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Aktuelle Nachrichten des Jahres 2011

Hier finden Sie die Sammlung der aktuellen Nachrichten diesen Jahres zum Thema Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Diese Mitteilungen werden von der ALS-Ambulanz der Charité herausgegeben.

Ältere Nachrichten finden Sie hier

 
 
Nachrichten 2011
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Dezember 2011


Internationaler ALS-Kongress in Sydney

Der internationale ALS-Kongress 2011 fand vom 30.11.- 03.12.2011 in Sydney (Australien) statt. Das bestimmende Thema der gesamten Tagung waren die neuen genetischen Befunde bei der familiären ALS. Im Zentrum der Diskussion stand die Erstbeschreibung von Mutationen im C9ORF72-Gen (unsere Nachrichten 10-2011). C9ORF72 scheint eine größere Rolle für die familiäre, aber auch in Teilen für die nicht-erbliche ALS zu spielen, als noch vor 2 Monaten vermutet. Ein internationales Konsortium aus Großbritannien, Finnland und den USA konnte zeigen, dass bis zu 40 % aller ALS-Patienten mit einer familiären Erkrankungsform Mutationen im C9ORF72-Gen tragen. Das Konsortium wird von Brian Traynor geleitet, der am National Institute for Aging in Baltimore (USA)tätig ist. In einem Expertenvortrag legte er die aktuellen Befunde dar, die in der Zeitschrift „Neuron“ am 20.10.2011 publiziert wurden. Das C9ORF72-Gen verschlüsselt die Information über ein bisher unbekanntes Eiweiß (Protein), das beim Menschen eine reguläre und wichtige Funktion im zentralen Nervensystem auszuüben scheint. In einem regulatorischen Bereich dieses Gens (Anm.: intronische Sequenzen) befindet sich eine Wiederholungssequenz (wiss.: Hexanuleotid-Repeat), die in der Normalbevölkerung eine Länge von 2-24 Einheiten aufweist. Bei Patienten mit ALS zeigen sich mehrere hunderte bis tausende von Wiederholungen, die wahrscheinlich keinendirekten Einfluss auf das C9ORF72-Eiweiß ausüben, sondern vielmehr eine toxische Funktion haben. Es ist davon auszugehen, dass die pathologische Anreicherung von regulatorischen Bereichen im Erbmateriale negative Effekte in der Eiweißproduktion von Nervenzellen hat (Anmerkung für wissenschaftliche Leser: Die Anreicherung einer intronischen Repeate-Expansion führt zu veränderten und expandierten Pre-mRNA und Generation von RNA-Spezies, die in der Zelle akkumulieren). Die Identifizierung von pathologischen Veränderungen im C9ORF72-Gen ist einerseits ein großer Fortschritt, andererseits deutet sich ein komplexer Krankheitsmechanismus an. Die negativen Effekte der C9ORF72-Mutation sind höchstwahrscheinlich nicht am Ort der Veränderung selbst, sondern an einem bis jetzt unbekannten Wirkort innerhalb der Nervenzelle. Der Befund ist dennoch hoch zu bewerten, da die Mutation sehr hoch ist und damit ein wesentlicher Teil der familiären ALS, von der genetischen Zuordnung als aufgeklärt gilt (bis mit bis zu 40 % aller familiären ALS-Patienten). Die britische Neurologin Pamela Shaw beschreibt die C9ORF72-Mutation bei 50 % der familiären ALS-Patienten, aber auch bei 7 % der sogenannten sporadischen ALS. Pathologische Daten zeigen, dass Patienten mit C9ORF72-Mutationenen auch Akkumulationen des ALS-typischen TDP-43-Proteins aufweisen. Eine Hypothese besteht darin, dass verschiedene Mutationen, so auch von C9ORF72, zu einer schädlichen Anreicherung des Proteins TDP-43 in motorischen Nervenzellen und zu einer Degeneration der Nervenzellen führen. Eine mögliche Therapiestrategie bei Patienten mit einer familiären ALS und Mutationen im C9ORF72-Gen könnte längerfristig darin bestehen, Gensequenzen mit pathologischen Wiederholungseinheiten zu blockieren und die Bildung von schädlichem Zellmaterial zu verhindern (wiss.: Anti-Sense-Strategie gegenüber expandierten Pre-mRNA-Sequenzen). In den nächsten Monaten sind die genetischen Daten aus Deutschland zu erwarten. Die ALS-Centren in Berlin, Bochum und Ulm haben eine gemeinsame genetische Datenbank gegründet, die am Universitätsklinikum Ulm administriert und bearbeitet wird. Zusätzlich werden die anonymisierten Daten in den laufenden europäischen Kooperationsprojekten ausgewertet. Die Bedeutung von C9ORF72 für die genetische „Routinediagnostik“ ist noch nicht sicher abzuschätzen. Derzeit steht eine Untersuchung dieses Gens nur in wissenschaftlichen Zusammenhängen zur Verfügung. Anfragen für eine Untersuchung des C9ORF72-Gens können daher bis auf Weiteres weder für Patienten mit einer familiären ALS, noch für Betroffene mit einer „sporadischen ALS“ positiv beantwortet werden. Es ist davon auszugehen, dass in einem weiteren Entwicklungsprozess und in Abhängigkeit von der humangenetischen Bedeutung des C9ORF72-Gens eine Diagnostik des Gens an Humangenetischen Instituten entwickelt und standardisiert wird. Die Bedeutung der humangenetischen Diagnostik wird auch C9ORF72-Gen aufgrund der begrenzten Therapieoptionen zunächst auf spezielle humangenetische Fragestellungen der prädiktiven Diagnostik beschränkt sein.

Neben den dominierenden genetischen Themen wurden über 3 Tage in zwei parallelen Sitzungen zahlreiche Forschungsergebnisse zu grundlagenwissenschaftlichen Themen und der klinischen Forschung vorgestellt. Von der Charité hat André Maier die Ergebnisse der Internetstudie über das Portal ALSHome.de vorgestellt, die den Weg in ein Online-Monitoring von klinischen Studien bahnen. In der bisherigen klinischen Praxis von Therapiestudien sind wiederholte Telefonvisiten notwendig, die logistisch aufwendig und mit hohen Kosten verbunden sind. Weiterhin sind Telefonkontakte für Patienten mit Sprechstörung ungeeignet. Aufgrund dieser Konstellationwurden am ALS-Zentrum in Berlin seit 2008 Studien durchgeführt, um Internetanwendungen zur Optimierung von Medikamentenstudien zu entwickeln. Auf dem Kongress konnte berichtet werden, dass eine Erfassung von verschiedenen studienrelevanten Parametern über das Internet gleichwertig zur Telefonvisite erfassbar sind und damit zukünftig klinische Studien in vereinfachter und effektiver Weise realisiert werden können.

Phase 1-Studie mit Nogo-A-Antikörper erfolgreich

Auf dem Internationalen ALS-Kongress in Sydney wurden am 02.12.2011 die Studienergebnisse der Verträglichkeitsuntersuchung eines innovativen Medikamentes des forschenden Arzneimittelunternehmens GlaxoSmithKline (GSK) vorgestellt. Das Medikament beinhaltet einen Nogo-A-Antikörper, der an den peripheren Nervenendigungenansetzt und die beinträchtigte Verbindung zwischen Nerven-und Muskelgewebe im ALS-Verlauf positiv beeinflussen soll. Die Behandlungsstrategie beruht auf der Erkenntnis, dass bei der ALS das Eiweiß Nogo-A in überschüssiger Form vorliegt und die erwünschte Sprossung von Nervenendigungen zur Muskulatur hemmt. Der Nogo-A-Antikörper zielt darauf ab, das Nogo-A-Protein bei ALS-Patienten „einzufangen“ und seine negativen Effekte zu blockieren. Prof. Pradat vom ALS-Zentrum in Paris stellte die Daten von 79 ALS-Patienten dar, die erstmalig mit dem GSK-Medikament behandelt wurden. Das Medikament wurde erstmalig beim Menschen eingesetzt (FTIH-Studie „First Time in Human“). Es handelt sich um eine intravenöse Infusionstherapie, die in steigender Dosierung durchgeführt wurde. Es zeigte sich eine sehr gute Verträglichkeit, auch in der maximalen Dosierung. Schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden nicht nachgewiesen. Mit allen Einschränkungen der begrenzten Patientenzahl bestand ein Trend für eine Verlangsamung der Erkrankung während der Behandlung. Zu betonten ist, dass damit noch keine Aussage über die Wirksamkeit des Medikamentes getroffen werden kann. Das therapeutische Potential wird erst in einer Wirksamkeitsstudie getestet, die ab Mitte 2012 realistisch ist. Die Charité ist zusammen mit den ALS-Zentren in London, Paris und Boston an der Erarbeitung des Studienprotokolls beteiligt. Die Studie befindet sich noch in der frühen Vorbereitungsphase, so dass eine Registrierung für die Studie durch Patienten noch nicht möglich ist. Fragen zu Studien sind zu richten an: thomas.meyer@charite.de.

