacher bei der ALS erhielten wir zahlreiche Anfragen. Die häufigsten Fragen sollen an dieser Stelle benannt und beantwortet werden:
 
Wer ist für die DDS geeignet?
Nach den bisherigen Erfahrungen in den USA und den eigenen Erkenntnissen scheint eine DDS besonders bei einer normalen oder nur geringgradig eingeschränkten Atemfunktion zu sein. Bei einer Vitalkapazität über 70 % besteht ein sehr geringes Operationsrisiko. Bei einer Atemfunktion, die bereits hohe Einschränkungen zeigt (Vitalkapazität < 50 %), besteht ein Risiko, dass nach der Vollnarkose keine sofortige Entwöhnung von der Narkose-bedingten Beatmung erfolgen kann. Weiterhin ist mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit während der Operation mit einem Pneumothorax (unerwünschter Lufteintritt in den Brustkorb) zu rechnen, der durch die Implantation der Elektroden in das Zwerchfell entstehen kann. Die Erholung von einem Pneumothorax ist für ALS-Patienten mit einer ausreichenden Atemfunktion rascher zu bewerkstelligen. Unter Sicherheitsaspekten planen wir in den nächsten Schritten, eine DDS bei Patienten, die eine VK von mehr als 50 % aufweisen. In der Zukunft ist jedoch denkbar, dass mit einem größeren Erfahrungsschatz bei der DDS auch Patienten mit einer erheblichen Einschränkung der Atemfunktion operiert werden können. Bis Ende 2008 planen wir einzelne ALS-Patienten mit einer DDS zu versorgen, die bereits eine schwerste Atemfunktionsstörung zeigen und eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) und künstliche Beatmung (mechanische Ventilation) benötigen. In diesem Zusammenhang wollen wir überprüfen, ob eine DDS auch bei einer sehr fortgeschrittenen Atemfunktionsstörung zu Verbesserungen führen kann.
 
Wie kann ich erfahren, ob ich für DDS geeignet bin?
Das hauptsächliche Kriterium für eine Eignung ist momentan die forcierte Vitalkapazität im Sitzen und Liegen (VK). Der höchste Nutzen einer DDS ist bei ALS-Patienten zu erwarten, die bereits eine Annahme der VK aufweisen (beginnende Beeinträchtigung der Atemmuskulatur), jedoch noch eine ausreichende Atemkapazität zeigen (VK > 70 %). Diese Messung ist meist bei einem Facharzt für Innere Medizin möglich. In der Zukunft werden wahrscheinlich andere spezialisierte Messparameter eingesetzt, um die Eignung für eine DDS besser abschätzen zu können (z. B. Ermittlung der „Hustenkraft“ als Maß für die Zwerchfellkraft). Gegenwärtig gilt die VK als eine etablierte Messmethode, obwohl die Aussagekraft Einschränkungen hat.
 
Wie kann ich mein Interesse für eine DDS äußern?
ALS-Patienten, die grundsätzlich eine DDS in Erwägung ziehen, können ihre Unterlagen an unsere ALS-Ambulanz versenden. Dabei sind die folgenden Informationen von Wichtigkeit:
Personalangaben einschließlich Name, Adresse, Geburtsdatum, telefonische Erreichbarkeit (mit Mobilnummer) sowie vorhandene Arztbriefe in Kopie. Dabei ist nicht erforderlich, alle ärztlichen Unterlagen beizubringen. Relevant ist ein Arztbrief einer stationären Diagnostik in einem Krankenhaus, in der die Diagnose einer ALS formuliert wurde. Weiterhin ist eine aktuelle Messung der forcierten Vitalkapazität (FVC) im Sitzen und Liegen von größter Bedeutung. Zusätzlich ist eine kurze Beschreibung des gegenwärtigen Gesundheitszustandes in den Bereichen Sprechen, Schlucken und Mobilität von Interesse. Diese Unterlagen sind auf dem Postweg an unsere übliche Ambulanzadresse zu versenden:
Charité-Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Neurologische Poliklinik
Herrn Prof. Dr. Thomas Meyer
ALS-Ambulanz
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
 
Wie hoch ist die Aussicht, eine DDS zu erhalten?
Seitens der ALS-Ambulanz streben wir die Operation mehrerer ALS-Patienten im Jahr 2008 an. Die Hauptlimitation liegt in der Kostenfrage der DDS, die bisher noch nicht abschließend geklärt ist. Seit Ende 2007 finden die Budgetverhandlungen der Charité mit Vertretern der Krankenkassen statt. Beantragt wird das Budget für die Operation von 20 Patienten an der Charité im Jahr 2008. Die Zahl ist zunächst begrenzt, da die Kosten pro DDS einschließlich stationärer Behandlung, Operation und Stimulationsgerät gegenwärtig 37.000 Euro betragen. Aufgrund dieser signifikanten Kosten ist erklärbar, dass die DDS eine eigenständige Verhandlungsgröße in den Budgetvereinbarungen darstellt. In den nächsten Jahren ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Bewilligungen ansteigen wird. In einer Übergangsphase ist weiterhin denkbar, dass individuelle Finanzierungsmodelle entstehen.
 

Benefizkonzert zugunsten der Immendorff-Initiative am 19.01.2008

Bernd Haake und Band gaben in Erinnerung an Carlo Hölscher am 19.01.2008 in Waltrop ein Benefizkonzert. Bernd Haake und Band gehören zu den populärsten Blues Bands in Deutschland. Sie wurden mit dem aktuellen Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Der Eintritt zu diesem Konzert war frei. Anstelle eines festen Eintrittspreises wurde um Spenden zugunsten der Immendorff-Initiative an der Charité gebeten. Das Benefizkonzert wurde ebenfalls durch die Veranstaltungsfirma „ On the Rock“ aus Waltrop unterstützt.


Auszeichnung für ALS-Dokumentarfilm
„Wie Handschuhe voll Sand. Leben mit der Nervenkrankheit ALS“

Der Dokumentarfilm von Reinhild Dettmer-Finke wurde beim 8. Internationalen Filmfestival in Ungarn mit den „Großen Preis“ ausgezeichnet. Für den Wettbewerb waren 112 Beiträge von Filmemachern aus 15 Ländern eingereicht. Die Freiburger Filmemacherin porträtiert Menschen, die mit der ALS leben und unterschiedliche Wege des Umgangs mit der Erkrankung gefunden haben. „Der Preis ist ein Zeichen für die gelungene filmische Umsetzung des schwierigen Tabuthemas der ALS und eine Anerkennung für die Leistung des gesamten Teams, die diese Umsetzung eines wenig quotenträchtigen Themas erst ermöglicht hat“ (Reinhild Dettmer-Finke). Es handelt sich um ein 75-minütigem Dokumentarfilm der von Tagtraum für WDR-Arte produziert wurde. Die ALS-Ambulanz der Charité war durch das Porträt einer ALS-Patientin beteiligt, die an einer Medikamentenstudie unserer Ambulanz teilgenommen hatte.


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