Eine Visite in unserer Ambulanz folgt einem definierten Ablauf, der einer größtmöglichen Beratungs- und Versorgungsqualität dienen soll. Dabei wird eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen einem Termin zur Erst- oder Wiedervorstellung gemacht. Bei einer erstmaligen Vorstellung ist eine umfangreiche Einschätzung und Beratung mit einem Zeitumfang zwischen 60 und 90 Minuten möglich. Die Visite zur Wiedervorstellung im Krankheitsverlauf folgt ebenfalls einem strukturierten Ablauf, während der Untersuchungs- und Beratungsumfang geringer ist. Ein Wiedervorstellungstermin umfasst je nach Diagnose, Krankheitsschwere, Versorgungsbedarf und sozialer Konstellation zwischen 15 und 60 Minuten.

Abb. 1: Ablauf in der Ambulanz bei erstmaliger Vorstellung
Ablauf bei einer Erstvorstellung:
Nach Eintreffen in unserer Ambulanz, Einlesen der Chipkarte und Aushändigung des Überweisungsscheins werden Sie von einer Mitarbeiterin unseres Ambulanzteams begrüßt. Sie erhalten ein Dokument zur Selbstauskunft, in dem die eigenen Kontaktdaten, die Informationen zu behandelnden Ärzten, der bestehenden Medikation und ausgewählten Symptomen erfragt werden. Weiterhin werden Sie von der Team-Mitarbeiterin in die Handhabung eines elektronischen Fragebogens zur Erfassung von neurologischen Symptomen eingewiesen
(Abb. 1: Team - Kontakt 1). In einem zweiten Schritt werden Sie in Begleitung Ihrer Angehörigen in ein Untersuchungszimmer begleitet, wo Sie selbstständig oder mit Hilfe Ihrer Begleitung ein strukturiertes Interview an einem PC mit 12 Fragen zu typischen Krankheitssymptomen durchführen. Es handelt sich um eine Selbstbewertung, die dem Arzt einen Einblick in die von Ihnen erlebten motorischen Beschwerden zusätzlich zu dem direkten Arzt-Patienten-Gespräch liefert. Nach Abschluss des elektronischen Fragebogens zur Selbstbewertung kehrt die Team-Mitarbeiterin zurück und führt mit Ihnen ein kurzes Gespräch über Ihre Vorerkrankungen und soziale Situation. Zusätzlich wird eine Messung des Körpergewichts und der Lungenfunktion durchgeführt. Die Messungen sind nicht bei jedem Patienten erforderlich, so dass es an dieser Stelle zu Abweichungen kommen kann. Weiterhin wird mit Ihrem Einverständnis ein Portraitfoto auf einer Digitalkamera angefertigt, das anschließend in das Praxismanagementsystem unserer Ambulanz übertragen wird
(Abb. 1: Team - Kontakt 2). Im nächsten Schritt werden Sie von einer Ärztin oder einem Arzt begrüßt, der eine neurologische Anamnese mit gezielten Fragen zu Vorerkrankungen und Leitsymptomen von motorischen Erkrankungen erhebt. Gleich im Anschluss folgt eine gezielte neurologische Untersuchung. Nach der ersten diagnostischen und therapeutischen Einschätzung zieht der Arzt den Leitenden Arzt (Prof. Dr. Thomas Meyer) hinzu, der eine erneute neurologische Untersuchung vornimmt und sich einen ergänzenden Eindruck von der klinischen Situation macht. Ziel dieses Vorgehens ist eine gemeinsame neurologische Einschätzung durch zwei Ärzte sowie kollegiale Befundbesprechung und Meinungsbildung durch zwei Universitätsmediziner. Zunächst verständigen sich beide Ärzte untereinander, um alle Aspekte der Diagnose, Prognose und Therapieoption zu erfassen. Im Anschluss findet ein Beratungsgespräch beider Ärzte mit dem Patienten und Angehörigen zum Befund, zur Diagnose, Prognose, den Therapieoptionen und den potentiellen Versorgungspartnern statt. Es werden Fragen der Patienten und Angehörigen beantwortet. Nach Klärung der wichtigsten Fragen verabschiedet sich der Leitende Arzt und übergibt das weitere Arzt-Patienten-Gespräch an den primär betreuenden Arzt. In diesem Teil des Arzt-Patienten-Kontakts werden Detailfragen der Behandlung und Versorgung thematisiert und die verordneten Medikamente und Behandlungsschritte festgelegt. Nach Verabschiedung des Arztes kehrt eine Team-Mitarbeiterin zu Ihnen zurück
(Abb. 1: Team - Kontakt 3). Sie nimmt notwendige Blutabnahmen vor. Weiterhin wird die Mitarbeiterin die Rezepte und Verordnungen vorbereiten und teilweise aushändigen. Ein Teil der Verordnungen wird erst nach Kostenübernahme durch die Krankenkasse versandt. Am Ende der Ambulanzvisite erhalten Sie einen Wiedervorstellungstermin sowie ein Dokument zur Selbstauskunft, das vor dem nächsten Ambulanztermin zu Hause komplettiert und zur folgenden Visite mitgebracht wird.
Ablauf bei einer Wiedervorstellung:
Die Wiedervorstellung in unsere Ambulanz wird, wie bei Ihrem ersten Termin, durch Team-Mitarbeiter und Ärzte realisiert. Sie werden zunächst von einer Krankenschwester oder Sprechstundenhilfe begrüßt und nach dem Dokument zur Selbstauskunft befragt. Wir gehen davon aus, dass Sie den Fragebogen zur Selbstauskunft bereits zu Hause ausgefüllt haben. Anderenfalls werden Sie dieses Dokument vor der Sprechstunde noch einmal erhalten und gebeten, die notwendigen Fragen vor allem zu den Veränderungen seit der letzten Visite zu beantworten. Im Anschluss daran werden Sie an einem mobilen PC 12 Fragen zu typischen motorischen Krankheitssymptomen beantworten, die sie bereits im Erstvorstellungstermin erhalten haben. Nach Abschluss dieses elektronischen Fragebogens werden durch eine Mitarbeiterin die Messungen der Lungenfunktion und des Körpergewichts durchgeführt. Im Anschluss daran findet der Arzt-Patienten-Kontakt statt, der aus einer neurologischen Untersuchung und einem Beratungsgespräch zu den Therapieoptionen und Behandlungsschritten besteht. Die notwendigen Rezepte und Verordnungen werden anschließend von einer Team-Mitarbeiterin vorbereitet und Ihnen zum großen Teil ausgehändigt. Im Einzelfall kann eine Blutabnahme notwendig sein. Auch die organisatorischen Schritte einschließlich der Kontaktaufnahme mit der Ambulanzkoordinatorin werden von der Krankenschwester oder Sprechstundenhilfe getätigt. Zum Abschluss erhalten Sie einen Termin zur erneuten Wiedervorstellung und das Dokument zur Selbstauskunft, das Sie zu Hause vor Ihrem nächsten Ambulanztermin ausfüllen werden.
Die beschriebene Struktur der Ambulanzvisite hat sich seit Etablierung unserer Spezialambulanz im Jahr 2002 stets weiterentwickelt und sich als eine geeignete Form bewährt, die den besonderen medizinischen und sozialen Erfordernissen schwerwiegender motorischer Erkrankungen nahekommt. Durch individuelle Erfordernisse, aber auch organisatorische Notwenigkeiten innerhalb unserer Ambulanz kann die Abweichung von beschriebenen Abläufen im Einzelfall angezeigt sein.