MitoTarget-Studie abgebrochen: Medikament nicht wirksam

In einer Telefonkonferenz aller beteiligten Studien-Centren und einer anschließenden Presserklärung wurde die Beendigung der laufenden MitoTarget-Studie bekannt gegeben. Die Auswertung der Studiendaten hat leider keinen positiven Effekt des Medikamentes auf die Progressionsrate, das Überleben oder einzelne Symptome bei der ALS erbracht. Die Studie wurde vom französischen Arzneimittelunternehmen Trophos SA initiiert und aus Mitteln des EU-Forschungsprogramms finanziert.  Die Studie wurde an verschiedenen europäischen Studien-Centren (darunter die ALS-Zentren in Berlin, Bochum, Halle, Hannover und Ulm). An der Charité wurden 35 ALS-Patienten innerhalb der placebo-kontrollierten Studie behandelt. Wir danken den Patienten, den unterstützenden Angehörigen und allen beteiligten Menschen für die Anstrengungen und Aufwendungen im Zusammenhang mit dieser klinischen Prüfung. Die Datenauswertung zeigt keine negativen Effekte des getesteten Medikamentes im Vergleich zu Placebo, so dass davon auszugehen ist, dass durch die Studie kein gesundheitlicher Schaden für die Studienteilnehmer entstanden ist. Fragen zu dieser Studie sind zu richten an: thomas.meyer@charite.de.

 


November 2011


Ideenwettbewerb auf dem Internetforum der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM)

Auf den Internetseiten der DGM wurde eine „Ideenschmiede“ gestartet. Es handelt sich um einen Ideewettbewerb zur Lösung praktischer Probleme bei der Versorgung von ALS-Patienten. Die Thematik ist nicht eingeschränkt. Die Philosophie des Ideenwettbewerbs besteht darin, dass aufgrund der eigenen Betroffenheit, Patienten und Angehörige im Krankheitsverlauf einen reichen Erfahrungsschatz und umfangreiches Wissen zur ALS anreichern und sich zu „Experten“ entwickeln können. Dieser Erfahrungsschatz soll durch das Internetforum gehoben und der „Community“ zur Verfügung gestellt werden. Die Einbeziehung von Nutzern in Entwicklungsprozesse ist in anderenBereichen der Gesellschaft unter dem Begriff der „offenen Innovation“ (Open Innovation) bekannt. Mit dem Ideenwettbewerb auf dem Portal der DGM soll ein Versuch unternommen werden, die Prinzipien der offenen Innovation auf die ALS-Behandlung zu übertragen. Wir vermuten, dass wichtige Impulse für dieALS-Behandlung (z. B. Pflege, Hilfsmittelversorgung, Symptomkontrolle etc.) von Patienten oder anderen Beteiligten der ALS-Behandlung ausgehen. Das Konzeptwurde innerhalb eines Verbundvorhabens der Charité mit der DGM und dem Lehrstuhl für Wirtschaftinformatik der Universität Kassel entwickelt. Informatiker und Wissenschaftler der Universität Kassel haben die technische Basis für den Ideenwettbewerb der DGM bereitgestellt. Wir möchten interessiertePatienten, Angehörige und Freunde ermuntern, sich an dem Ideenwettbewerb zu beteiligen, www.dgm.org.
 

Innovationspreis für AmbulanzPartner.de

Zum dritten Mal wurde 2011 der Innovationspreis für wegweisende Entwicklungen in der Informationstechnologie (IT) vergeben, der gemeinsam von der Humboldt-Universität Berlin, der Freien Universität Berlin und dem Xinnovations e.V. ermittelt wird. In diesem Jahr wurde der Preis für E-Health-Innovationen an das Internetportal AmbulanzPartner.de verliehen. AmbulanzPartner ist eine Internetplattform, die in unserer Ambulanz in Kooperation mit einem IT-Unternehmen entwickelt wurde. Es handelt sich um die Unterstützung der HomeCare-Behandlung von ALS-Patienten und anderen Betroffenen komplexer Erkrankungen durch Koordinatorinnen, die ihre koordinative Arbeit in einer internetbasierten elektronischen Versorgungsakte dokumentieren und allen Akteuren der Versorgung zugänglich machen (Ärzte, Patienten und Angehörige, Therapeuten, Hilfsmittelversorger etc.). Durch die Verknüpfung aller Akteure der ALS-Behandlung wird die Versorgungsqualität und Transparenz der Behandlung erhöht. Durch die Auszeichnung mit dem „X-Award“ erfährt dieses innovative Behandlungskonzept eine öffentliche Würdigung. Die Bereitstellung von AmbulanzPartner.de für ALS-Patienten im gesamten Bundesgebiet wird durch eine Förderung der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte maßgeblich unterstützt.

 


Oktober 2011


Erste Zusammenkunft der Initiative „Hilfe für ALS- kranke Menschen" in Berlin

Am 5. Oktober kamen erstmalig der Beirat der Initiative „Hilfe für ALS-kranke Menschen“ in Berlin zusammen. Die Einladung erging von Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, an Mitglieder des Beirats, eines Kuratoriums sowie zahlreiche Gäste, die sich für eine bessere Behandlung und Erforschung der ALS engagieren möchten. Ausgangspunkt der Initiative ist die Betroffenheit von Matijas Đerek – einem leitenden Mitarbeiter der IT-Abteilung von RWE, der selbst an einer ALS erkrankt ist. Mitglieder des Beirates sind Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl (Vorstandsvorsitzender der Charité), Frau Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert (Lehrstuhl für medizinische Ethik und Mitglied des Nationalen Ethikrates), Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Jörg Hacker (Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften), Dr. Dr. h. c. Klaus Theo Schröder (Staatssekretär a.D. im Bundesministerium für Gesundheit), Detlef Prinz (Prinz-Mediengruppe) sowie Dr. Jürgen Großmann. In einer Pressekonferenz wurden die Medienvertreter über die Zielstellungen der ALS-Initiative informiert. Ein wichtiges Anliegen der Initiatoren ist eine Direktförderung von Betreuungs- und Forschungsstrukturen bei der ALS. Dabei wird nicht beabsichtigt, eine eigne Stiftung oder einen eingetragenen Verein zu gründen. Es handelt sich vielmehr um eine bürgerschaftliche Initiative, um Privatpersonen oder Stiftungen für ein Engagement für die Bekämpfung der ALS zu gewinnen. Dabei sollen die vorhandenen gemeinnützigen Strukturen der Charité und ihr Forschungspotential genutzt werden. Die weitere Schaffung einer zusätzlichen Verwaltungsstruktur mit entsprechenden Kosten und zeitlichen Verzögerungen wird von den Initiatoren nicht angestrebt. Beabsichtigt ist die Akquise von privaten Mitteln und Stiftungszuwendungen, um die hoch spezialisierte Versorgung von ALS-Patienten an der Charité zu erhalten und weiter zu entwickeln, Medikamentenstudien durchzuführen und längerfristig die Grundlagenforschung zu entwickeln. Durch den bestehenden ALS-Schwerpunkt am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und die Gründung eines Instituts des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Berlin sind sehr günstige Voraussetzungen dafür entstanden. Für eine Fokussierung auf die ALS- Forschung wird die Einrichtung einer ALS-Professur angestrebt. Dafür sind erhebliche Mittel erforderlich, deren Akquise noch ungesichert ist, aber durch die ALS- Initiative befördert werden soll. Über die Zielstellungen der Initiative „Hilfe für ALS- kranke Menschen“ wurde eine Pressekonferenz veranstaltet, über deren Ergebnisse auf Spiegel Online, im Tagesspiegel sowie in der Ärztezeitung berichtet wurde. Fragen zur ALS- Initiative werden gerne von Hanna Buhl beantwortet: kerstin-hanna.buhl@charite.de

Dexpramipexol-Nachfolgestudie auf 2012 verschoben

Das amerikanische Arzneimittelunternehmen Biogen führt derzeit eine globale Studie zur Wirksamkeit von Dexpramipexol bei der ALS durch (EMPOWER- Studie). Die Rekrutierung von ALS- Patienten wurde an allen internationalen Studienzentren, einschließlich der Charité bereits abgeschlossen. Das Unternehmen Biogen hatte eine Nachfolgestudie bereits für Oktober 2011 angekündigt (unsere Nachrichten vom September 2011). In einer aktuellen Stellungnahme von Biogen wird der Beginn der Nachfolgestudie auf Frühjahr 2012 verschoben. Hintergrund der zeitlichen Veränderung ist ein verändertes Studiendesign, sodass die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) formale Vorgaben gefordert hat, die in einem kürzeren Zeitraum nicht zu erreichen sind. In der Nachfolgestudie soll nunmehr eine erhöhte Dosierung von Dexpramipexol (600 mg statt 300 mg/ Tag) untersucht werden. Die Teilnahmebedingungen für die Dexpramipexol-Nachfolgestudie werden voraussichtlich unverändert bleiben (maximale Erkrankungsdauer seit Beginn von Schwächen oder einer Sprechstörung bis zur Studienteilnahme 24 Monate; Vitalkapazität mindestens 70%). Eine Studiendurchführung ist wahrscheinlich wieder an unserer ALS- Ambulanz in Berlin sowie den Spezialambulanzen in Bochum, Jena, Hannover und Ulm geplant.

C9ORF72 – neues Ursachengen der ALS

Nach der Entdeckung von Ubiquilin-2 im August 2011 wurde von einem internationalen Konsortium molekulargenetischer Wissenschaften ein weiteres Ursachengen für eine Unterform der ALS und frontotemporalen Demenz (FTD) identifiziert. Das Gen hat bisher keinen Eigennamen und trägt die Bezeichnung C9ORF72. Bei genetische Analysen von Patienten mit familiärer ALS und FTD wurden Mutationen in einer Wiederholungssequenz („Hexanukleotide“) entdeckt. Mutationen im C9ORF72-Gen sind nach ersten Ergebnissen für mehr als 10% aller Patienten mit eine familiären ALS verantwortlich. Noch ungeklärt ist, welche Bedeutung das C9ORF72-Gen für die „sporadische“ (nicht familiäre) ALS hat. Nach der Entdeckung der ALS-Gene SOD1, TDP-43 und Ubiquilin-2 verdichten sich mit dem Nachweis von C9ORF72- Mutationen die molekulargenetischen Informationen zur ALS. Der nächste obligatorische Schritt in der Ursachenforschung besteht darin, aus den Mutationen im Ubiquilin-2- und C9ORF72-Gen ein geeignetes genetisches Tiermodell zu entwickeln, das grundlagenwissenschaftliche Forschung und eine beschleunigte Medikamentenentwicklung gestattet. Der Vorteil eines Tiermodells besteht darin, dass Therapieansätze untersucht werden können, ohne ALS- Patienten in der frühen Phase von Therapieversuchen unklaren Risiken auszusetzen. 


 September  2011


EMPOWER-Studie vorzeitig mit der Rekrutierung beendet

Seit Juni 2011 wird in Deutschland die EMPOWER-Studie an den Centren in Berlin, Bochum, Hannover, Jena und Ulm durchgeführt. Daneben wurde die Studie in den USA bereits im Frühjahr 2011 gestartet. Am 01.09.2011 wurde die Rekrutierungsphase bereits mehrere Wochen vorzeitig beendet, da die globale Nachfrage zur Studienteilnahme erheblich war. Die EMPOWER-Studie wird damit wahrscheinlich in Rekordtempo realisiert. Hintergrund des starken Studieninteresses waren die Ergebnisse aus der Phase II-Studie mit Dexpramipexol, die einen leichten Trend einer Krankheitsverlangsamung erbracht haben. Dabei ist zu betonen, dass die Ergebnisse der Phase II-Studie keine statistische Belastbarkeit haben, da die Patientenanzahl zu gering war. In der aktuell laufenden Phase III-Studie (EMPOWER) war die Teilnahme von 804 Patienten geplant, die überraschender Weise vorzeitig erreicht wurde. Als Perspektive können wir unseren Patienten anbieten, an einer Nachfolgestudie mit Dexpramipexol teilzunehmen (siehe  nachfolgende Nachricht). Die EMPOWER-Studie wird mit einer Gesamtlaufzeit von 18 Monaten fortgeführt, so dass erste Ergebnisse erst Anfang 2013 zu erwarten sind. Bis zu diesen Zeitpunkt findet die Studie in einem randomisierten und Placebo-kontrollierten Design statt, so dass keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Präparates erhältlich sind. Dieses Vorgehen ist für die wissenschaftliche Qualität der Untersuchung unabdingbar und ein wichtiges Merkmal der evidenzbasierten Medizin, die bei dieser Studie zur Anwendung kommt.


Nachfolgestudie mit Dexpramipexol: ENDEAVOUR-Studie

Die erste Studie mit Dexpramipexol (EMPOWER-Studie) wurde ein Rekordtempo hinsichtlich der Rekrutierung abgeschlossen. Ab Oktober 2011 ist eine Nachfolgestudie der EMPOWER-Studie, die ebenfalls mit Dexpramipexol Studienbeginn ist wahrscheinlich Oktober 2011 mit einer globalen Rekrutierung. Die Anzahl der weltweit zugelassenen Studienteilnehmer beschränkt sich auf 464 ALS-Patienten. Die Anzahl der möglichen Studienteilnehmer in Deutschland ist noch unbekannt. Aus der  EMPOWER-Studie ist zu vermuten, dass etwa 20 % aller Patienten in Deutschland rekrutiert werden, so dass etwa 120 Patienten an der Studie teilnehmen können. Interesse an der Studienteilnahme kann bereits jetzt an der ALS-Ambulanz der Charité oder einem wohnortnahen Studien-Zentrum (Bochum, Hannover, Jena oder Ulm) mitgeteilt werden. Interessenten für eine Studienteilnahme in Berlin stehen die folgenden Kontaktpersonen zur Verfügung:

Dorit Straßenburg (Studienkoordinatorin)
Tel. 030.450 66 04 68,
E-Mail: dorit.strassenburg@charite.de oder

Prof. Dr. Thomas Meyer (Leiter des Studienzentrums),
Tel. 030.450.560132,
E-Mail: thomas.meyer@als-charite.de

 


August 2011


Ubiquilin 2 – großer Fortschritt, kein Durchbruch

Im August 2011 wurde an der Feinberg School of Medicine in Chicago (USA) ein weiteres Gen identifiziert, das für eine spezifische Form der ALS verantwortlich ist. Die Ergebnisse der langjährigen um die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Teepu Siddique wurden in der führenden Wissenschaftszeitschrift „Nature“ publiziert. Tatsächlich sind die Forschungsergebnisse von großer Bedeutung und stellen einen wesentlichen Fortschritt nach der Identifizierung der ersten ALS-Gene 1993 (SOD1) und 2008 (TDP-43) dar. Den Wissenschaftlern in Chicago ist es gelungen, in 5 Familien mit einer erblichen Verlaufsform der ALS (FALS) Mutationen im Ubiquilin 2-Gen (UBQLN2) als Ursache der ALS nachzuweisen. Der Gen-Nachweis wurde in einer sehr spezifischen ALS-Variante geführt: von 40 betroffenen Patienten in insgesamt 5 Familien wiesen 8 Patienten eine Kombination von ALS mit Demenz auf. Bei einem anderen Teil der Gen-Träger trat die ALS-Erkrankung bereits im frühen Jugendalter auf. Beide klinische Merkmale – die Entwicklung eine Demenz und der jugendliche Krankheitsbeginn sind von der typischen ALS unterschiedlich. Weiterhin waren ausschließlich männliche Patienten von dieser FALS betroffen. Die Bedeutung der Ubiquilin 2-Befunde geht jedoch über die Aufklärung der speziellen FALS-Variante hinaus, da das UBQLN2-Gen eine grundsätzliche Bedeutung für neurodegenerative Prozesse aufweisen kann. Bereits mehr als 30 Jahre ist bekannt, dass bei der ALS Ubiquitin-positive Einschlüsse in den motorischen Nervenzellen mikroskopisch nachweisbar sind „strähnenartige“ Einschlüsse (skein-like inclusions, engl.).

Ubiquitin ist ein bekanntes Eiweiß, das für den Abbau und Entsorgungsprozess von Eiweißen (Proteinen) in der menschlichen Zelle verantwortlich ist. Ubiquitin ist selbst ein Eiweiß, das sich an zu entsorgende Proteine anlagert und für die Entsorgungsmaschinerie der Körperzelle markiert. In einer gesunden Nervenzelle werden „verbrauchte“ Eiweiße durch Ubiquitin gebunden und vom Ubiquitin-Proteasom-System (UPS) abgebaut und in Einzelteilen aus der Zelle entfernt. Ubiquilin2 ist offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des UPS und für den Abtransport „Zellmüll“ verantwortlich. Mutationen im Ubiquilin2-Gen führen wahrscheinlich nach den Ergebnissen der „Nature“-Publikation zu einer Störung der UPS-Funktion und damit zu einer Anhäufung von „ Zellmüll“ in der motorischen Nervenzelle. Diese Hypothese wird dadurch unterstützt, das Ubiquilin2 bei bisher allen untersuchten ALS-Patienten in den charakteristischen „strähnenartigen Einschlüssen“ nachweisbar war. Aufgrund dieses Befundes ist anzunehmen, das Ubiquin2 über die seltene FALS hinausgehend eine grundsätzliche Bedeutung für neurodegenerative Prozesse bei der ALS haben wird. Einschränkend ist festzustellen, dass auch TDP-43 eine ähnliche Rolle zukommt. Auch dieses Protein ist in den „strähnenartigen Einschlüssen“ nachgewiesen worden, so dass auszuschließen ist, das Ubiquilin 2 die „einzige“ Ursache der ALS darstellt. Weltweit werden (auch an Blutproben von ALS-Patienten unserer Ambulanz) Untersuchungen durchgeführt, die keine FALS, sondern eine klassische nicht-erbliche Form der Erkrankung aufweisen. Diese Untersuchung wird weiteren Aufschluss darüber liefern, inwieweit Ubiquilin2 eine generelle Bedeutung für die ALS aufweist. Mit diesem Wissen wird ein transgenes Mausmodell der ALS produziert, das die experimentelle Entwicklung und Testung von neuartigen Medikamenten ermöglicht, die im fehlerhaften Ubiquilin-vermittelten Entsorgungsprozess der menschlichen Nervenzelle eingreifen. An dieser Stelle müssen die berechtigten, aber medial-überzogenen Erwartungen relativiert werden. Die populationsgenetischen Untersuchungen des Ubiquitin2-Gens bei der typischen (nicht-erblichen) ALS und die Entwicklung eines Tiermodells wird mehrere Monate und unter Umständen wenige Jahre in Anspruch nehmen. Erst nach Etablierung des Tiermodells ist erfahrungsgemäß eine Prognosebestimmung für den Entwicklungsaufwand von Medikamenten möglich, der gemeinhin mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Trotz dieser zu erwartenden Zeitabläufe stellen die Forschungsergebnisse zu Ubiquilin einen wichtigen Fortschritt der ALS-Forschung dar.


AmbulanzPartner.de an der ALS-Ambulanz in Bochum

Nach der Charité nimmt seit August 2011 auch die ALS-Ambulanz an der Ruhr-Universität in Bochum am Versorgungskonzept “AmbulanzPartner” teil. AmbulanzPartner steht für eine verbesserte Koordinierung (Case-Management) für ALS-Betroffene bei einer komplexen Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln. Neben der Koordinierungsleistung wird ein Internetportal eingesetzt, das die Funktion einer „elektronischen Versorgungsakte“ übernimmt (www.ambulanzpartner.de). Dr. Torsten Grehl ist Projektleiter von AmbulanzPartner.de in Bochum und nutzt das Portal für seine eigenen Forschungsaktivitäten. Die mit Einverständnis der Patienten erhobenen Daten dienen der Versorgungsforschung, um Behandlungsformen und Medizinprodukte für ALS-Patienten zu verbessern und organisatorische Hindernisse im Gesundheitssystem zu überwinden. Medizinisch-wissenschaftliche Fragen zu diesem Projekt beantwortet torsten.grehl@rub.de, während Versorgungsanfragen direkt an die Koordinatorin barbara.hildebrandt@ambulanzpartner.de. zu richten sind.

Weitere Informationen finden Sie auf www.ambulanzpartner.de

 
„Emotionsstudie“ an der ALS-Ambulanz der Charité

Ab Oktober 2011 ist eine wissenschaftliche Untersuchung zu emotionalen Prozessen bei der ALS geplant. Die Untersuchung soll mehrere Fragen zu emotionalen Verarbeitungsprozessen bei der ALS an sich und im Vergleich zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen beantworten. Der wissenschaftliche Hintergrund der Studie besteht darin, dass bisher emotionale Prozesse bei neurodegenerativen Erkrankungen einschließlich der ALS wenig untersucht sind und zugleich für die Lebensqualität der Betroffenen von erheblicher Bedeutung  sind. Durch eine recht einfache und nicht invasive Methode sollen die „emotionale Aufmerksamkeit“ und das „emotionale Gedächtnis“ untersucht werden. Bisher ist unklar, ob und in welchem Ausmaß emotionale Defizite bei der ALS nachweisbar sind. Dabei zielt die Untersuchung auf neurobiologische Prozesse und nicht in erster Linie auf die konkreten biographischen Belastungen, die sich aus der ALS-Erkrankung ergeben. Die wissenschaftliche Fragestellung besteht vielmehr darin, ob neben den vordergründigen motorischen Defiziten auch andere Bereiche des Nervensystems beteiligt sind und eine bisher unterschätzte Belastung für ALS-Betroffene darstellen. Ein belastendes Symptom der ALS kann das pathologische Lachen oder Weinen sein, das bei einer Untergruppe der ALS nachweisbar und behandlungsbedürftig ist. Diese Patientengruppe deutet darauf hin, dass emotionale Prozesse bei der ALS von Bedeutung sind, obgleich sie nicht in die Kategorie motorischer Symptome fallen.

Möglicherweise lassen sich auch bei Patienten ohne eine offensichtliche „Affektlabilität“ (pathologisches Lachen/Weinen) Schwierigkeiten der Emotionsverarbeitung nachweisen. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten zu verbesserten Behandlungsformen, z. B. durch moderne emotionsstabilisierende Medikamente führen. Die geplante Untersuchung ist ein erster Schritt, um eine Bestandsaufnahme in dieser Fragestellung zu unternehmen. Innerhalb dieser ersten Untersuchung kommen keine Medikamente oder andere Interventionen zum Einsatz. Es handelt sich um eine „Fragebogen-Studie“ die von einer Neuropsychologin durchgeführt wird. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht ein Testverfahren, in dem Ihnen als Patient 54 Fotos mit neutralen Inhalten (Möbel, Haushaltsgegenstände, Landschaften, Gesichter ) oder mit emotionalen Inhalten (lachende Gesichter, Erotika, Unfälle, gefährliche Tiere etc.) auf einem Computerbildschirm dargeboten werden. Die Fotos sind Bestandteil einer neuropsychologisch definierten Bildbibliothek, die zur experimentellen Untersuchung emotionaler Prozesse eigens konzipiert und veröffentlicht wurde. Nach der Präsentation des Bildes werden Sie aufgefordert, mittels einer Skala die Fotos emotional zu bewerten (angenehm, neutral, unangenehm), es folgt eine Pause von ca. 10 Minuten. Im Anschluss daran werden die zuvor präsentierten 54 Fotos und 54 neue Fotos in zufälliger Reihenfolge dargeboten. Ihre Aufgabe besteht darin, diejenigen Fotos zu benennen, die Sie im ersten Teil des Experimentes bereits gesehen haben. Die Auswahl treffen Sie durch zwei einfach zu bedienende Schalter mit den Kategorien „schon mal gesehen“ und „vorher noch nicht gesehen“. Durch diesen sehr einfachen Test kann erkannt werden, ob ALS-Patienten eine bessere Erinnerungsfähigkeit an Fotos mit bestimmten Emotionsinhalten aufweisen und generelle Veränderungen im emotionalen Verarbeitungsprozess bestehen. Die Untersuchung wird im Anschluss an eine reguläre Visite in unserer Ambulanz stattfinden. Sie müssten eine zusätzliche Zeit von 2 Stunden einplanen. Selbstverständlich könnte eine Ruhephase zwischen der ALS-Visite und der neuropsychologischen Untersuchung eingerichtet werden. Der Test findet in einem separaten Raum unter Ausschluss des sonstigen Ambulanzbetriebes statt. Die Ergebnisse dieser Studie werden in verschlüsselter Weise erfasst und nach den Vorgaben eines medizinisch-wissenschaftlichen Studienprotokolls und eines vorliegenden Ethikvotums vertraulich behandelt. Studienleiter ist Dr. Thomas D. Hälbig, Facharzt für Neurologie und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Neuropsychiatrie an der Charité. Fragen zur geplanten Studie und Wünsche zur Studienteilnahme sind zu richten an: thomas.meyer@charite.de.

 


Juli 2011


„Hilfe für ALS-kranke Menschen – Initiative Matijas Derek“ an der Charité gegründet

An der ALS-Ambulanz der Charité wurde ein Projekt mit dem Titel „Hilfe für ALS-kranke Menschen – Initiative Matijas Derek“ ins Leben gerufen. Matijas Derek ist an ALS erkrankt, und hat sich in prominenter Weise dem Kampf gegen die ALS verschrieben (www.leben-mit-als.de). Er setzt sich dafür ein, dass durch Forschung und Entwicklung die ALS-Erkrankung zu besiegen ist. Mit dieser Intention suchte Herr Derek den direkten Kontakt zur Führung seines Arbeitgebers: Dr. Jürgen Großmann – Vorstand der RWE AG. Durch verschiedene Sozialmaßnahmen innerhalb der RWE konnte die soziale Versorgung von Herrn Derek verbessert werden. Zum Thema der Therapieforschung und Optimierung der Patientenversorgung nahm Dr. Großmann den Kontakt mit unserer ALS-Ambulanz an der Charité auf. Durch Initiative von Herrn Derek und Dr. Großmann wurde ein Arbeitskreis gebildet, der kurz- bis mittelfristige Förderstrategien für die Erforschung und Behandlung der ALS exploriert.

Ein erster Beschluss war die Entwicklung eines Hilfeprogramms, um eine rasche und zugleich strukturierte Unterstützung von ALS-Betroffenen zu vermitteln. Zu diesem Zweck hat die ALS-Ambulanz der Charité einen Antrag bei der „Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte“ gestellt, die sich für Themen der Gesundheitsfürsorge und Medizin einsetzt. Das Projekt umfasst die Gründung eines „Call-Centers“ für Menschen mit ALS, das den Betroffenen und ihren Angehörigen eine Unterstützung im Hilfsmittel- und Sozialmanagement geben wird.

Das Projekt ist nach Matijas Derek benannt, da er durch seinen unermüdlichen Willen Entscheidungsträger in Wirtschaft, Medien und Politik auf die ALS-Problematik aufmerksam machte. Das Vorhaben beinhaltet (neben dem Call-Center) die Weiterentwicklung und Bereitstellung einer Web-Unterstützung für ALS-Betroffene durch das Internetportal AmbulanzPartner.de. Das Portal war im März 2011 zunächst für ALS-Patienten an der Charité in Betrieb genommen worden. Die Bereitstellung für Patienten in ganz Deutschland erfordert eine technologische Weiterentwicklung und eine professionelle Dienstleistungsarchitektur. Matijas Derek ist bei RWE im Bereich der Informationstechnologie tätig, sodass er einen inhaltlichen Bezug zum ALS-Internetprojekt hat. Er stellt seinen Namen für die "Schirmherrschaft" des Vorhabens zur Verfügung, das als "Matijas-Derek-Initiative" kommuniziert wird. Am 12.07.2011 hat die „Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte“ einen umfangreichen Projektplan der Charité zur Entwicklung eines Web-unterstützten Hilfeprogramms für ALS-Betroffene angenommen. Die Förderung wird noch im Juli 2011 beginnen und insgesamt 3 Jahre umfassen. Sie umfasst die personelle Besetzung eines Call-Centers und Entwicklungsarbeiten rund um das Internetportal AmbulanzPartner.de. Weitere Informationen erhalten Sie über: thomas.meyer@charite.de.

 

Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) stärkt ALS-Forschung an der Charité

Der Senat des DZNE in Bonn hat die Charité in Verbund mit weiteren Forschungseinrichtungen an der Charité als neuen Standort ernannt. Mit der Einrichtung des DZNE an der Charité richtet des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einen wichtigen Standort für Gesundheitsforschung an der Charité ein. Im Fokus des interdisziplinären Netzwerkes steht die Erforschung von Ursachen sowie Therapieansätzen bei neurodegenerativen Erkrankungen mit Schwerpunkt der Alzheimer- und Parkinsonerkrankung. Als dritter Schwerpunkt wird explizit die ALS benannt. Im Vordergrund des Charité-Antrages stand ein Konzept der translationalen Forschung: die Übersetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung. Die Entscheidung des DZNE beinhaltet eine große Chance, die ALS-Grundlagenforschung an der Charité nachhaltig zu stärken und mit einer neuen Qualität zu versehen.

In dieser neuen Struktur entsteht die Chance, laufende und zukünftige klinische Forschungsprojekte an der ALS-Ambulanz der Charité mit neurobiologischer Grundlagenforschung zu verknüpfen. Nach der Grundsatzentscheidung des DZNE-Senats folgt eine Planungs- und Konkretisierungsphase, über deren Ergebnisse wir berichten werden. 
Fragen sind zu richten an: thomas.meyer@charite.de.

 

EMPOWER-Studie hat begonnen

Die EMPOWER-Studie mit Dexpramipexol wurde in Deutschland planmäßig gestartet. Seit Beginn Juli 2011 wurde die Studie in unserer Ambulanz gestartet und steht für interessierteALS-Patienten offen. Weltweit werden 804 ALS-Patienten teilnehmen. Aufgrund der hohen Nachfrage ist damit zu rechnen, dass die Rekrutierungsphase bereits vorzeitig abgeschlossen wird. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir allen Patienten mit einem Interesse an der Studienteilnahme eine sofortige Kontaktaufnahme mit unserer Ambulanz. Ansprechpartner sind die Prüfärztin (teresa.holm@charite.de) und die Studienkoordinatorin (dorit.strassenburg@charite.de). In der Rubrik „Therapiestudien“ dieser Internetseite werden die Ein- und Ausschlusskriterien für die Studienteilnahme beschrieben. Kritische Punkte sind die Erkrankungsdauer (max. 24 Monate seit Beginn von Muskelschwäche) und eine ausreichende Atemfunktion in einer Lungenfunktionsprüfung (SVC > 70%). Bei einer möglichen Eignung laden wir Sie ein, an einer Screening-Visite teilzunehmen, in der die Erfüllung der Studieneintrittskriterien untersucht und geprüft werden.


Juni 2011


ALS-Forschung im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Mit Spannung wird dieEntscheidung des DZNE-Senats zur Vergabe eines neuen Standortes der Forschungseinrichtung am 22.06.2011 erwartet. Die Ministerin des Bundesministeriumsfür Bildung und Forschung (BMBF), Annette Schavan, hatte anlässlich einer „Kleinen Anfrage“ der SPD-Bundestagsfraktioneine stärkere Förderung der ALS-Forschung in Aussicht gestellt. Das DZNE wurde im Jahr 2009 als ein Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentrengegründet und an verschiedenen Forschungsstandorten in Deutschland etabliert. Bisher war dieALS-Forschung in den Strukturen des  DZNE nicht vertreten. Die „Initiative Therapieforschung ALS“ und die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) sind um eine angemessene Vertretung der ALS-Forschungsthemen im DZNE besorgt. Unter der Internetseite www.stop-als.de fordern die Patientenorganisationen den DZNE-Senat auf, einen Standort zu benennen, an dem ALS-Forschung klinisch und wissenschaftlich vertreten ist. Die Charité gehört zu den aussichtsreichen Kandidaten im Bewerbungsprozess der DZNE-Standortvergabe. Erst nach einer Grundsatzentscheidung des DZNE-Senats in der Standortfrage wird in einem zweiten Schritt die wissenschaftspolitischeAusrichtung der Forschungsaktivitäten konkretisiert. Mit der Konkretisierung wird festgelegt, in welchem Umfang Finanzmittel und Strukturen für die ALS-Forschung bereitgestellt werden. Die „Initiative Therapieforschung ALS“ trägt dazu bei, die Interessen der ALS-Betroffenen in der forschungspolitischen Landschaft zu vertreten und Einrichtungen mit einem ALS-Schwerpunkt auf diesem Weg zu stärken.

 

EMPOWER-Studie: update

Die EMPOWER-Studie mit Dexpramipexol hat in den US-amerikanischen Zentren bereits begonnen und befindet sich in Deutschland in einer unmittelbaren Vorbereitungsphase. Limitierende Faktoren sind derzeit die Vertragsabschlüsse zwischen Biogen und den teilnehmenden Universitätskliniken. Weiterhin müssen die Ethikkommissionen der Bundesländer zustimmen. In Berlin ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales zuständig. Erst nach Abschluss der formalen Genehmigung können die Patienteninformationen an interessierte ALS-Patienten versendet werden. Nach de derzeitigen Planung ist mit einem Studienbeginn Ende Juli 2011 bis August 2011 zu rechnen. Trotz der bereits laufenden amerikanischen Studie ist ein bestimmtes „Kontingent“ für die europäischen ALS-Patienten vorbehalten,  so dass sich aus dem unterschiedlichen Studienstart keine Nachteile hinsichtlich der Teilnehmerzahlen für die europäischen Patienten ergeben.

 

AmbulanzPartner.de: update

Mit Stand 01.06.2011 sind 540 ALS-Patienten auf dem Portal Ambulanzpartner.de aktiv. Mehr als 900 Hilfsmittel werden über diese Internetplattform koordiniert. Damit ist einerfolgreicher Start von AmbulanzPartner.de gelungen. Es ist das weltweit erste Internetangebot, daseinen gemeinsamen Zugang von Betroffenen, Angehörigen, Versorgern und Ärzten auf eine elektronische Gesundheits- und Versorgungsakte erlaubt. In der bisherigen Statistik treten 10-15 ALS-Patienten pro Woche dem Portal bei. Die Anzahl der koordinierten Hilfsmittel ist von ursprünglich 1,2 Hilfsmitteln pro Patient (3-2011) auf 1,8 Hilfsmittel pro Patient (Stand 6-2011) gestiegen. Diese Zahlen zeigen, dass AmbulanzPartner.de zunehmend für die praktischenBelange der Hilfsmittelunterstützung genutzt wird. Die Zahl der Nutzer vonAmbulanzpartner.de (540) hält bereits jetzt einen Vergleich mit dem weltweit bekanntestem Internetportal patientslikeme.com stand, auf dem 4400 ALS-Patienten seit dem Jahr 2006 registriert wurden. Fragen zu Ambulanzpartner.de beantwortet gerne: kathrin.hofer-zielke@ambulanzpartner.de.

 

Stern-Artikel über ALS-Betroffene

In der Ausgabe Nr. 23 des Stern-Magazins vom 01.06.2011 wurde die ALS-Problematik und ein Leben mit ALS einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. In einem Artikel von Nicole Heißmann werden zwei ALS-Betroffene (Angela Jansen und Werner Schmitz) porträtiert und ihr Lebensentwurf mit der ALS-Erkrankung beschrieben. In dem Artikel mit dem Titel „Die Welt nie aus dem Blick verlieren“ stehen die Chancen der neuen Medien und augengesteuerter Kommunikationssysteme im Blickpunkt. Die Autorin skizziert, wie es beiden ALS-Patienten gelungen ist, trotz der motorischen Einschränkungen eine hohe Autonomie im täglichen Leben zu bewahren.

 


Mai 2011


Stammzellbehandlung am XCell-Center gestoppt 

Nach einem Bericht des Deutschen Ärzteblattes vom 27.05.2011 wurden dem XCell-Center in Düsseldorf alle Therapien untersagt. Die Entscheidung fiel durch die Bezirksregierung in Köln in Absprache mit dem NRW-Gesundheitsministerium und dem Paul-Ehrlich-Institut. Das XCell-Center hatte in der Vergangenheit ALS-Patienten und andere Betroffene schwerster Erkrankungen mit körpereigenen Stammzellen behandelt. Fachgesellschaften einschließlich der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hatten aufgrund der unbekannten Risikosituationen vor der Behandlungspraxis am XCell-Centergewarnt und von einer dortigen Therapie abgeraten. Im August 2010 war bekannt geworden, dass ein junger Patient an den Komplikationsfolgen der Stammzellinjektion verstorben ist. Im konkreten Fall des verstorbenen Patienten wurde die Stammzellinjektion in den Nervenwasserraum (Ventrikel) innerhalb des Gehirns injiziert. In der Folge entstand eine Gehirnblutung mit einem tödlichen Ausgang. Mit der Schließung des XCell-Centers in Düsseldorf wird nach Peking ein weiteres Behandlungszentrum mit Stammzell-Technologien geschlossen, da inakzeptable Risiken einer Therapie entstanden sind, deren medizinischer Nutzen bisher unklar ist. Nach der heutigen Datenlage konnten durch bisherige Stammzell-Anwendungen keine nachhaltigen klinischen Effekte erzielt werden.Stammzell-Behandlungen sind ausschließlich in einem experimentellen und studienbasierten Rahmen sinnvoll.

 


 April 2011


Biogen-Studie: update

Am 28.04.2011 fand in Amsterdam das Prüfarzttreffen aller teilnehmenden ALS-Zentren aus Europa und Australien statt. Dabei wurde das Studienprotokoll in seiner abschließenden Form vorgestellt. Nach dem abschließenden Studienprotokoll ergeben sich zwei wichtige Veränderungen: die maximale Krankheitsdauer darf 24 Monate betragen. Als Studienbeginn wird der dokumentierte Beginn einer Schwäche einer Extremität oder der Beginn einer Sprech- oder Schluckstörung herangezogen. Mit diesem Einschlusskriterium möchten der Sponsor der klinischen Studie sowie die zuständigen Behörden sicherstellen, dass vor allem ALS-Patienten im frühen Krankheitsverlauf eingeschlossen werden. Eine weitere Konkretisierung betrifft die Atemkapazität, die eine Verminderung der Vitalkapazität auf 65 % erlaubt. In der Mehrheit der sonstigen ALS-Studien wird ein Einschlusskriterium von 70 % der Vitalkapazität vorgegeben. Auch die Behandlung mit einer Maskenbeatmung ist kein prinzipielles Ausschlusskriterium, sofern die Atemkapazität über 65 % liegt. Auch die Versorgung mit einer Ernährungssonde (PEG) ist kein Ausschlusskriterium. Dexpramipexol ist zerkleinerbar und kann in zerkleinerter Form aufgenommen werden. Sollte im Studienverlauf eine PEG-Sonde erforderlich werden, ist die Verabreichung des Prüfpräparats auch über die PEG-Sonde möglich. An der Biogen-Studie nehmen 5 deutsche ALS-Zentren teil (Berlin, Bochum, Jena, Hannover und Ulm), so dass eine wohnortnahe Studienteilnahme anzustreben ist. Für ALS-Patienten außerhalb der genannten Städte werden die Kosten für die Anreise mit einer Pauschale übernommen. Bei einer Überschreitung der Reisekosten von über 100 € pro Visite kann ein individueller Antrag auf Reisekostenerstattung getätigt werden, der durch die Studienkoordinatorin des Zentrums beim Sponsor eingereicht wird. Die Studienteilnahme umfasst 13 Visiten in unserer Ambulanz. Zusätzlich werden 9 Hausbesuche durch ein spezialisiertes Studienteam absolviert, in denen Blutentnahmen für studienbezogene Laborparameter durchgeführt werden. Der konkrete Startpunkt der Studie ist aufgrund der behördlichen Entscheidungen noch nicht abschließend geklärt. Mit dem Start ist zwischen Juni und August 2011 zu rechnen. Das Interesse an einer Studienteilnahme kann ab sofort kommuniziert werden: teresa.holm@charite.de (Prüfärztin) oder dorit.strassenburg@charite.de (Studienkoordinatorin).

AmbulanzPartner: update - Öffnung der Benutzerkonten

Das Internetportal AmbulanzPartner.de ist seit dem 15.03.2011 in Betrieb. Mit Stand Ende April sind mehr als 480 ALS-Patienten an der Charité mit einem geschütztem Internetkonto und einer vertraulichen elektronischen Versorgungsakte ausgestattet. Ab sofort können interessierte Patienten die Aktivierung ihres persönlichen Kontos bei der AmbulanzPartner-Koordinatorin erfragen (kathrin.hofer-zielke@ambulanzpartner.de). In diesem Fall bekommen die Patienten ihren persönlichen Aktivierungslink zugeschickt und können ihr Nutzerkonto persönlich verwalten und den Status ihrer Hilfsmittelversorgung einsehen. Weiterhin ist eine Bewertung der bisher eingesetzten Hilfs- und Heilmittel möglich. Weiterhin sind wir an einem Feedback durch die Nutzer des Portals sehr interessiert.


 März 2011


Internetportal AmbulanzPartner.de online

Das Internetportal AmbulanzPartner.de ist unter der folgenden Adresse online: https://www.ambulanzpartner.de. Es handelt sich um ein geschütztes Portal, das eine elektronische Versorgungsakte beinhaltet. Eine detaillierte Beschreibung der Zielstellung und der Inhalte des Portals sind über AmbulanzPartner.de und die entsprechende Patienteninformation abrufbar. Insgesamt ist AmbulanzPartner.de ein internetbasiertes Medium, das darauf abzielt, alle Partner eines Patienten über ein gemeinsames Internetkonto zusammenzuführen. Voraussetzung ist das Einverständnis des Patienten sowie die verbindliche Einwilligung der anderen Nutzer in die notwendigen Datenschutzbestimmungen. Die technologischen, administrativen und juristischen Voraussetzungen wurden geschaffen, damit AmbulanzPartner.de an den Start gehen kann. Bisher haben mehr als 300 ALS-Patienten unserer Ambulanz in die Nutzung von AmbulanzPartner.de eingewilligt. Gegenwärtig werden durch eine Datenmanagerin die bisher bestehenden Stammdaten (Adress- und Kontaktdaten) sowie Informationen über die bisherige Hilfsmittelversorgung in das Portal eingetragen. Weiterhin wird dokumentiert, welcher Versorgungspartner an der bisherigen Behandlung beteiligt war. Damit soll das Internetportal retrospektiv gefüllt werden, um eine effektive Nutzung durch die Koordinatorin und die Versorgungspartner zu gewährleisten. Wir rechnen damit, dass bis April 2011 diese Arbeiten abgeschlossen sind. Im nächsten Schritt ist die Freigabe der Benutzerkonten für alle interessierten Patienten und die einzelnen Versorger vorgesehen. Damit geht das Internetportal AmbulanzPartner.de in den Produktivbetrieb. Zukünftig wird das Patientenmanagement in allen Aspekten der Hilfsmittelversorgung internetbasiert koordiniert. In einem weiteren Schritt wird die Koordination des Physiotherapie-Netzwerkes für ALS-Patienten in Berlin über das elektronische Versorgungskonto der jeweiligen Patienten organisiert. Mit Öffnung des Benutzerkontos erhalten alle Patienten die Möglichkeit, zu sehen, welche Partner mit welchen Kontaktdaten an der eigenen Versorgung beteiligt sind. Über eine Status-Anzeige der Hilfsmittelversorgung erhalten die Betroffenen einen exakten Überblick, an welchem Stand des mehrstufigen Antrags-, Erprobungs- und Genehmigungsprozesses das erforderliche Hilfsmittel steht. Weiterhin sind auf dem Portal eine Bewertung von Vorteilen und Belastungen der Hilfs- und Heilmittel sowie die Abgabe von Verbesserungsvorschlägen für die Versorgung möglich. AmbulanzPartner.de ist eine Innovation in der Medizin, die bisher nicht etabliert ist. Vor diesem Hintergrund wurde in dem Magazin „DER SPIEGEL“ (Ausgabe Nr. 11 vom 14.03.2011) über die Gründung des Portals AmbulanzPartner.de berichtet (PDF). Am 18.03.2011 erschien der analoge Artikel in Spiegel Online und wurde für die Internet-Leserschaft verfügbar gemacht.

Rekrutierung für Anakinra-Studie gestartet

Seit Ende Februar 2011 haben wir an der Charité die Anakinra-Studie begonnen. Die ersten Patienten haben ihre tägliche Injektionsbehandlung mit dem Medikament bekommen. Die logistischen Abläufe mit einer Schulungs- und Probeinjektion in der Ambulanz und einer Versendung der Medikation mit einer Logistik-Apotheke sind gut angelaufen. Ein Patient klagte bisher über eine lokale Reizreaktion der Haut im Bereich der Injektionsstellen. Diese unerwünschte Arzneimittelwirkung ist für diese Medikament bei bis zu 50 Prozent der Patienten zu Beginn der Injektionsbehandlung bekannt und im weiteren Therapieverlauf rückläufig. Auch im Fall unseres Studienpatienten war die Hautreaktion nach einer Kühlungsbehandlung und Applikation einer antiallergischen Salbe nach wenigen Tagen rückläufig. Allen studienteilnehmenden Patienten wird die Möglichkeit gegeben, über das geschützte Internetportal www.ALShome.de die potenziellen Nebenwirkungen von Anakinra in einer täglichen bis wöchentlichen Webvisite zu beschreiben, sodass eine intensivere Überwachung durch den Studienarzt möglich ist. Sonstige unerwünschte Effekte sind bisher nicht aufgetreten. Insgesamt werden 20 ALS-Patienten mit einer Verlaufsform der Progressiven Muskelatrophie (PMA) an der Studie ANA-ALS01 teilnehmen.

Weitere Informationen erteilt teresa.holm@charite.de

Biogen-Studie: Update

Der Beginn der Biogen-Studie mit dem Medikament Dexpramixol wird weiter konkretisiert. Für den Mai 2011 ist ein Prüfarzttreffen aller europäischen Studienzentren in Europa vorgesehen. Damit wird ein Start der klinischen Prüfung frühestens ab Juni 2011 möglich sein. Derzeit finden die Prüfungen der Studie durch die zuständigen Ethikkommissionen der teilnehmenden Kliniken statt. Prüfzentren der Anakinra-Studie werden die ALS-Ambulanz der Charité in Berlin, sowie die Universitätskliniken in Bochum (BG-Kliniken Bergmannsheil, Dr. Torsten Grehl) in Hannover (Medizinische Hochschule Hannover, Prof. Dr. Susanne Petri), in Jena (Friedrich-Schiller-Universität Jena, PD Dr. Julian Großkreutz) und in Ulm (Rehabilitationskrankenhaus Ulm, Prof. Dr. Albert Ludolph). Die Studie wird an den deutschen Studienzentren zeitgleich beginnen, sodass eine wohnortnahe Teilnahme ohne zeitliche Verzögerung möglich sein wird. Die Anzahl der studienteilnehmenden Patienten pro Prüfzentrum sind mindestens 20 Patienten, die Teilnahme weiterer Patienten ist wahrscheinlich möglich. Die Details des Studienprotokolls, insbesondere zu den Ein- und Ausschlusskriterien sind noch nicht endgültig bekannt. Die kritischen Einschlusskriterien sind eine maximale Krankheitsdauer seit Symptombeginn (Schwäche oder Sprechstörung) vor 36 Monaten und eine gute Atemfunktion (Vitalkapazität > 70%). Die Details des Studienprotokolls werden zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.

Weitere Informationen erhalten Sie über teresa.holm@charite.de


Februar 2011


Tagung der deutschen ALS-Gruppe (DALSG) in Berlin 

Bereits in Jahr 2008 haben sich die forschenden Ärzte und Wissenschaftler, die zur ALS-Problematik arbeiten, in der deutschen ALS-Gruppe (DALSG) zusammen gefunden. Der ursprüngliche Anlass war die Organisation einer multizentrischen Studie zum Medikament Pioglitazone, die am Universitätsklinikum Ulm initiiert wurde. Die ursprüngliche Bedeutung der DALSG war damit die Unterstützung von klinischen Studien in Deutschland. Mit diesem Ziel kam es zu regelmäßigen Zusammenkünften der DALSG am Rande von neurologischen Fachkongressen. Im Jahr 2010 entstand die Idee, dass ein breiterer Austausch der ALS-Forscher auf einer gesonderten Fachtagung sinnvoll wäre. Am 10.02.2011 fand an der Charité in Berlin ein Workshop zu den Themenkomplexen der Grundlagenforschung, Tiermodelle, experimentellen Bildgebung, klinischen Studien, Biobanken, ALS-Register und Internetprojekte bei der ALS statt. Die folgenden Referenten haben über ihre laufenden und zukünftigen Forschungsprojekte berichtet: Julian Großkreutz (Jena), Jochen Weishaupt (Göttingen), Johanna Anneser (München), Andrea Winkler (München), Johannes Prudlo (Rostock), Andreas Hermann (Dresden), Patrick Weydt (Ulm), Dorothée Lulé (Ulm), Johannes Dorst (Ulm), Berthold Schrank (Wiesbaden), Markus Weber (St. Galen), Susanne Perti (Hannover), Ulrich Bogdahn (Regensburg), Joachim Wolf (Ludwigshafen), Torsten Grehl (Bochum) und Thomas Meyer (Berlin). Der Workshop diente dem Austausch der deutschen Arbeitsgruppen über die wissenschaftlichen Zukunftspläne der nächsten drei Jahre. Die Veranstaltung wurde von allen Beteiligten geschätzt, da ein offener Austausch über die eignen wissenschaftlichen Zielstellungen möglich war und Kooperationen zwischen unterschiedlichen Arbeitsgruppen angebahnt werden konnten. Auf Grund des Erfolges der Veranstaltung bestand Einigkeit ein Treffen der DALSG im Jahr 2012 zu wiederholen.


 Januar 2011


Biogen Idec startet ALS-Studie

Nach der Einlizenzierung von Dexpramipexol (KNS-760704) startet das Arzneimittelunternehmen Biogen Idec die geplante ALS-Studie in Nordamerika und Europa. Die Studie wird mit hoher Sicherheit im Frühsommer 2011 beginnen. Insgesamt werden über 800 ALS-Patienten in den USA und mehreren europäischen Ländern teilnehmen. In Deutschland werden neben der ALS-Ambulanz der Charité in Berlin die Prüfzentren der Ruhr-Universität Bochum (Dr. Torsten Grehl), der Medizinischen Hochschule Hannover (Prof. Dr. Susanne Petri), der Friedrich-Schiller Universität Jena (PD Dr. Julien Großkreutz) sowie des Universitätsklinikums Ulm (Prof. Dr. Albert Ludolph) teilnehmen. Die deutschen Zentren werden zeitgleich mit der Studie beginnen. Die administrativen Vorbereitungen an den einzelnen Zentren haben bereits begonnen. Derzeit wird die Einreichung der klinischen Prüfung an die jeweiligen Ethikkommissionen der Prüfzentren vorbereitet. An der Charité werden ab Mai 2011 mindestens 30 ALS-Patienten eingeladen, an der klinischen Prüfung teilzunehmen. Das Medikament wird in Form von 2 Tabletten täglich eingenommen, die Details des Protokolls und der exakten Ein- und Ausschlusskriterien werden während eines Prüfarzttreffens definiert, das wahrscheinlich im April 2011 stattfindet. Patienten mit einem Interesse an der Studienteilnahme an unserer Ambulanz werden gebeten, sich mit der Prüfärztin (teresa.holm@charite.de)  oder den Leiter des Studienzentrums (thomas.meyer@charite.de) in Verbindung zu setzen.

Anakinra-Studie vor dem Start

Nach der Bundesoberbehörde (Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM) hat im Dezember 2010 die Ethikkommission des Landes Berlin der Anakinra-Studie an der Charité zugestimmt (Studie ANA-ALS01). Ein entsprechender Kooperationsvertrag zwischen dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und der Charité wurde ebenfalls abgeschlossen. Damit sind alle Voraussetzungen erfüllt, um die klinische Prüfung bei 20 ALS-Patienten zu beginnen. Es handelt sich um eine offene Studie zur Untersuchung der Verträglichkeit und Tolerabilität. Anakinra ist ein etabliertes Medikament gegen die rheumatoide Arthritis (Rheuma), das in Form einer täglichen Injektion unter die Haut (subkutane Injektion) appliziert wird. Die ersten Screening-Visiten sind ab Februar 2011 geplant. Die Behandlung ist für 1 Jahr begrenzt. Nach diesem Zeitpunkt erfolgt die Auswertung der primären Endpunkte (Verträglichkeit) sowie der sogenannten sekundären Endpunkte, die Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit erbringen können (Verlangsamung der Krankheitsprogression). Einschränkend ist festzustellen, dass die geringe Teilnehmerzahl von 20 Patienten keine statistisch-signifikante Aussage zur Wirksamkeit erlauben wird. Die Studie ist nur für ALS-Patienten geeignet, die eine überwiegende Beteiligung des 2. Motoneurons aufweisen (Schwäche und Muskelschwund ohne Spastik). Die detaillierten Ein- und Ausschlusskriterien werden in der Rubrik „Therapiestudien“ gesondert dargestellt.

Zweiter ALS-Tag der Charité am 19.03.2011

Der erste ALS-Tag an der Charité fand am 20.11.2010 statt. Die Resonanz bei den Teilnehmern war positiv und erfreulich. Die Veranstaltung war hinsichtlich der Teilnehmerzahl auf 120 Personen beschränkt und ausgebucht. Aufgrund des Erfolges und der hohen Nachfrage haben wir uns entschlossen, am 19.03.2011 einen weiteren ALS-Tag zu veranstalten. Das Format wird ebenfalls darin bestehen, dass in drei größeren Seminarräumen parallele Workshops zu wichtigen Themen der ALS-Behandlung stattfinden. Auch im März 2011 werden sehr unterschiedliche Referenten mit verschiedenen Perspektiven und Kompetenzen eingeladen (Ärzte, Pflegeberaterinnen, Sozialmanagerin, Betroffene, Angehörige, Hilfsmittelversorger, Ernährungsberaterin, Atmungstherapeut etc.). Die offene Diskussion und der Dialog aller Partner steht im Vordergrund. Anmeldungen zum zweiten ALS-Tag sind über das elektronische Anmeldeformular möglich. Themenvorschläge, Kommentare und Rückfragen sind zu richten an: gabriele.frisch@charite.de

 

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